Ein letztes Konzert

Backlights

Ein Festival. Eine weltbekannte Band gibt ihr letztes Konzert.
Es war nahezu unmöglich gewesen, an Karten zu kommen. Fürchterliches Gedränge vor der Bühne, trotz des einsetzenden Regens.
Und mittendrin stand sie.
Als einzige achtete sie nicht auf das harte Dröhnen des Schlagzeugs, auf das verrückte Hüpfen des Sängers, auf die brillanten Riffs des Gitarristen.
Stattdessen bemerkte sie die irrwitzigen Formen, welche die Nebelmaschine ins Scheinwerferlicht pustete. Sie genoss den Geruch von Zigarettenrauch, der sie an ihre Teenagerzeit auf schlechten Partys erinnerte, und der sich mit dem Geruch von Regen mischte, der sie an ihren letzten Englandurlaub erinnerte.
Sie bemerkte den einsamen Nachtfalter, der durch das grelle Laserlicht über die Bühne torkelte, und sah wie wunderschön das Gesicht eines Mannes mit Vollbart aufleuchtete, als er sich eine Zigarette anzündete.
Sie bemerket, wie sich das Klopfen des Regens auf ihrer Kapuze herrlich unrhythmisch und wundervoll beruhigend in den Rhythmus des nächsten Liedes mischte.

Was für eine Verschwendung, mögen Manche sagen, solch eine Unaufmerksamkeit auf solch einem Konzert.
Was für ein Glück, sage ich, dass es jemanden gibt, der trotz der Hysterie um scheinbar große Momente den Blick für die kleinen Momente nicht verliert.

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5 Gedanken zu “Ein letztes Konzert

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