Glaubst du an das Leben?

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– „Glaubst du an Gott?“
– „Nein. Ich glaube an den Tod.“
– „Und an das Leben?“
Langes Schweigen. Stille. Dann schließlich:
„Ja, daran manchmal auch.“

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8 Gedanken zu “Glaubst du an das Leben?

  1. Hier hast Du DIE entscheidende Frage formuliert, liebe Felicitas 😉 Wie eigentlich immer. Die Aussage „ich glaube“ bedeutet eigentlich nichts anderes als „ich glaube an das Leben“. Als Christ denke ich, dass der Tod zwar eine Macht in dieser Welt ist, aber deshalb ist er noch lange nicht allmächtig. Eugen Drewermann hat das sehr gut gesagt:

    „Wir haben nichts zu verlieren: keine Rechte, keine Titel, keine Ansprüche – uns gehört nichts; aber wir können alles gewinnen: Mitleid, Milde und Menschlichkeit – wir gehören zusammen. Dieser Wendepunkt vom Tod zum Leben beziehungsweise von Verzweiflung zu Vertrauen ist identisch mit der Entdeckung eines anderen Ausgangspunkts, ist ein Sich-Festmachen im Absoluten. Das entscheidende Beispiel einer solchen Alternative bietet das Leben und Sterben des Jesus von Nazaret. Er »erfand« nicht den Glauben der Liebe an die Unsterblichkeit des Lebens, er wagte es einfach, ihn wahrzumachen gegen alle Widerstände. Wenn Gott ist, so wußte er, dann will er nicht, daß Menschen verloren gehen oder einander verloren geben. Doch dann schaute er sich um, und er fand
    sie allesamt als Irrende und Irregeführte, als Verratene und Verlaufene, – hilflos und heimatlos wie streunende Tiere im Winter.

    Wir alle stehn in der Hand des Todes, wir müssen nur aufhören, uns davor zu fürchten. Dann können wir heute noch anfangen, richtig zu leben[…]Wirklich erwachsen wird ein Mensch gewiß erst, wenn er beginnt,mit dem Tod zu rechnen. Von diesem Zeitpunkt an ändert sich das Zeitgefühl. Die Begrenztheit des Daseins tritt unaufhaltsam drohend oder tröstlich in Erscheinung, und es ist die erhabenste Kunst und das sicherste Zeichen eines geglückten Lebens, das Altern anzunehmen als ein ruhiges Reifen und Hineinwachsen in Gott. Das ganze Geheimnis des Todes aber liegt darin, daß man sich mit ihm versöhnen kann, wenn man einen anderen Menschen an seiner Seite unendlich liebgewinnt. Nur in der Liebe erschließt sich die unendliche Schönheit und die absolute Notwendigkeit der Existenz eines bestimmten Menschen; nur in der Liebe taucht man gewissermaßen an den Anfang der Schöpfung zurück und vollzieht von innen her den Entschluß Gottes nach, der von Ewigkeit her wollte, daß es diesen einen besonderen Menschen gibt. Die ewig unbeantwortbare Frage aller Metaphysik: warum ist etwas und nicht vielmehr nichts?, findet durch die Liebe ihre Beruhigung. Die Liebe weiß, daß es den anderen gebenmuß, macht vom Grund des Daseins her dankbar gegenüber Gott für das unermeßliche Geschenk des Lebens. In der Liebe wird der andere zu einem Fenster, das die Welt hell macht und durchsichtig auf Gott hin,und umgekehrt wird seine Zuneigung zu einem Weg und einer Brücke, die von dieser Welt hinüberreichen in die Ewigkeit. Für den Menschheitsglauben an die Unsterblichkeit des einzelnen gibt es keine wichtigere Stütze als das Argument der Freundschaft und der Liebe[…]

