Dabei hasse ich Märchen

Turmzimmer

Wir zogen tatsächlich in ein Schloss!
Was als Hirngespinst begann, wurde märchenhafte Realität.

„Wenn wir da einziehen, dann bist du der King!“
Sagte ich noch, als ich die Anzeige sah und dir zeigte, mit einem riesigen Grinsen im Gesicht und funkelnden Augen.
Dieses Funkeln in meinen Augen hat dich wohl überzeugt.
Denn jetzt bist du der King. Und ich bin die Queen.

Das klingt wie ein Märchen! Wie ein verdammt kitschiges, verdammt abgedroschenes, verdammt kindisches Märchen. Dabei hasse ich Märchen.

Natürlich war es nur ein kleines Schloss. Und wir wohnten nur in einem kleinen Teil davon.
Dennoch hatten wir zwei Turmzimmer. Wie das klingt!
Und dicke Steinmauern um uns herum und hohe Fenster, durch die wir weit in die Landschaft hinausblicken konnten, denn schließlich stand das Schloss (wie es Schlösser nunmal so tun) auf einer kleinen Anhöhe.

Im Sommer kamen Besucher. Nicht viele, schließlich war es kein großes und bekanntes Schloss. Dennoch erfüllte es uns mit Stolz.
Man könnte meinen, es würde nerven, ständig fremde Menschen vor der Haustür, im eigenen Garten, im eigenen Hof zu haben. Ständig neugierige Fragen und noch viel neugierigere Blicke.
Seltsamerweise störte mich das gar nicht. Obwohl ich sonst so schüchtern und scheu war und am liebsten so wenig Menschen wie nur irgendwie möglich um mich herum hatte. Doch diese Menschen waren Freunde, weil Besucher, weil Bewunderer.

Mein Märchen war das erste Märchen, das mir gefiel.

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3 Gedanken zu “Dabei hasse ich Märchen

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