Welterschütternd

Atlas shrugged

Würde Atlas mit den Schultern zucken, die Welt könnte nicht stärker erschüttert werden.

Der Atlas, der meine Welt trug, zuckte mit den Schultern als ich bemerkte, dass ich wohl viel mehr gedacht hatte als du, wann immer du diese drei Buchstaben gesagt hattest: wir.
Für mich war wir eine gemeinsame Zukunft. Liebesgetränkte Worte. Liebesgetränkte Gesten.
All die großen und kleinen Dinge, gemeinsam.

Das Wir war doch schon so nahe.
Du warst mir doch schon so nahe.
Ich lag schon in deinen Armen, ich lag schon in deinem Bett.

Aber ganz offensichtlich war ich da nicht die Einzige.
„Ich hab ihn mit einer Anderen gesehen…“, sagte sie beinahe entschuldigend.

Zuerst wollte ich ihr nicht glauben.
Du hast mich an meiner besten Freundin zweifeln lassen!
Sie hatte dich noch nie wirklich gemocht. Sie hatte das doch bestimmt nur gesagt, damit ich mir dich aus dem Kopf schlage.
Doch immerhin ist sie meine beste Freundin. Eine Grundschulfreundin. Sie würde nicht mir ins Gesicht lügen.

Und dann habe ich euch gesehen. Händchenhaltend.
Meine Hand hast du nie genommen. Nur wenn wir allein in deiner Wohnung waren. Doch nie mitten auf der Straße.
Und mich hast du auch nie so angesehen. So… verliebt!
Mir hast du nie die Haare aus dem Gesicht gestrichen. Meine Haare waren zu kurz dafür.
Mir hast du nie die Tür aufgehalten. Ich war dazu schließlich selbst in der Lage.
Hättest du mich gewollt wenn ich nicht so emanzipiert gewesen wäre?

Ich sah euch Arm in Arm vorbeischlendern, mich nicht eines Blickes würdigen. Und dann sah ich, wie du sie geküsst hast.
Und dann zuckte Atlas mit den Schultern.
Und dann schüttelte Atlas die Welt über seinen Kopf.
Und dann zerstörte er die ganze Welt.
Meine Welt.

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Pathetik, Protest und persönliche Probleme

Papiervögel, sterbend

Im Grunde genommen wollen wir doch alle eine Revolution vom Zaun brechen, jedoch ohne uns dabei die Hände schmutzig zu machen.
Wir verlassen unsere Komfort Zone um von Klippen zu springen oder unser Gehalt zu verhandeln, nicht aber um Konflikte zu suchen anstatt sie zu umgehen.
Die einzigen Konflikte, die wir wagen, sind die in unserer Beziehung und die in unserem Job. Doch zu mehr reicht es nicht mehr.

Wir sehen Bilder davon, wie Menschen auf die Straße gehen. Lesen Zeitungsartikel darüber. Und denken uns: „Das! Das ist es, was man tun sollte: Protestieren. Boykottieren. Revolutionieren.“
Doch was ist es, das wir stattdessen tun?
Wir schmieren uns das nächste Nutellabrot, tippen die nächste E-Mail, bestellen den nächsten Cappuccino, beginnen die nächste Diät.
Viel zu sehr sind wir mit unseren eigenen kleinen Problemchen beschäftigt, um uns mit den großen Themen der Menschen, der Politik, der ganzen Welt zu beschäftigen.
Das einzige, was wir alle schaffen, ist uns zu beschweren. Über die Flüchtlinge. Über die Umweltverschmutzung. Über zu viel Liberalismus. Über zu viel Engstirnigkeit. Über den Nachbarn, der anders denkt als wir. Über links, über rechts, über alles dazwischen.
Wir würden ja gerne auf die Straße, auf die Barrikaden gehen. Doch wofür denn eigentlich? Irgendwie ist das doch alles nicht unser persönliches Problem. Irgendwie möchten wir doch lieber dieses eine Buch noch fertig lesen. Diesen einen Urlaub noch erleben. Diesen viel zu hohen Kredit abbezahlen. Diesen viel zu tristen Job kündigen.

Wofür würdest du diese verdammte Lethargie hinter dir lassen?
Wofür würdest du kämpfen?
Wofür wärst du bereit zu sterben?

Oder ist das zu pathetisch gefragt?

Deine Sprache ist ein Friedhof

Friedhof

Noch bevor die Worte deine Lippen verlassen haben, sind sie schon tot.
Tot wie das vom Wolf gerissene Reh.
Tot wie die Asche nach dem gelöschten Waldbrand.
Tot wie die Stadt nachdem die Bomben gefallen waren.
Tot wie deine Liebe zu mir.

Was willst du mir von Liebe erzählen? Vom Herzschlag und von Ewigkeit?
Du versuchst nur, Geister zum Leben zu erwecken.
Doch all deine Worte sind tot.
Deine ganze Sprache ist ein Friedhof.

Und ich muss feststellen, dass es nur Geister waren, die ich gesehen hatte.
Tatsächlich, es waren täuschend echte Geister, deine Worte.
Der Realität so nahe. Oder zumindest meinen Träumen so nahe.
Jetzt jedoch sehe ich, dass es nur Gespenster waren.
Gespenster, die an Grabsteinen vorbeizogen.

