Glaubst du an das Leben?

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– „Glaubst du an Gott?“
– „Nein. Ich glaube an den Tod.“
– „Und an das Leben?“
Langes Schweigen. Stille. Dann schließlich:
„Ja, daran manchmal auch.“

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Most attractive in a most uncommon way

Most attractive

I don’t know what it was exactly. But his eyes…  They were so brown!
And his eyebrows… So questioning.
His look was like feeling at home. In a mysterious way.
And I’ve never seen such big and yet such pleasant and comforting hands.
His lips were like in a constant smile. But so small as if he was happy about something only he knows. Slightly curled.
He was attractive, most attractive in a most uncommon way.
With his sunglasses tucked in his pullover, with his far too old jeans and with his strange little beard that gave him an even more sympathetic look.
And then there was his look, out of the train window, towards the sunset. As if he thinks about something deeper. As if he knows something deeper.

Berge bezwingen

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Und oh, wie ich diese Gipfel gefürchtet hatte.
Schneebedeckt, zerklüftet, unbezwingbar.
Wie wir alle gezitterten hatten.
Warum klingen Parolen so verzweifelt, wenn man an sich selbst zweifelt,
im Angesicht dieser Berge?
Doch dann erschien er. Er, der kleiner wirkte als wir alle, der schwach und schmächtig wirkte. Doch er war zäh. Und er wusste nicht, dass es Gipfel gab, die als unbezwingbar galten.
Er stürmte los, leere Parolen rufend. Und bald folgten wir ihm alle, seine leeren Parolen in furchtbare Schlachtrufe verwandelnd.
Manche stolperten, manche wankten, doch niemand stürzte.

So bezwingt man Berge.

Legt mir keine Blumen auf mein Grab

Blumen

Legt mir keine Blumen auf mein Grab,
steckt sie euch ins Haar und tanzt damit wie schwedische Mädchen an Mittsommer.
Legt mir keine Blumen auf mein Grab,
reicht Sie euren Liebsten, damit sie wissen, was sie euch bedeuten, bevor es zu spät dafür ist.
Legt mir keine Blumen auf mein Grab,
lasst sie euch auf Kleider drucken und verbreitet den Sommer auch an dunklen Tagen.
Legt mir keine Blumen auf mein Grab,
nehmt sie mit nach hause, wo sie euch willkommen heißen.
Legt mir keine Blumen auf mein Grab,
lasst sie auf den Wiesen wo sie blühen für alle Tiere und alle Menschen, wo sie den Frühling und den Sommer versprechen.
Legt mir keine Blumen auf mein Grab,
aber sät eine Wiese, bunt, so bunt, damit ein jeder sich daran erfreuen kann, denn selbst im Tod kann Freude stecken, denn der Tod ist besiegt, wenn ich weiterlebe in euren Herzen und in euren Blumen.

Du bist überall

Möwen

Du bist in jedem Schluck Milchkaffee, den ich seit unserem ersten Date trinke.
Du bist ein jedes Vergissmeinnicht, von denen du  mir so viele geschenkt hast.
Keine Sorge, das werde ich nicht. Der letzte Topf davon steht noch immer auf meiner Fensterbank.
Du bist jede Silbermöwe und jede Mantelmöwe, die ich nur dank dir unterscheiden kann.
Du bist in jedem Paar braun-grüner Augen, das mich ansieht
und auf jedem Foto der letzten 39 Monate.
Du bist jeder Motorradfahrer dessen Gesicht ich nicht erkennen kann.
Du bist in jeder verdammten Eiche, deren Unnachgiebigkeit am Straßenrand unsere Beziehung so plötzlich beendet hat.
Du bist in jedem schönen Moment und in jedem Traurigen ebenfalls.
Du bist wie mein Schatten oder vermutlich mehr wie ein Geist.
Denn du bist überall und du bist immer da.
Nur leider anders, als du es mir versprochen hast.

Potentielle Feinde um jeder Ecke

Kriegsflugzeug

Wate durch Wasser,
das andernorts nur Schlamm ist.
Wer versorgt die Krieger,
wenn alle nur Frieden wollen?
Ein Lächeln aus Stein,
macht nicht die Mauern vergessen,
die schützen
wie ein Glasfenster,
dessen Splitter,
von Bomben gesprengt,
dein Herz durchbohren.
Das Herz der Liebsten stirbt mit.
Wofür leben,
wenn alle sterben?

Wer erklärt mir den Konflikt?
Wenn doch Krieg nicht erklärbar ist
und niemand mehr weiß,
wer Gut ist und wer Böse.
Wenn doch alle nur
böse sind.
Potentielle Feinde
um jeder Ecke.
Drehen uns im Kreis.
Waffenstillstand
beinhaltet doch immer noch
Waffen.

Sag Auf Wiedersehen
zu den Waffen,
denn du wirst sie
wiedersehen.
Doch verabschiede dich
von Mutter und Vater,
von Schwester und Bruder
für immer.
Denn der Tod ist nicht endlich.

Hunger!
Hunger, Hunger!
Er höhlt deinen Magen aus,
Leere wie in Höhlen.
Hörst du das Echo,
das erschallt,
wenn Kampflärm verstummt?
Das Echo von Kindern,
die schon lange nicht mehr weinen,
und von Vögeln,
vom Himmel geholt
wie die Flugzeuge,
die Brot versprachen
und Bomben brachten.

Liebeserklärung an F. – Teil V

Notizbuch

Ich brauche das „Ich liebe dich“ nicht aussprechen,
damit du weißt, dass das so ist.
Denn du weißt, was ich sagen möchte,
bevor meine Lippen die Worte geformt haben.
Du liest meine Gedanken,
bevor ich überhaupt merke,
dass es dort Buchstaben gibt,
die sich sinnvoll aneinanderreihen lassen.
Du hörst das Unaussprechliche
und lässt es mich aussprechen,
weil du weißt, dass das manchmal hilft.
Und du lässt es mich aufschreiben,
weil du weißt, dass schreiben besser ist,
als sprechen jemals sein könnte.

Du respektierst mein Notizbuch,
obwohl ich ihm mehr erzähle als dir,
obwohl du eifersüchtig sein könntest
und es vielleicht auch bist.
Doch du schweigst und akzeptierst.
Selbst wenn es auf dem Tisch liegt
und ich nicht da bin
und es dich anbrüllt,
das tut es sicherlich, ich weiß es,
es muss so sein,
dennoch fasst du es nicht an.
Du respektierst mich mehr,
als ich selbst es jemals könnte.

Und du weißt, wie sehr ich dich liebe,
du sagst, du weißt es
und ich sage, du weißt es nicht,
aber ich weiß, dass du es trotzdem weißt,
irgendwie.
Vielleicht ist das der einzige Grund,
warum ich es nicht ausspreche.
Weil du es sowieso schon weißt.
Und weil meine Worte
sowieso niemals ausreichen werden
für das, was ich sagen möchte.

Teil I
Teil II
Teil III
Teil IV