Allein

Vienna

Die Welt ist so groß und du bist so allein.
Allein gegen den Rest der Welt.

Einsam dasitzen und weinen. Im Regen durch die Straßen laufen. Barfuß.
Die kalten Tropfen spüren. Überall Gänsehaut. Überall Einsamkeit.
Ohne Jemandem etwas getan zu haben, gehasst werden.
Ignorieren. So tun, als ob man unkaputtbar wäre. Daran zerbrechen, ohne dass es jemand bemerkt.
Wer denn auch? Du bist doch sowieso allein.

Ich glaube, ich habe geträumt

Rosen

Dein Kopf auf meiner Schulter.
Du siehst so zerbrechlich aus, wie deine langen Haare in dein zerbrechliches Gesicht fallen und mich am Hals kitzeln.
Dein Kopfhörer ist dir im Schlaf aus dem Ohr gefallen. Unbedingt hattest du mit mir Musik hören wollen. Weil du meine Musik so magst. Und weil du unmissverständlich zeigen wolltest, dass wir zusammen gehören. Diese seltsamen Halbstarken, die nur ein paar Meter von uns entfernt vermutlich auf den selben Zug warten, machten dir Angst.

Du denkst, ich könnte dich beschützen. Vor den Gefahren in dir und den Gefahren um dich herum. Dabei kann ich nicht mal mich selbst vor meinen eigenen Dämonen schützen. Diese Dämonen, die sich immer dann zu Wort melden, wenn du von diesem einen Typen erzählst. Wie toll er sei. So lieb und vernünftig.
Ich würde dir am liebsten ins Gesicht brüllen – oder die Dämonen möchten es tun – dass er zu alt für dich ist. Zu spießig, zu oberflächlich.
Was willst du von einem Mann, der nur auf Äußerlichkeiten achtet?
Natürlich bist du hübsch. Natürlich!
Aber dieser Typ kratzt  nur an der Oberfläche der Dinge. Während du die ganze Welt auseinander nimmst und ihre Tiefen ergründest.
Doch das willst du von mir nicht hören. Schließlich bin ich dein bester Freund. Und als bester Freund darf ich nicht mein Herz an dich verlieren, sondern sollte das deine zusammenflicken, wenn es – mal wieder – von einem Anderen gebrochen worden war.

„Ach“, seufzt du dann immer, „warum können nicht alle Männer so sein wie du?“
„Aber es reicht doch, wenn ich es bin.“, möchte ich jedes Mal sagen und schweige dann doch. Wie ich es auch jetzt tue, während ich dir beim Schlafen zusehe.

Plötzlich erwachst du, blinzelst mich verschlafen und verwirrt an. Deine Schminke ist verschmiert und lässt dich noch viel schöner aussehen, irgendwie.
„Hab ich lange geschlafen?“, fragst du und plötzlich schleicht sich ein Lächeln auf dein müdes Gesicht. „Ich glaube, ich habe geträumt. Irgendetwas Schönes.“
Ich muss daran denken, wie dein Kopf auf meiner Schulter gelegen hatte.
„Ich glaube, ich auch.“

Nicht immer nur nach unten

Krokus

„Es kann doch nicht immer nur nach unten gehen.
Irgendwann muss das Leben auch wieder schöner werden.“
Herausfordernd sah sie durch den Raum. Dann, als keiner ihr zu widersprechen wagte, bließ sie sich, fast ein wenig erleichtert, eine blonde Strähne aus der Stirn.
Sie war es leid, diese Diskussionen zu führen. Ihr war klar, dass ihr Leben in Trümmern lag. Ein riesiger Haufen Schutt und Asche und Staub lag in einem unglaublichen Durcheinander vor ihr und behauptete, ihre Gegenwart zu sein.
Das, was gestern noch als Zuhause, Familie und Freunde schön poliert vor ihr gestanden hatte.

Doch was half all das Jammern? Sie war ganz unten angekommen. Das musste sie sein, weiter nach unten konnte sie nicht mehr kommen. Und jetzt galt es, Schritt für Schritt, Stufe für Stufe, wieder nach oben zu klettern. Und sie würde wieder oben ankommen.

Sie bemerkte die Blicke der anderen. Ihnen war anzusehen, dass sie ihre Worte für dummes Gerede hielten.
„Immerhin habe ich ein Ziel vor Augen!“, fauchte sie, stürmte aus dem Raum und ließ die anderen Menschen, denen es nicht besser ging als ihr, sprachlos zurück.