Vom Mauern bauen

Hinter der Decke

Vermissen ist ein hässliches Gefühl. Und niemals würde ich zugeben, dass ich jemals etwas vermissen würde. Vor allem nicht ihn. Und ihm würde ich das sowieso überhaupt nie erzählen. Ich bin groß und stark und ich war schon immer die Große und Starke gewesen. Das musste ich doch auch sein. Hatte ich zumindest gedacht.
Es war doch sowieso abzusehen gewesen, dass es nicht gut enden würde mit uns beiden.

Vermissen ist ein hässliches Gefühl. Vor allem wenn es einseitig ist.
Ich hatte immer gehofft, dass er dieses hässliche Gefühl nur vor mir zu verstecken versuchte. So wie ich das immer tat. Ich hatte immer versucht alles hässliche vor ihm zu verstecken. Was vielleicht ein Fehler war.
Jetzt ist es natürlich zu spät. Jetzt wusste ich, dass er nur mit schönen Dingen umgehen konnte. Und mein Innerstes war kein sonderlich schöner Anblick. Vor allem nicht, wenn man noch nie mit hässlichen Tatsachen hatte umgehen müssen.

3 Wochen, sind eine Menge Zeit. Das sind 21 Tage. Das sind über 500 Stunden. Genug Zeit, um mir ein Schutzschild errichten zu können, damit niemals mehr jemand mein Innerstes sehen musste.
Und mit einem einzigen Satz riss er die ganze Mauer ein, die ich mir während der letzten drei Wochen so mühevoll errichtet hatte.
„Du vermisst mich noch immer.“

Woher bitteschön wusste er das?
Woher verdammt noch mal wusste er, dass ich ihn überhaupt jemals vermisst hatte?

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8 Gedanken zu “Vom Mauern bauen

  1. Du hast recht: Vermissen ist ein hässliches Gefühl!
    Vielleicht wusste er es gar nicht. War vielleicht einfach nur sein Gedanke. Menschen sind oft einfach nur überheblich manchmal. Bei Trennungen denken manche Männer häufig, dass wir Frauen sie vermissen, weil sie so toll sind. Ja, das tun wir. Wir vermissen und wir leiden. Das ist auch ok so. Wir haben ein Herz! Du musst dich nicht schlecht fühlen, weil du vermisst. Das ist menschlich. Er sollte sich schämen für den blöden Satz! Tut mir sehr leid. Mein bester Freund hat mal in einer ähnlichen Situation zu mir gesagt: Was du einmal erreicht hast, erreichst du nochmal.
    Alles Liebe und Gute dir:-)
    Es gibt hier draußen ganz viele Menschen, die mit dir mitfühlen:-)
    Liebste Abendgrüße
    Mia

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    1. Liebe Mia,
      vielen Dank für deinen tollen und aufmunternden Kommentar! Um ehrlich zu sein, sind das gar nicht meine aktuellen Gefühle. Meine Texte spiegeln nicht immer mein wahres Ich wider. Manchmal ist schreiben auch meine Art, mit Gehörtem oder Mitgefühltem umzugehen. Wie in diesem Fall. Nichtsdestotrotz bin ich ganz deiner Meinung: vermissen ist hässlich, aber es ist ok so, es ist menschlich. Das sollten wir uns viel öfter in Erinnerung rufen! Vielen Dank also für deine positiven Worte!
      Viele Grüße,
      Felicitas

      Gefällt 1 Person

  2. Vermissen fühlt sich in der Tat „hässlich“ an, aber das liegt vielleicht auch daran, dass es uns mit der existentiellen Realität konfrontiert, dass wir uns letztlich alleine nicht genügen und nie genügen können. Mauern zu bauen scheint mir daher keine Lösung. Eher schon den Schmerz auszuhalten, zu bejahen und dadurch langsam loszulassen für neue Begegnung und Beziehung. Das braucht etwas Mut, aber dass heisst leben.
    Das Bild finde ich sehr schön, vor allem weil es von der anderen Seite betrachtet eine neue Offenheit symbolisiert.

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  3. Komisch, ich finde vermissen nicht hässlich. Es ist unangenehm. Aber es zeigt ja auch ganz deutlich, wer oder was uns wichtig ist. Wer sich trennt, muss durch dieses Gefühl lange durchgehen. Und nicht etwa nur diejenigen, die verlassen werden. Ich habe mich mittlerweile entschieden, mein Vermissen zu akzeptieren, mich vor allem nicht dafür zu schämen. Käme da einer und würde – vielleicht sogar von oben herab – sagen, ich würde ihn ja wohl noch vermissen, ich meine, warum eigentlich nicht „ja“ sagen?

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      1. Ja, es ist auch wirklich sehr, sehr unangenehm, und deshalb fühlt es sich so hässlich an. Vielleicht auch, weil man sich so dumm fühlt, und denkt, man hätte sich besser schützen sollen. Aber wer sich vor Verlusten schützt, ist schon nicht mehr mit ganzem Herzen dabei. Das ist die Rückseite. Und deshalb: Sollte man nicht eher darauf stolz sein, vermissen zu können? (Man muss es ja nicht überall gleich herum posaunen…)

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