Wie Felicitas begann, ein Buch zu schreiben

Typewriter

Es war vor 5 Jahren. Ich saß in meinem Zimmer unter dem riesigen Dachfenster und hätte sehr dringend auf einen Test lernen sollen. Hätte. Denn wie das immer so ist, wenn man etwas tun sollte, das keinen Spaß macht, und ein riesiges Dachfenster über dem Kopf hat, starrt man in den Himmel. Und fasst Entschlüsse.
In meinem Fall war das der Entschluss, ein Buch zu schreiben. Jetzt. Sofort. Anstatt zu lernen. Definitiv eine gute Idee.
Schon viel zu lange schwirrte dieser Wunsch in meinem Kopf und schon viel zu lange schwirrte diese Geschichte in meinem Kopf. Die Personen, die Orte, die Gefahren, die Heldentaten.
Also schob ich meine Schulsachen beiseite und öffnete den Laptop. Neues Dokument. Kapitel 1. Los geht’s.

Jetzt – 5 Jahre später – ist von den Worten, die ich damals schrieb, nicht mehr viel übrig. Langsam und mühselig musste ich lernen was Plotting ist, Charakterentwicklung, ‚Show don’t tell‘. (Und ich musste lernen, dass meine Charaktere immer genau das tun, was sie gerade möchten und dass das manchmal perfekt ist und manchmal so gar nicht.) Langsam und mühselig habe ich die stümperhaften Worte & Sätze & Kapitel durch bessere ersetzt.
Und inzwischen hat dieses Buch, das ich selbst einige Jahre lang nicht ernst nehmen konnte, eine ernstzunehmende Form angenommen. Es beißt und kratzt mich, wann immer ich es in die Hand nehmen und streichen will. Denn „mein Baby“ ist groß geworden und möchte die große Welt sehen. Und ich werde es ziehen lassen.

In einigen Monaten werde ich also mein erstes Buch veröffentlichen.
Wann genau? Wie? Wo? Mit welchem Titel? Mit welchem Cover?
All diese Fragen kann ich selbst noch nicht so genau beantworten. Ich nenne das jetzt mal Findungsphase. Oder: Harter Kampf gegen die eigenen Unentschlossenheit.

Deswegen also mein Ruf nach draußen: Unterstützung ist in jeder Form willkommen!
(Kluge Kommentare, nicht so kluge Kommentare, nett gemeinte Tipps, Erfahrungsberichte, Meinungen, etc.)

