Wir laufen und laufen

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Wir laufen und laufen. Immer weiter. Auf den Abgrund zu.
Wenn wir uns umdrehen, sind wir verloren.
Wenn wir stehen bleiben, sind wir verloren.

Die Monster sind hinter uns.
Die Monster sind in uns.

Ich schaue zu dir und sehe das Monster.
Du schaust zu mir und siehst das Monster.

Was ist nur aus uns geworden?
Wir waren unbeschwert. Dachten, die Welt gehörte uns.
Doch das tut sie nicht. Das hat sie nie getan.

Und jetzt laufen wir und laufen und laufen.
Versuchen zu fliehen vor unserer Zukunft, die wir uns selbst so unerträglich gemacht haben.

Hinter uns die Monster der Vergangenheit.
Vor uns der schwarze Abgrund der Zukunft.

Du zögerst noch. Willst deine Zukunft umgehen.
Doch ich laufe weiter. Ich falle schon.
Hinein in den schwarzen Abgrund.

Und aus dem Schwarz wird Grau.
Und aus dem Grau wird Licht.

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Gänsehaut auf dem Herzen

Gänsehaut auf dem Herzen

Dichte Nebelschwaden erhoben sich.
Waberten um Baumspitzen.
Verdeckten Wälder und Berge und Wolken.

Ein einzelner Vogel zieht seine Kreise.
Durch Schichten aus grau.
Grau. Und Grau.
Einsam. Wie ich.
Vielleicht leisteten wir uns auch gegenseitig Gesellschaft.

Um mich herum nur die Bäume.
Die sich hinter dem Nebel versteckten.
Als wollten sie nichts mit mir zu tun haben.

Es war kalt. Sie war richtig so, diese Kälte.
Passte zu diesem seltsamen Gefühl in meinem Herzen.

Ich hatte Gänsehaut auf den Armen.
Ich hatte Gänsehaut auf dem Herzen.

Langsam kroch der Nebel in mein Innerstes.
Breitete sich in mir aus.
Legte sich auf mein Herz,
auf meine Lungen.

Alles wurde ruhiger.
Mein Atem.
Der Atem der Welt.

 

Altstadt

Altstadt

Kaffeetrinken zwischen den bunten Häusern der Altstadt.
Der Holztisch aufgewärmt von der warmen Frühlingssonne.

Alle sind draußen, sitzen auf den Dachterassen und in den Biergärten.
Genießen die ersten Sonnenstrahlen, die den nahenden Sommer ankündigen.
Überall kurze Hosen und Röcke und Sommerkleider.

Die Sonne macht uns optimistisch.

Davon

Davon

Wenn sie nicht mehr weiß, was sie noch sagen soll, geht sie einfach. Denn reden ist etwas, das sie noch nie sonderlich gut konnte. Worte können so schnell verletzen. Sie sprach lieber durch Taten. Doch manchmal war das nicht möglich. Und dann ging sie einfach. Davon. Niemand wusste, wohin sie dann lief. Oft nicht einmal sie selbst. Doch Hauptsache weit weg.

Schon nach 8 Minuten in der Natur wird man ruhiger. Hat sie zumindest mal gelesen. Und auf sie traf es zu. Meistens ging sie in den nächsten Wald und lief einfach immer weiter und weiter. Das half. Einfach nur weg von den Menschen, die immer nur reden wollen. Als ob Reden etwas helfen würde!

Unterwegs hatte sie schon so manche Bekanntschaften gemacht: Mit Hunden, Hasen und Rehen. Mit Eichelhähern, Amseln, Rotkehlchen und allen möglichen anderen Vögeln. Mit Tieren musste man wenigstens nicht reden.

Jedes mal, wenn sie zurückkommt, wird sie gefragt, wohin sie so plötzlich musste. Und jedes mal antwortet sie: „Davon.“ Ein Wort das alles sagte. Und eines der wenigen Worte, das alles erklären konnte.