Eine Grenze, die wir uns teilten

Schwere Geschütze

Wo endet deine Welt und wo beginnt die meine?

Schon viel zu lange waren die Grenzen zu nah beieinander.
Zuerst nur wollte ich eine Brücke bauen. Vielleicht. Ganz sicher.
Doch die Grenzen kamen sich immer näher.
Verschwammen miteinander. Immer stärker.
Bis sie eine einzige waren. Eine Grenze, die wir uns teilten.

Ich war mir sicher, das würde reichen.
Näher konnten sich Menschen nicht kommen. Dachte ich.

Und plötzlich war da keine Grenze mehr.
Meine Gedanken waren in deinem Kopf
und deine Gedanken waren in meinem Kopf.
Wie waren sie dort nur hineingekommen?

Ich wollte dich hinauswerfen.
Mit schweren Geschützen bedrohen.
Mir waren meine Grenzen wichtig.
Ich wollte sein wie die Schweiz: Unabhängig.
Ich war auch wie die Schweiz: Umzingelt.
Denn du warst wie der Rest Europas. Viel größer als ich.

Ein friedliches Nebeneinander sollte doch denkbar sein.
Denkbar schon. Doch leider nicht möglich.

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Was übrig bleibt

Asche und Feuer

Das ist es, was übrig bleibt:
Asche und Staub.
Und Tränen.

„Brennt es nieder!“, hast du gerufen.
„Lasst die Flammen tanzen!“

Und wir ließen sie tanzen.
Tanzen und toben.
Wütend fraßen sie alles, was ihnen in den Weg kam.
Hungrige Drachen in gelb und rot.

Dann war alles tot.
Schwarze Flocken rieselten vom Himmel.
Bedeckten die Erde wie eine düstere Decke.

Du hast auf den Phönix gewartet.
Der aus der Asche emporsteigen sollte.
Doch da war keiner.

Nichts war mehr übrig.
Nur Asche und Staub.
Und Tränen.

Damals in Paris

Paris

Manchmal sitze ich noch da und vermisse „Damals“. Als wir gemeinsam in Paris glücklich waren. Genau genommen war es die einzige Woche, in der wir nicht gestritten hatten. Wer händchenhaltend unter dem Triumphbogen steht, ist davon überzeugt, die Liebe seines Lebens gefunden zu haben. Schließlich war man in der Stadt der Liebe. Wer schon morgens um 8 mit den besten Schoko-Crossaints gefüttert wird, die es auf der Erde gibt, glaubt nicht an Schlechtes. Und wenn man sich dann auf dem Eiffelturm geküsst hat, ist man davon überzeugt, dass es nur eine Zukunft gibt: die Gemeinsame. Wie wir noch gemeinsam rätselten, was wohl die Namen, die auf dem Eiffelturm stehen, bedeuten.

Vermutlich war Paris der einzige Grund, warum wir es noch so lange miteinander ausgehalten haben. Wir hatten eine gemeinsame Erinnerung. Und eine schöne noch dazu. Wie wir immer sagten: „Damals in Paris…“ An was man sich nicht alles erinnern konnte: Die Metrofahrt in die komplett falsche Richtung, wodurch wir so kleine Gassen fanden, dass man nicht einmal nebeneinander laufen konnte. Die Begegnung mit einem alten Mann, der wohl schon 90 Jahre war und sich mit uns unterhielt, obwohl er keine Wort Deutsch oder Englisch und wir kein Wort Französisch sprachen. Unsere unheimlich lange und anstrengende Tour durch den Louvre, mit einer Touristen-Führerin, die so niedlich deutsch sprach. Der Ausblick vom Eiffelturm, nachdem mir endlich nicht mehr von der Aufzugfahrt übel war. Die Schifffahrt auf der Seine, bei der es so fürchterlich kalt und windig war, dass ich mich die ganze Zeit über in deine Jacke gekuschelt habe. Die lange Schlange, die vor Notre Dame wartete, sodass wir lieber Menschen beobachteten als uns selbst anzustellen.

Dieses „Damals in Paris…“ hat uns solange zusammengehalten. Obwohl schon gar nichts mehr da war zum halten. Wie oft habe ich gedacht, dass wir es nochmal versuchen sollten. Um der gemeinsamen Erinnerungen Willen. Aber jetzt ist es zu spät. Und es ist gut so. Die Zeit in Paris war schön. Aber das war einmal.

Gute Fragen, bessere Antworten

Fragen & Antworten

Was ist die Steigerung von optimistisch?
– Dumm.

Was wünscht du dir zum Geburtstag?
– Schenkt mir Abenteuer! Gebt mir Wissen!

Das soll doch wohl ein Witz sein?
– Ja. Aber ein ziemlich schlechter.

Und dann nenn mir mal den Unterschied zwischen vergeblicher Sehnsucht und absoluter Verzweiflung!
– Hoffnung.

Hast du den Film gesehen?
– Nein. Aber das Buch gelesen.

Sich cool fühlen

Armbänder

Barfuss laufen. Die Hände tief in den Hosentaschen. In der Sonne sitzen und philosophieren. Limo trinken – aus der Flasche mit Strohhalm. Nur mit Zitaten antworten. Stolz auf seine kaputten Chucks sein. Den Arm voll Bänder – aber nicht von Festivals. Laut mitsingen. Mit seinem Wissen angeben. Einer alten Dame helfen. Seine Haare vom Wind zerzausen lassen. Zerfledderte Taschenbücher lesen. Fremde Leute ansprechen. Im Schneidersitz dasitzen. Zur Musik tanzen – Walzer. Sich cool fühlen.
Mut zu schlechtem Geschmack zeigen. Und zum Anders-Sein. Ignorieren was andere denken. Karten spielen. Eine Torte backen. Seine Gefühle aussprechen. Mal mit Lippenstift aus dem Haus gehen. Und mit Nagellack. Nur kurze Sätze bilden. Kindisch sein. Schweigen, wenn man nicht reden will. Reden, wenn man nicht schweigen will. Jedem zeigen, was man liebt. Und wofür man lebt. Etwas selbst machen, anstatt es zu kaufen. Maßlos übertreiben. Nicht immer seine Einzigartigkeit zeigen wollen. Selbstgespräche führen. Die ganze Nacht durchmachen – weil man liest.
Es genießen, cool zu sein. Einfach, weil man sich so fühlt.

Abenteuerlust

Lagerfeuer

Hinaus in die Wildnis. Das ist es, was ich möchte.

Abenteuer erleben.
Durch Wälder streifen, Berge besteigen, Bäche durchqueren.
Weit weg von Autos, Städten und Stress.
Nur die Natur und meine allerbeste Freundin und ich.
Die Nächte in kleinen Hütten oder unter abertausenden von Sternen verbringen.
Lagerfeuer entzünden und darüber Tee kochen.

Oh, diese Abenteuerlust!

Gedankenkarussell

Backlights

Und es war Gestotter und unvervollständigte Sätze, unsichere Blicke und plötzliches Schweigen,  Wegschauen und eine grammatikalische Verunstaltung, von der ich nicht dachte, dass wir dazu fähig seien.

Zu gerne hätte ich ihm geholfen.
Die Sätze für ihn vervollständigt, die Blicke erwidert, das Schweigen gefüllt.
Doch womit?
Mit noch mehr Verunsicherung.
Mit absoluter Planlosigkeit.

Die Leute beschweren sich über Gefühlsachterbahn.
Ich sage euch: Versucht es mal mit Gedankenkarussell.
Ist nicht besser.