Das Leben ist zu kurz zum Zögern

Wasserfall

Sprich mit mir in ganzen Sätzen,
ich möchte Nägel mit Köpfen.
Ich möchte die Zukunft kennen,
um rechtzeitig davonzurennen.
Ich möchte planen und planen,
ein Leben in geordneten Bahnen.
Keinen Schritt daneben,
kein Wort dagegen.

Nein!

Das Leben ist zu kurz zum Zögern,
vergessen wir die Angst vor Fehlern!
Ich werde alle Ketten sprengen,
Schluss mit dem Davonrennen.
Ich werde endlich kämpfen,
ignorieren wir die Grenzen.
Ich werde endlich alles geben
und werde endlich leben.

Klaustrophobiehimmel

Klaustrophobiehimmel

Wir sitzen auf dem Dach, über den Dächern, und versuchen keinen Drahtseil- und keinen Balanceakt daraus zu machen. Unter uns das scheinbar geordnete Labyrinth der Straßen erleuchtet von Laternen, die uns nicht erleuchten konnten. Denen wir nicht folgen konnten, denn jede Straße war eine Einbahnstraße und wir waren Geisterfahrer, die nur in Sackgassen landeten. Ich halte die Hände auf, als würde ich auf etwas warten, ein Stück Brot, ein Stück Zucker, ein Stück Peitsche. Ein Stück Brot, ein Stück Zirkus. Panem et circenses. Doch noch immer war es kein Drahtseilakt und kein Trapezkunstwerk. Stattdessen schenkst du mir Wein ein, roten und reinen. Und alles was ich tun will ist meine Hände auf meine Ohren zu pressen, wie ich es als Kind schon immer getan hatte. Schon damals lernte ich zu balancieren ohne die Arme auszustrecken. Schon damals hatte ich beide Hände auf die Ohren gepresst. Weil diese Welt und diese Stadt und diese Menschen zu viele Wahrheiten bereithalten, die ich nicht aushalte. Der Wein schmeckt nach Blut und ich frage mich, ob wohl Wein von weinen kommt oder andersherum und ob ich es wohl in Blut umbenennen könnte, dieses Getränk. Ein neues Wort in meinem ‚Dictionary of felicitas-invented words‘. Noch ein Wort: Klaustrophobiehimmel. Das ist der Himmel im Moment. Diese Wolkendecke, die behauptet pink zu werden, weil schon wieder ein neuer Morgen dämmert. Mir dämmert noch so einiges mehr. Erstens: Ich hasse Wein. Zweitens: Ich hasse die Wahrheit. Drittens: Ich hasse pink. Und damit all die Erinnerungen an all die Nächte oder Morgen oder was auch immer diese Momente waren auf all diesen Dächern.

Kunst liegt im Auge des Betrachters

Pinakothek

Auch Zeitungen kennen Poesie,
wenn Herrscher zu Schachspielern werden,
wenn Tennisspieler Granaten schlagen statt Bällen,
wenn Freiheit ein Handelsgut wird,
ebenso wie die Hautfarbe
und die Zugehörigkeit.

Und eigentlich fällt mir
immer erst nach 20 Zeilen
oder noch mehr
auf,
dass schwarze Buchstaben
nicht unbedingt ein roter Faden sind.
Zumindest für die meisten Menschen.
Gelegentlich selbst für mich.
Trotzdem darf man es Kunst nennen.
Wie alles
liegt auch das
im Auge des Betrachters.

 

 

 

Von der Erkenntnis, dass jeder altert

The watch

Ich sehe sie noch vor mir, Kinder.
Den Jungen, wie er im Hof meines Nachbarn Fußball spielte, nur mit sich selbst, unermüdlich, den ganzen Nachmittag.
Das Mädchen, viel zu klein, ständig krank, mein kleiner Bruder musste ihr immer die Hausaufgaben vorbeibringen.
Und nun stehen sie da.
Der Junge nun größer als ich es bin, in der einen Hand eine Zigarette, in der anderen die Hand seiner Freundin, einem blonden Püppchen.
Und das Mädchen, hohe Schuhe um endlich nicht mehr die Kleinste zu sein, die Augen stärker geschminkt als ich es jemals tun könnte.

Die Zeit vergeht so schnell.
Macht aus Kindern Erwachsene.
Die Erde dreht sich.
Alle werden älter.

März

März

März wurde gewalttätiger
als er es früher gewesen war.
Trügerische Helligkeit
am Ende der Münder
von Brücken
& Tunneln,
die sich als Schein herausstellte
und als Kälte.
Deine Hände blass, kalt,
wenn sie nach Schneeflocken griffen,
die in der Luft noch schmolzen.
Ähnlich deiner Widerstandskraft.
Wir sind gottlos,
und dennoch
fühlen wir uns verpflichtet
zu Scheinheiligkeit.

A stranger

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She fell in love with a stranger.
He had seen her heart.
At least, that’s what I think.

Honestly, she shouldn’t call him stranger.
He knows her.
He knows her heart.
It’s just…
She is far too concentrated on surviving,
She simply can’t know him.
No chance.
She doesn’t even know herself.

But he knows her.
And he worships her.
It feels horrible.
And beautiful.

She is in love.