Negative Space

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That’s how our friendship could be summed up:
Close. So close that the only space between could be called negative space.
Space that tells it’s own story. Of closeness.
Negative Space.
Turned into positive stuff.

Niemand kann uns Steine in den Weg legen.
Wir setzen uns einfach darauf.

Thanks for everything.

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Champagner & Clowns

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Ihr stoßt an mit Champagner, haltet euch für die Könige der Welt. Und seid doch nichts anderes als Clowns. In einem erbärmlichen Wanderzirkus, der sich Leben nennt.
Eure Gläser klirren und zerspringen, ihr haltet nur noch Scherben in Händen und doch jubiliert ihr. Als ob Scherben Glück bringen würden.
Ihr glaubt wohl auch noch an Märchen.
Daran, dass am Ende alles Gut wird.
Woher wisst ihr, wann das Ende kommt? Ihr erkennt nicht einmal das Ende einer Party, die nie begonnen hat. Als ob es etwas zu feiern gäbe.
Und hier sind wir, tanzend. Uns mit billigem Whisky betrinkend. Fühlen uns wie die heimlichen Könige der Welt, die der Unterwelt. Denn wir sind ganz unten angekommen. Wir wissen, wie sich die Erde anfühlt, auf der wir leben, auf die ihr tretet. Doch irgendwann geht es nicht mehr weiter nach unten.
Und irgendwann wird der Champagner, der aus euren zerbrochenen Gläsern sprüht, den Boden erreichen und wir werden hier warten, mit unseren billigen Plastikbechern und werden den Champagner darin auffangen. Und ihn trinken. Gemeinsam mit den Scherben. Als wäre das eine dämliche Mutprobe, als wären wir unkaputtbar.
Auch wir sind nichts anderes als Clowns. Doch wir wissen es wenigstens.

