Ich glaube, ich habe geträumt

Rosen

Dein Kopf auf meiner Schulter.
Du siehst so zerbrechlich aus, wie deine langen Haare in dein zerbrechliches Gesicht fallen und mich am Hals kitzeln.
Dein Kopfhörer ist dir im Schlaf aus dem Ohr gefallen. Unbedingt hattest du mit mir Musik hören wollen. Weil du meine Musik so magst. Und weil du unmissverständlich zeigen wolltest, dass wir zusammen gehören. Diese seltsamen Halbstarken, die nur ein paar Meter von uns entfernt vermutlich auf den selben Zug warten, machten dir Angst.

Du denkst, ich könnte dich beschützen. Vor den Gefahren in dir und den Gefahren um dich herum. Dabei kann ich nicht mal mich selbst vor meinen eigenen Dämonen schützen. Diese Dämonen, die sich immer dann zu Wort melden, wenn du von diesem einen Typen erzählst. Wie toll er sei. So lieb und vernünftig.
Ich würde dir am liebsten ins Gesicht brüllen – oder die Dämonen möchten es tun – dass er zu alt für dich ist. Zu spießig, zu oberflächlich.
Was willst du von einem Mann, der nur auf Äußerlichkeiten achtet?
Natürlich bist du hübsch. Natürlich!
Aber dieser Typ kratzt  nur an der Oberfläche der Dinge. Während du die ganze Welt auseinander nimmst und ihre Tiefen ergründest.
Doch das willst du von mir nicht hören. Schließlich bin ich dein bester Freund. Und als bester Freund darf ich nicht mein Herz an dich verlieren, sondern sollte das deine zusammenflicken, wenn es – mal wieder – von einem Anderen gebrochen worden war.

„Ach“, seufzt du dann immer, „warum können nicht alle Männer so sein wie du?“
„Aber es reicht doch, wenn ich es bin.“, möchte ich jedes Mal sagen und schweige dann doch. Wie ich es auch jetzt tue, während ich dir beim Schlafen zusehe.

Plötzlich erwachst du, blinzelst mich verschlafen und verwirrt an. Deine Schminke ist verschmiert und lässt dich noch viel schöner aussehen, irgendwie.
„Hab ich lange geschlafen?“, fragst du und plötzlich schleicht sich ein Lächeln auf dein müdes Gesicht. „Ich glaube, ich habe geträumt. Irgendetwas Schönes.“
Ich muss daran denken, wie dein Kopf auf meiner Schulter gelegen hatte.
„Ich glaube, ich auch.“

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