In Unterzahl überlegen

Stadt in Flammen

Wir setzen die ganze Stadt in Flammen, zünden die Hochhäuser an, brechen die Asphaltwüsten auf, die sich „unsere Straßen“ nennen, beginnen eine Rebellion, von der wir schon lange wussten, dass sie nötig war, die wir aber dennoch nicht für möglich gehalten hätten.
Sie auch nicht.
Sie hätten nicht gedacht, dass wir dumm genug wären, es tatsächlich zu tun. Vielleicht hätten sie auch nur nicht gedacht, dass wir mutig genug wären, um unsere eigene Existenz, die Überzeugungen, die wir von Kindesbeinen an eingeredet bekommen hatten, mit Benzin zu übergießen und dann tatsächlich ein Streichholz daran zu halten.
Sie hätten nicht gedacht, dass wir sogar in Unterzahl überlegen seien.
Sie zerschlugen uns zwar. Uns und die ganze Rebellion.
Doch als die Rebellion endete, begann die Revolution.

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Man wird älter

Farben und Pinsel

„So ist das nunmal“ Ungeduldig sah sie ihren kleinen Bruder an. Mit ihren himmelblauen Augen, die früher nie so stark geschminkt gewesen waren. Früher….
„Man wird älter, sieht Dinge, erlebt so Manches und dann ist man plötzlich erwachsen. Du glaubst nicht mehr an den Weihnachtsmann, Papa ist nicht mehr allmächtig und Träume sind auch nur noch unrealistische Hirngespinste. So ist das einfach. Und du kannst nichts dagegen tun. Überhaupt nichts.“

Trotzig schob er das Kinn vor.  „Und ob ich das kann! Du wirst schon sehen. Ich werde nie meine Träume aufgeben.“
Entschlossener als je zuvor wandte er sich wieder seinem Schreibtisch zu, wo – mitten in einem Durcheinander aus Notizen, Bildern, Pinseln und Skizzen – eine Zeichnung darauf wartete, vollendet zu werden.

Winternacht

Winternacht

Es war gespenstisch.
Schwärzeste Nacht, sternklar, klirrend kalt.
Der Schnee reflektierte das blasse Licht des Mondes.
Alles war weiß und bleich, wie Knochen.
Und es war kein Geräusch zu hören.
Als würde jeder Laut verschluckt werden vom Schnee, der heute den ganzen Tag lang stumm gefallen war.

Jeden Donnerstag

Café

Jeden Donnerstag treffen sie sich in diesem Café.
Begonnen hat es an einem kalten Dezembertag. Gestresst wie immer hetzte sie vom Büro nach Hause, genervt von dem Gedanken an die fehlenden Weihnachtsgeschenke und dieser übertriebenen Besinnlichkeit, dieser scheinheiligen Besinnlichkeit.
Immer war sie durch die Straßen gelaufen ohne nach links oder rechts zu sehen; nur schnell nach Hause kommen.

Aber eines donnerstags war es anders. Im Nachhinein konnte sie nicht mehr sagen, weshalb.
Sie sah diesen Schein im Fenster, von Kerzen und Weihnachtsbeleuchtung. Und obwohl sie für so etwas keine Zeit hatte, blieb sie stehen, voller Bewunderung.
Obwohl die ganze Stadt erhellt war von leuchtenden Weihnachtsbäumen und Sternen und Lichterketten, war dieser Ort anders. Vielleicht war es der Geruch von Behaglichkeit. Vielleicht war es das leise, irgendwie beruhigende Klirren des Geschirrs. Vielleicht war es auch einfach nur Zufall.
Sie hatte das Gefühl, sie musste einfach eintreten in dieses Café.
Von der warmen Luft waren ihre Brillengläser beschlagen gewesen und so hatte sie erst zu spät erkannt, dass der kleine Tisch, an den sie sich gesetzt hatte, bereits besetzt war.
Als sie die Brille abgenommen hatte, hatte sie ihn dann gesehen: Einen Mann, vielleicht Mitte 50. Und er lächelte ihr zu, als würde er direkt in ihr Herz sehen.
Zuerst hatte sie sich unwohl gefühlt. Schließlich war es ein Fremder! Doch der Mann sprach mit ihr mit einer Selbstverständlichkeit, dass es ungmöglich gewesen wäre, einfach wieder aufzustehen und zu gehen.
„Du siehst müde aus. Vielleicht solltest du weniger Kaffee trinken und dafür mehr schlafen.“

Und seit diesem Tag treffen sie sich jeden Donnerstag. Er hilft ihr, den Stress beiseite zu schieben, zuerst nur für Minuten, dann für Tage und irgendwann für immer. Er hilft ihr, die Schönheit zu erkennen, die man nur sieht, wenn man sich die Zeit nimmt, wirklich hinzusehen. Das tut sie nun.
Und jetzt kann auch sie lächeln, als könnte sie direkt in sein Herz sehen. Was sie vielleicht auch kann.

Ermutigung

Aufmunterung

Ich möchte, dass du weißt wozu du alles fähig bist.
Du bist stark. Du bist groß. Und großartig. Du bist mutig. Du bist intelligent.
Und sollte dir jemals jemand etwas anderes sagen (und wenn du selbst es bist), dann wisse:
Es ist eine Lüge!

Du kannst Berge entwurzeln, den Himmel bemalen, die Sterne stehlen.
Du kannst Wörter entwurzeln, das Dunkel bemalen, die Meere stehlen.

Du kannst Drachen jagen, und Gespenster.
Du kannst Sätze töten, und Monster.

Und auch wenn du das Gefühl hast du fällst,
dann sei dir im Klaren darüber,
dass Fallen auch nur eine Form des Fliegens ist.

Liebeserklärung an F.

Ein ganzer Mond voller Rosen

Weißt du, ich habe lange darauf gewartet, jemanden zu finden, an den ich meine Liebesbriefe richten kann.
Es war als würde mein Herz überlaufen vor liebesgetränkter Worte, als würden Rosen aus mir herauswachsen.
Doch niemand war da, der die Worte und die Rosen verdient hatte. Niemand war da, den ich als würdig erachtet hätte.
Und dann kamst du.
Und plötzlich reicht nicht ein ganzer Mond voller Rosen, nicht eine Bibliothek voller Worte um das auszudrücken, was ich fühle.
Alles, was ich dir sagen möchte, klingt viel zu kitschig – und du weißt, dass ich von Romantik nicht sonderlich viel halte.
Alles, was ich sagen möchte, klingt wie eine Lüge, wie eine riesige Übertreibung, weil ich doch selbst der Überzeugung war, dass es solch heftige Gefühle nicht geben kann.
Zumindest dachte ich das bis ich dich kennengelernt habe.
Und nun sprudeln diese scheinbar unmöglichen Gefühle aus mir heraus und wissen doch gar nicht, wohin sie sollen.

Bitte entschuldige meine unbeholfenen Sätze. Das hier sollte eigentlich eine Liebeserklärung werden.
Und das, obwohl ich zu dir noch gar nie „Ich liebe dich“ gesagt habe.

Teil II
Teil III