In einem anderen Leben

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I.
In einem anderen Leben
werden wir eine Revolution starten.
Die Fäuste in den Himmel gerichtet,
Parolen rufend.
Frieden fordernd, statt Krieg.

II.
Niemand mehr
wird die Farbe von Blut kennen
oder nach der Farbe der Haut
beurteilen
und verurteilen.

III.
Gejagt werden nur noch Schatten
in Erinnerung
an ein früheres Leben.
Niemand verliert mehr
sein Leben.

IV.
Ich wache auf
und höre den Kampflärm
und sehe die Feuer lodern.
Schüsse und Schreie erfüllen die Nacht.
Und meine Angst.

V.
In einem anderen Leben
werde ich mutiger sein.

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Man ignoriere: Die Farbe des Himmels

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Der Himmel so zum Kotzen schön. Pink und Lila und Rot und irgendwo auch noch Blau. Jetzt endlich weiß ich, warum der Tod (der, der „Die Bücherdiebin“ geschrieben hat) sich so fürchterlich darüber aufregt, dass Menschen immer nur am Anfang und am Ende des Tages auf die Farbe des Himmels achten. Als wäre der Himmel sonst nie da. Als wäre blau nicht schön genug, um gemocht zu werden. Oder grau. Oder weiß. Oder all diese faszinierenden Schattierungen dazwischen. Als wäre nur PINK! oder LILA! oder ORANGE! erwähnenswert. Dabei heißt das doch korrekterweise orangefarben. Aber das interessiert sowieso niemanden.
Niemand kümmert sich noch um den Genitiv, sorgt sich um die Mehrzahl von Komma (was Kommata ist – von wegen Kommas!) und niemand interessiert sich tagsüber für die Farbe des Himmels.
Du nennst die Farbe deines Volvos himmelblau. Hah! Als würde es nur ein blau des Himmels geben.
Ich bin umgeben von Ignoranten und ich selbst bin der Schlimmste davon.

Pfützen

Fading Light

Gestern regnete es dreimal.
Schlafen war unmöglich.
Der Wind rüttelte an den Fenstern
wie die Erinnerung an unsere  Zugfahrt.

Kalter Kaffee aus Pappbechern und
halb-flüsternd vorgetragene Gedichte
über Regen und
über Sonnenuntergänge
in Pfützen.

Manche Züge
erreichen nie ihr Ziel.
Manche Passagiere
ebenfalls nicht.

Regentropfen auf Fensterscheiben,
Regentropfen in Kaffeebechern,
Regentropfen in Augenwinkeln,
Tränen in Mundwinkeln.

 

Nichts Festes

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Und sie schreit dich an. Jetzt endlich steht sie vor deiner Tür und kann ihre ganze Wut, ihre ganze Enttäuschung herauslassen.
Dir steht der Mund offen, der Mund, den sie schon viel zu oft geküsst hatte.
Gestern noch hattest du es noch „richtig“ erklären wollen. Nicht per WhatsApp, wo sie alles sowieso nur falsch verstand, und eigentlich auch nicht am Telefon, doch sie hob sowieso nicht ab. Gestern noch hattest du es ihr ins Gesicht sagen wollen.
Dass da nichts war.
Dass du sogenannte Kumpel-Freundinnen hattest.
Und dass deine Besucherin gestern eine solche war.
Du hattest ihr all das ins Gesicht sagen wollen.
Doch heute möchtest du das nicht mehr.
Du verstehst doch eigentlich gar nicht, was sie überhaupt möchte, wo denn eigentlich ihr Problem liegt.
Ihr stehen die Tränen in den Augen, bald werden sie ihre hübsche Wange herunterlaufen. Oft schon hast du diese Wange berührt, immer liebevoll. Jetzt würdest du sie am liebsten schlagen.
Weil du keine Ahnung hast von diesem Gefühl, das sich Liebe nennt. Und was dieses Gefühl noch alles mit sich bringt.
Hilflosigkeit. Und Angst. Und Eifersucht. Und Verunsicherung.
„Hey, jetzt reg dich ab!“, sagst du taktlos, wie du nunmal bist.
„Ich bin ein freier Mann.“
Als wäre Ron Weasley eine gute Quelle zum zitieren, wenn es um Mädchenangelegenheiten geht. Oder um Taktgefühl.
„Jetzt komm doch erstmal rein.“
Wenigstens das war ein guter Satz. Ihre Lippen zittern, vor Wut oder vor Hilflosigkeit oder vor allen Gefühlen auf einmal, und sie kommt mit in deine Wohnung. Letztes mal hattet ihr euch geküsst, bevor sie ganz eingetreten war. Heute weint sie, bevor sie ganz eingetreten war. Du wirkst verärgert und in deinen Augen hinter deinen mädchenhaft geschwungenen Wimpern kann man einen Hauch von Überforderung erkennen. Du wolltest doch kein Mädchen zum Weinen bringen. Du wolltest doch nur deine Freiheit genießen.
Manche Mädchen verstehen dieses Prinzip von Freiheit nicht. Vom Küssen und vom Sex ohne ein Hintertürchen zur Liebe.
Und sie gehört zu diesen Mädchen.
Ja, du hast recht. Du hast es ihr schon so oft gesagt. Immer, wenn du sie geküsst hast, immer wenn sie neben dir lag, immer, immer, immer, hast du es ihr gesagt. „Ich möchte noch nichts Festes.“
Sie hat es gehört. Sie hat es verstanden. Falsch verstanden. Sie hat doch immer nur das „NOCH nicht“ gehört und sich heimlich gefragt, wie lange dieses NOCH Beständigkeit hat.
Ich weiß, du bist ihr keine Rechenschaft schuldig. Du bist ihr keine Treue schuldig. Du warst ja sogar treu!
Und doch verstehe ich, warum sie so aufgebracht ist und warum sie weint und warum sie dich anschreit. Weil sie dich liebt.

