Der Tag, an dem ich nicht flog

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Bis mittags trug ich meinen Schlafanzug, wankte von Raum zu Raum, wie ein Schlafwandler. Wenigsten passte die Kleidung zu meinen Gefühlen.
Als ich es doch endlich schaffte, einen Bissen zu mir zu nehmen, waren es doch nur Kekse. Und der Kalorienbedarf der nächsten drei Tage war gedeckt.
Ich stand irgendwie so furchtbar neben mir. Als würde ich mich aus ein paar Metern Entfernung selbst beobachten. Und mich fragen „Was, um alles in der Welt, tust du nur?“
Eine Frage, die wohl niemand beantworten konnte. Am allerwenigsten ich selbst.
Schon wieder eine Niederlage. Mein ganzes Leben bestand aus Wettbewerben, die ich nur verlieren konnte.
Dieses mal war es ein Flug. Ein von allen bewundertes, groß angepriesenes Abenteuer, das für mich doch nur ein verzweifelter Versuch war, nicht zu verzweifeln.
Doch man kann nicht vor sich selbst davon rennen. Und man kann auch nicht vor sich selbst davon fliegen. Das wurde mir irgendwann auch klar.
Also flog ich nicht.
Und geisterte durch die Zimmer, fahl und schwankend, ein Schatten meiner Selbst.
Nur niemals in einen Spiegel blicken. Ich wollte nicht wissen, wer ich geworden bin. Ich wollte nicht das Gesicht eines Verlierers sehen.
Hello my old friend.

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5 Gedanken zu “Der Tag, an dem ich nicht flog

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