    Die Liebe erkennt und erfühlt die geistige Gestalt des anderen, die nicht in Zeit und Raum, im Spiel der Zufälle begründbar und verstehbar ist. Eben deshalb ist die Liebe durch den Tod nicht zu entmutigen. Wo die Sinne nichts anderes wahrnehmen können als das grausame Werk der Zerstörung des Schönsten, erkennen die Augen der Liebe das Hervortreten der eigentlichen, unverfälschten Gestalt, ein Hinübergehen in die Gegenwart der Ewigkeit. Ohne einen solchen Glauben an die Unsterblichkeit des Geliebten wäre die Liebe nichtig und der Tod allmächtig; aber die Verwandlung der Sinne, zu welcher die Liebe das ganze Leben erzieht, wird vom Tod eher bestätigt als widerlegt. Das Allerinnerlichste, die Sprache des Herzens,die Berührung der Seelen,ist in sich selbst Beweis, Verheißung und Erfüllung einer Seligkeit,
    die von Gott selber ist und nie vergeht.“
    http://www.patmos.de/pdf/978-3-491-50111-9.pdf?osCsid=0d2ef8ac4834e0e107ca5ebc52204ef6

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    1. Lieber Mark, auch wenn ich mir noch immer nicht sicher bin, an was für einen Gott ich glauben soll oder ob ich überhaupt an einen glaube… Der Glaube an die Liebe ist etwas ungemein Wichtiges in meinem Leben. Und deine Worte treffen irgendwie genau zu. Irgendwie…. Danke dafür!
      Viele Grüße,
      Felicitas

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      1. Hallo, liebe Felicitas. Der Glaube an die Liebe ist wohl auch der einzige Glaube, auf den es wirklich ankommt. Aus diesem Grund gehört das Hohelied der Liebe aus dem 13. Kapitel des 1. Korintherbriefs (1 Kor 13,1–13 EU) zu meinen absoluten Lieblingsgedichten:

        „Wenn ich in den Sprachen der Menschen und Engel redete, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich dröhnendes Erz oder eine lärmende Pauke. Und wenn ich prophetisch reden könnte und alle Geheimnisse wüsste und alle Erkenntnis hätte; wenn ich alle Glaubenskraft besäße und Berge damit versetzen könnte, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich nichts. Und wenn ich meine ganze Habe verschenkte und wenn ich meinen Leib dem Feuer übergäbe, hätte aber die Liebe nicht, nützte es mir nichts. Die Liebe ist langmütig, die Liebe ist gütig. Sie ereifert sich nicht, sie prahlt nicht, sie bläht sich nicht auf. Sie handelt nicht ungehörig, sucht nicht ihren Vorteil, lässt sich nicht zum Zorn reizen, trägt das Böse nicht nach. Sie freut sich nicht über das Unrecht, sondern freut sich an der Wahrheit. Sie erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, hält allem stand. Die Liebe hört niemals auf. Prophetisches Reden hat ein Ende, Zungenrede verstummt, Erkenntnis vergeht. Denn Stückwerk ist unser Erkennen, Stückwerk unser prophetisches Reden; wenn aber das Vollendete kommt, vergeht alles Stückwerk. Als ich ein Kind war, redete ich wie ein Kind, dachte wie ein Kind und urteilte wie ein Kind. Als ich ein Mann wurde, lege ich ab, was Kind an mir war. Jetzt schauen wir in einen Spiegel und sehen nur rätselhafte Umrisse, dann aber schauen wir von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich unvollkommen, dann aber werde ich durch und durch erkennen, so wie ich auch durch und durch erkannt worden bin. Nun aber bleibt Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; doch am größten unter ihnen ist die Liebe.“

        Das ist einfach meisterhafte Lyrik 😉

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  2. Bei mir im Blog erschien gerade ein Hinweis „Ähnliche Beiträge“ und der Link hierhin. Ich glaube, das habe ich noch nie angeklickt. Ich bin froh, es diesmal gemacht zu haben. Hiermit hast du eine neue Leserin. 🙂 Ich mag deine Art zu schreiben. Viele Grüße, Marion

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