Ungeschminkt

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„Ungeschminkt ist für mich kein Symbol der Wahrheit, aber ein Symbol der Verzweiflung.“, sagt sie und deutet auf ihre Augen.
Ungeschminkt waren sie wirklich. Sowohl wahrheits- als auch verzweiflungsbedingt.
„Wann hast du aufgehört dich zu schminken?“, frage ich sie und will eigentlich wissen, wann die Verzweiflung überhand nahm.
„Als ich irgendwann spätestens mittags sowieso jegliche Schminke fort geweint hatte.“, sagt sie. Ihre Mundwinkel zucken gefährlich. „Vor drei Wochen.“
Ich erschrecke. So lange also hatte ich sie schon nicht mehr gesehen. So lange also hatte sie all ihre Trauer, all ihre Verzweiflung für sich behalten. Drei Wochen sind eine verdammt lange Zeit für solche Gefühle.
Der Wind zerrt an ihren Haaren und an meinen Haaren und an unseren Jacken. Sie drückt sich näher an den Baumstamm, als würde der sie vor der Kälte beschützen. Ihre Lippen sind blau, nur ein klein wenig, und man kann den Abdruck ihrer Zähne erkennen, weil sie sich zu oft auf die Lippen beißt.
Ich möchte etwas sagen. Zum Beispiel wie leid es mir tut, dass ich ihr nicht hatte früher zuhören können. Zum Beispiel wie schuldig ich mich fühle, weil ich nicht für sie da war. Zum Beispiel wie stolz ich auf sie bin, dass sie dennoch durchgehalten hatte.
Doch die Worte hören sich falsch an, noch bevor ich sie überhaupt zu Ende formuliere. Ich fühle mich wie ein Fisch auf dem Land, so muss ich zumindest aussehen, wie ich meinen Mund öffne und schließen. Doch die Worte wollen sich nicht richtig anhören in meinem Kopf also bleibe ich stumm.
Und ich sehe ihr an, dass sie all das, was ich nicht ausspreche, versteht. Niemand kennt mich so gut wie sie und dennoch ließ ich sie so lange allein.
Der nächste Windstoß lässt sie die Jacke enger um sich ziehen. Sie holt eine Schachtel Zigaretten aus der Jackentasche und fischt nach längerem Suchen auch ein Feuerzeug heraus. Sie schaut hoch zu mir, entschuldigend: „Ich habe zu rauchen angefangen.“
Dann drückt sie mir beide Gegenstände in die Hand, beinahe gewalttätig. „Das brauche ich nicht mehr, wenn du jetzt wieder da bist.“
Manchmal erinnert sie mich an Luna Lovegood. Wie sie Dinge ausspricht, die unangenehme Situationen verursachen. Das hat nichts mit Taktlosigkeit zu tun. Das war Ehrlichkeit. Irgendwie war sie schon immer ungeschminkt gewesen.
Trotz dieses Stichs der Reue muss ich lächeln. Nur ein ganz kleines bisschen.
„Danke.“, sage ich und es klingt feierlich, obwohl es nur dankbar sein sollte. Ich glaube sie weiß, dass ich mich nicht nur dafür bedanke, dass sie gerade entschlossen hatte, tapfer weiter zu kämpfen, sondern auch dafür, dass sie nicht nachtragend ist.
Das war sie noch nie gewesen. Vielleicht hatte sie deswegen immer das Pech, ausgenutzt zu werden. Von ihrer Familie, die ihr alle Probleme aufhalsen möchte. Von Männern, die sie doch nie ernst genug für eine ernste Beziehung nehmen. Von Freunden, die sie als emotionalen Boxsack benutzen, wann immer die Möglichkeit dazu besteht. Was bei ihr irgendwie ziemlich oft der Fall ist.
In diesem Moment wünsche ich mir so sehr, dass sie jemanden findet, der immer für sie da ist. Der zuverlässiger ist als ich, die ich doch jetzt drei Wochen lang nicht nach meiner besten Freundin gesehen hatte, nur weil ich selbst endlich den Mann gefunden hatte, den ich heiraten möchte. Während meiner besten Freundin dieses Glück noch immer versagt blieb. Ich wünsche mir so sehr, dass sie jemanden findet, der ihr eine eigene Familie schenkt. Der ihr bester Freund ist. Und der sie mit all der Liebe überschüttet, die sie verdient hat.
Jetzt beginnt es zu regnen. Der Baum, unter dem wir stehen, schützt uns vor den ersten Tropfen. Und plötzlich grinst sie. Sie strahlt mich an, als könnte sie allein damit die Regenwolken vertreiben. Aber das will sie natürlich nicht. Ich weiß, wie sehr sie graue Wolken mag. Aus Solidarität, weil die doch von sonst niemandem gemocht werden.
Und sie strahlt und strahlt und ihre Augen füllen sich mit Tränen, aber auch ihre Augen strahlen.
„Weißt du“, gluckst sie schließlich „wenn man ungeschminkt ist, macht einem so ein bisschen Regen nichts aus.“
Dann laufen ihr die Tränen über die Wange, tropfen auf ihre Jacke, wo sie sich mit ein paar einzelnen Regentropfen vermischen.
„Weißt du“, beginnt sie nochmal einen Satz und dieses mal klingt sie ernster. „Ich beneide dich darum, so geliebt zu werden.“ Das Grinsen verschwindet so plötzlich aus ihrem Gesicht, wie es gekommen war. Sie klingt entschuldigend, als sie sagt: „Ich bin zu schwach, um dich nicht zu beneiden. Ich wollte es wirklich nicht und ich freue mich für dich und alles. Aber ich beneide dich.“
Beschämt schaue ich auf den Boden. Dann weiß ich, was zu tun ist. Ich stopfe das Feuerzeug und die Zigarettenschachtel, die ich noch immer in meinen Händen halte, schnell in meine Jackentasche. Und dann greife ich nach ihrer Hand. Sie ist kalt und klamm. Aber das hat nichts zu bedeuten, sie ist so ein zerbrechliches Mädchen, sie hat immer kalte Hände.
Ich drücke ihre Hand und plötzlich kann auch ich endlich einmal die Wahrheit sagen, so ungeschminkt, wie sie es immer tut.
„Weißt du,“, beginne auch ich. Denn das ist etwas, dass sie wissen muss. „Es braucht ziemlich viel Kraft, allein klar zu kommen. Ich bin hier diejenige, die schwach ist. Ich werde immer jemanden brauchen, der für mich da ist, der mir sagt, dass ich es Wert bin, hier zu sein.  Aber du weißt es ganz allein. Und das macht dich zum stärksten Menschen auf dieser ganzen Welt.“
Und dann weine ich mit und meine Wimperntusche verläuft, weil ich das mit dem Ungeschminkt sein einfach noch lernen muss.