Doch ich lebe. Und keinem deiner toten Worte trauere ich nach.
Was soll ich also auf diesem Friedhof?

Mehr als das

Sonnenuntergang

Uns verbindet mehr als nur diese einundzwanzig Monate.

Uns verbindet der Herzschlag, der von zwei Herzen stammte, aber nach nur einem klang.
Das Denken an Gestern. An Heute. Und an Morgen. Alles gemeinsam. Zumindest für mich.
Dutzende Gespräche. Über Politiker, die mich störten. Über Musiker, die ich nicht kannte. Über Menschen, die mich bewegten. Über dich. Über uns.
Sonnenuntergänge an viel zu kalten Juniabenden. Kerzenschein im Wald. Küsse unterm Eiffelturm. Schnappschüsse von Bergwanderungen. Herzen an angelaufenen Fensterscheiben.

Dein Atem auf meinen Lippen. Mein Lachen auf deinen Lippen. Mein Kopf an deiner Schulter. Meine Finger in deinen Händen. Ich in deinen Armen. Du in meinem Herzen.

Meine Tränen auf meinen Wangen. Immer und ununterbrochen und unaufhaltsam. Seit du nicht mehr da bist. Seit du nicht mehr da sein wolltest.

Uns verbindet so viel mehr als das.

Von Coolness und Wissen

Museum

Wir spielen Stadt, Land, Fluss. Doch nicht, wie normale Menschen es vielleicht taten, mit Städten, Ländern, Flüssen oder den Namen von Schauspielern. Sondern mit Zaubersprüchen aus Harry Potter. Mit Zitaten von Shakespeare. Mit Titeln von Büchern, die wir gelesen haben.

Unsere Reisen führen uns nicht an Partystrände.
Unsere Reisen führen uns in historische Altstädte. Sie führen uns in Museen. Und zu all den anderen Orten, an denen wir etwas lernen können.

Andere Leute sagen: „Frag Google.“
Wir sagen: „Fuck Google. Ask Hermione!“

Und trotzdem haben wir einen Google-Suchverlauf:
Binomische Formeln
Lawrence von Arabien

Luna Lovegood, Spectrespecs
John Green Happydance

Wir haben mehr Bücher gelesen als all unsere Deutschlehrer zusammen.
Und verwenden den Genitiv korrekter als sie es tun.
Wir kennen Zitate, die von solch historischen Menschen stammen, dass sie weder unser Englisch- noch unser Geschichtslehrer kennt.
Wir stellen Fragen, stellen infrage, beantworten uns die Fragen selbst.
Und wenn wir das nicht können, sorgen wir dafür, dass wir es das nächste mal tun.

Ja, wir sind Nerds.
Ja, wir sind Freaks.
Und ja, wir sind dennoch cool. Oder vielleicht auch gerade deswegen.
Denn Coolness liegt im  Auge des Betrachters.
Und was ist cooler als Wissen?

Die Schatten großer Taten

Schatten großer TatenEin blütenweißes Hemd.

Der Vorhang war nicht nur schon gefallen, er lag sogar schon zusammengefaltet in der Ecke.

Gegen den Feind in sich selbst kämpfen.

Klare Luft. Klare Gedanken.

Er hatte die Gabe, in Bildern sprechen zu können.

Die Schatten großer Taten

Sie kannte Worte, die ich noch nie gehört hatte, bildete Sätze, mit denen man die Welt erklären konnte.

Kleinbürgerliches Spießertum

Neugierde als Ursache.

Ich bin ein ruheloser Wanderer. Immer auf der Suche nach mehr. Mehr Abenteuer. Mehr Freiheit. Mehr Freundschaften. Mehr Wissen.

Sie war wie ein Erdbeben. Erschütternd.

When the sky turns grey.

Nebelwände

Nebelwände

Im Nebel verloren.
Die Bäume nur undeutliche Schemen. Düstere Gerippe, die wie schwarze Finger in den Himmel ragen und nach Halt suchen. Doch der Himmel kann keinen Halt bieten, kann überhaupt nichts bieten außer trostlosem Grau.
Dürre Äste greifen in die Nebelwände, von Tropfen behangen.
Unter meinen Füßen einzelne gelbe Blätter, am vermodern.
Niemand war unterwegs. Wer wagte sich bei solch einer Düsternis schon aus der Geborgenheit des Wohnzimmers.
Und hier, mitten in diesem gottverlassenen Nirgendwo, gab es ja nicht einmal Wohnzimmer, die man hätte verlassen oder Menschen, die das hätten tun können.
Ich war allein. Die einzige Menschenseele im Umkreis von mehreren hundert Kilometern. Es hätten aber auch tausende Kilometer sein können. Wo war da noch der Unterschied?
Kein Geräusch war zu hören.
Bis der Schrei eines Eichelhähers die Stille zerriss und mein Herz für einen Moment aussetzen ließ.
Das war es doch, was ich eigentlich wollte. Stille. Einsamkeit.
Vielleicht hätte ich mich darauf vorbereiten sollen, wie einsam diese Einsamkeit sein kann. Vielleicht hätte mir jemand sagen sollen, wie viel Angst man haben kann. Allein im Nebel.