On being 22

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The pride of growing the first own radishes ever and of drying your very own lemon balm.
Talking about one friend’s One-Night-Stand and another friend’s marriage.
The insides shattered like a box of matches. Because of all the questions you cannot answer, including the ones about your goals and your longings and the purpose of everything.
Worshipping the right people at last and still adoring the wrong ones.
Finding the true love and losing it and finding it again with a whole bunch of new insecurities which you thought you’d lost at the age of 19.
Missing your mother for her control of everything, missing her like your childrens-bed and still not liking her and not asking her, on principle.
Too short skirts, too long nights.
Missing school, hating and loving the new job.
Drugs & cigarettes and the guilt of irresponsibility.
Being sad and tired.
Writing books and dreaming of becoming successful.
The knowledge that friendships change.
The knowledge which friends can be trusted.
Political correctness as a joke and as an understatement.
Being tall and small and growing all the time.

Gib mich noch nicht auf.

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Wo bleibt dein „das kriegen wir hin“?
Wo bleibt dein „alles wird gut“?
Wo bleibt deine Hoffnung und
wo bleibt dein verdammter,
nicht tot zu kriegender Optimismus?

„Gib mich noch nicht auf.“, sage ich.
Suche nach diesem Optimismus.
Für den warst doch du zuständig.
Ich kann das doch nicht.

Doch eines kann ich nicht riskieren.
Dass du deinen Optimismus verlierst
wegen mir.
Als hätte ich dir nicht nur dein Herz gestohlen
sondern alles Positive,
was doch in mir gar nicht Platz hat.
Negatives stößt Positives ab.
Stoße ich dich ab?

Aber ich brauche dich.
Mehr noch als Luft,
die meine Lungen noch immer füllt,
auch wenn es so schmerzhaft ist.
Mehr noch als Natur,
obwohl nur sie mir Schönheit zeigen konnte,
bevor du kamst.
Mehr noch als alles andere
zusammen.

Ich versuche mich sogar an einem Lächeln.
Eine hässliche Grimasse.
Mein Gesicht kennt das nicht mehr.
Ich versuche mich sogar an einem Blick,
der hoffnungsvoll sein soll.
Trotz der getrockneten Tränen
und der neuen Tränen,
die mein Augen zu überschwemmen drohen.

Verdammt.
Woher kannst du das mit dem Optimismus?
Wie soll das bitte funktionieren?
Solange man die Last eines ganzen Lebens auf der Brust hat.
Als läge ich schon unter der Erde.
Begraben in einem Sarg aus Tränen.
Nur aus meinen eigenen Tränen, fürchte ich.

Warum will mir kein Lächeln gelingen?
Warum willst du nicht mehr lächeln?
Warum gibst du deinen Optimismus auf?
Darf ich nun auch mein Leben aufgeben?

Und dann schaust du mich an.
So also müssen wohl meine Augen immer aussehen.
Traurig.
Schwer. So schwer.
Du atmest ein
als wäre deine Lunge erdrückt.
Von den Worten, die du nun sagen möchtest.

Die Worte, die mein Leben,
eine Glasfassade, zerbrechlicher als feinstes Porzellan,
mit Steinen bewerfen werden.
Die Worte, die meine ganze Existenz,
ein hoffnungsloser Versuch ein Schloss zu bauen,
ein Luftschloss,
zum Einstürzen bringen werden.
Die Worte, die mich
umbringen werden.

Was kostet die Welt?
habe ich immer gefragt.
Was kosten deine Worte?
Mein Leben.

Deine Lippen, die mich küssen könnten,
dass ich nie wieder sterben möchte,
nie wieder Abschiedsbriefe schreiben möchte,
nicht im Kopf und nicht auf Papier,
deine Lippen bewegen sich.
Formen Worte, die mich umbringen werden.

Ich will es nicht hören und doch höre ich zu.

„Ich gebe dich niemals auf.“

Oh.

Deine Augen
noch immer so traurig.
Doch jetzt sehe ich ihn wieder,
den Optimismus.
Blitzen und blinken.
Oh.
Mein Fehler.
Bei mir sind das immer Tränen.
Bei dir der Optimismus.

Da seh‘ ich es wieder.
Dein „Das kriegen wir hin.“
Dein „Alles wird gut.“
Deine Hoffnung und deinen verdammten,
nicht tot zu kriegenden Optimismus.

Danke.

Von der Schönheit der Welt

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Wie durch ein Fernglas sehe ich die Schönheit der Welt.
Diese Schönheit ist da, das weiß ich.
Es gibt schneebedeckte Berggipfel. So grüne Wiesen. Moosbedeckte Waldböden. Wolkenformationen. Bäume, die in den Himmel ragen. Es gibt Bücher. Ganze Bibliotheken. Es gibt Vögel. Rote Sonnenaufgänge. Und lila Sonnenuntergänge.  Es gibt Worte, die mein Herz auseinandernehmen. Und Worte, die es wieder zusammensetzen. Es gibt glitzernde Schneeflocken. Strahlenden Sonnenschein. Einen leuchtenden Mond, der mich immer fasziniert. Es gibt Sternbilder. Es gibt Ozeane und Meere.
Und vor allem gibt es Menschen.
Und hier kommt das Problem.

Menschen, die Erwartungen haben.
Menschen, die wütend sind.
Menschen, die hassen.

Und trotzdem sind nicht alle Menschen böse.
Nicht alle Menschen machen die Welt hässlich.

Es gibt Vertrauen, das nicht gebrochen wird.
Es gibt Treue. Bedingungslose.
Es gibt Verständnis. Für alles.
Es gibt Freundschaft.
Es gibt Liebe.