A burning heart

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Your heart is like ice
And mine is on fire
Flames, rising up
Up, up, into the skies
And further, always further
Until my flames touched your ice
they licked the cold
tried to burn it down.

In vain.

Sometimes the ice is too strong.
Or the fire is too weak.

I am sorry.
But only for you.

Because I will find another heart
that is made out of wood.
Or out of sparklers.
Waiting for some flames.
And I will light it up.

Der Tag, an dem ich nicht flog

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Bis mittags trug ich meinen Schlafanzug, wankte von Raum zu Raum, wie ein Schlafwandler. Wenigsten passte die Kleidung zu meinen Gefühlen.
Als ich es doch endlich schaffte, einen Bissen zu mir zu nehmen, waren es doch nur Kekse. Und der Kalorienbedarf der nächsten drei Tage war gedeckt.
Ich stand irgendwie so furchtbar neben mir. Als würde ich mich aus ein paar Metern Entfernung selbst beobachten. Und mich fragen „Was, um alles in der Welt, tust du nur?“
Eine Frage, die wohl niemand beantworten konnte. Am allerwenigsten ich selbst.
Schon wieder eine Niederlage. Mein ganzes Leben bestand aus Wettbewerben, die ich nur verlieren konnte.
Dieses mal war es ein Flug. Ein von allen bewundertes, groß angepriesenes Abenteuer, das für mich doch nur ein verzweifelter Versuch war, nicht zu verzweifeln.
Doch man kann nicht vor sich selbst davon rennen. Und man kann auch nicht vor sich selbst davon fliegen. Das wurde mir irgendwann auch klar.
Also flog ich nicht.
Und geisterte durch die Zimmer, fahl und schwankend, ein Schatten meiner Selbst.
Nur niemals in einen Spiegel blicken. Ich wollte nicht wissen, wer ich geworden bin. Ich wollte nicht das Gesicht eines Verlierers sehen.
Hello my old friend.

Schwertlilien & Scots Pines

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Anfang Juni und Wolken türmen sich auf. Ein Garten nebst einer künstlichen Ruine nebst einem Schloss. Einhörnchen gibt es auch in zweifarbig, dennoch möchten sie keine Datteln. Und eigentlich haben sie nicht mal ein Horn, doch niemals geben wir zu, dass es gewöhnliche Eichhörnchen sein könnten. Dieses Wort wurde aus unserer Sprache verbannt. Stattdessen greift wenig später eine Kohlmeise an, vermutlich versehentlich, ihrem hektischen Rückzug nach zu urteilen.
Schwertlilien und schilderlose Scots Pines.
Seerosenblätter und Vanillepflanzen.
Hohe Temperaturen und hohe Feuchtigkeit.
All das macht uns so aufgedreht und wir haben uns so viel zu erzählen und trotzdem schweigen wir. Du verstehst mich trotzdem. Springst plötzlich auf, kurze Zeit später sitzen wir wieder. Und schweigen und reden und erzählen schweigend.
Wendekreis von Krebs und Steinbock erklärt, Malesien gefunden, weil gegoogelt, den Rubikon überschritten, zumindest verbal, neue Musik gehört.
Auch wenn ich die Kamera vergaß, wird die Schönheit festgehalten. Jede Pflanze, jeder Moment. In meinem viel zu löchrigen Gedächtnis.
Wir lernen langsam, wie anstrengend eine Pause im Vermissen sein kann.
Anstrengend. Und so herrlich.