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Puzzles

Backlights

Schon immer hatte M. das Talent, immer genau das Richtige zu tun. Und in diesem Moment war das, die Musik aufzudrehen.
Er saß im Auto, auf dem Beifahrersitz, auf dem Rückweg von einer Party. Eine Party, die eigentlich nicht gut gewesen war. Und trotzdem waren sie geblieben bis es schon wieder hell wurde. L. hatte nichts getrunken, weil sie dachte, dass das besser so war und vielleicht war es das auch, vielleicht aber auch nicht. Denn L. hatte mal wieder einen ihrer Tiefpunkte. Den vierundachtzigsten seit diesem einen Tag…
Verbissen umklammerte sie das Lenkrad. Nur nicht darüber nachdenken. Auf die Straße konzentrieren. Blinken. Abbremsen. Kuppeln. Schalten. Abbiegen. Beschleunigen. Schalten. Fernlicht aus. Fernlicht wieder an. Wenn nur die Tränen ihre Sicht nicht so behindern würden.
Die Musik tönte laut und sie musste jedem Wort zustimmen: Living is a Problem because everything dies. Wie einfach es wäre, wenn nichts sterben würde. Oder sie nicht leben. Everywhere I look someone dies. Wonder when it’s my turn.
M. sah sie bedeutungsschwer an. Er wusste, dass auch der laute Bass nicht die Stimme in ihrem Kopf würde übertönen können. Irgendwann sang er laut mit. Vielleicht konnte sein schiefer Gesang diese Stimme übertönen. Wer hat ein Streichholz? Wir stehen in Flammen und wir brennen, brennen, brennen.
Und wie L. brannte!
Da konnte doch ein Kolibri sie nicht beschützen? Der war viel zu zerbrechlich, viel zu fragil, viel zu klein und viel zu bunt. Eigentlich war alles zu schwach, um sie jetzt noch beschützen zu können. Davon war sie überzeugt.
Sie fuhr weiter, die Straße wurde schmaler. Ihre Augen ebenfalls. Die Tränen waren überall.
Happiness is an Illusion. Wie sollte es auch etwas anderes sein können? Der Tod wartete doch nur darauf, ihr jede Freude, jedes Glück nehmen zu können.
Die Tränen liefen L. über die Wange. Manchmal schluchzte sie leise.
Doch M. gab die Hoffnung nicht auf. Vielleicht hatte er zu viel Alkohol getrunken, um Trauer verstehen zu können. Vielleicht verstand er ihre Trauer gerade deswegen. Vielleicht hatte er genau deswegen so viel Vertrauen in diese eine CD. Die schließlich Puzzles hieß. Ein großes Ganzes, in Einzelteile zerbrochen, die doch nur darauf warteten wieder zusammengesetzt zu werden.
Irgendwann würde die Musik helfen. Ganz bestimmt.
Als hätte L. seine Gedanken erraten, schüttelte sie den Kopf. Traurig. Erschöpft. Sie wusste doch schon lange, dass sie in Einzelteile zerbrach. We’re falling to pieces. Doch die Frage war: How do you become one again? Konnte man das überhaupt noch? Wieder Ganz werden?
M. warf ihr einen Blick zu. Relax all your muscles. Beruhige dich. Bitte. Atme einen Moment durch.
I’ve started falling apart. Es war die einzige Antwort, die sie geben konnte, noch immer auf die Straße starrend, das Lenkrad fest umklammert, die Worte nur gehaucht. Sie hatte die CD schon oft genug gehört.
Und das war der Einsatz, auf den er gewartet hatte. Jetzt kam M.’s Argument. Er legte eine Hand auf ihre. Das war nicht aufdringlich. Sie waren viel zu gute Freunde und L. war viel zu traurig, das war schon in Ordnung so. Er wollte nur, dass sie genau zuhörte, als die Lautsprecher den wichtigsten Satz tönten:
Take the pieces and build them skywards.

Songs in order of appearance:
Living is a problem because everything dies
Who’s got a match?
Love has a diameter
Now I’m everyone
9/15ths

As dust dances
Machines

Mai

Facing the abyss

Mai begann mit Angst
und der Suche
nach schneefreien Flecken
und mit Erschöpfung.
Während alle klettern,
stürze ich
in einen bodenlosen Abgrund
und trotzdem
kommt der Aufprall
viel zu früh.
Ich dachte,
ich reiße dich mit
nach unten.
Doch du
standst schon dort
und fingst mich auf.
Den Aufprall
überlebten wir beide
nicht.

Tatort

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Ich besitze keinen Fernseher und dennoch möchte ich jeden Sonntag mit dir Tatort sehen. Dabei ist der eigentliche Tatort ein Berg. Oder vielleicht doch die Postfiliale, vor deren Türen wir uns das erste Mal küssten.
Es gibt ganz klar einen Täter und der bist du. Denn mit Taten hab ich es nicht so, dafür bin ich zu schüchtern. Ich kümmere mich lieber um die Worte. Um Ausreden. Faule & wahre. Um Bekenntnisse. Lippenbekenntnisse, die von meinen Lippen zu deinen wandern. Das ist nicht schwer, dazwischen ist nicht viel Platz.
Ich habe nur Angst davor, was dabei herauskommt, wenn sich unsere Lippen mal trennen. Oder unsere Wege. Meine Hoffnung aber ist, dass der Täter immer wieder zum Ort des Verbrechens zurückkehrt. Die Frage ist nur, ob das nun mein Herz ist. Oder ein Berg. Oder doch diese Postfiliale.
Kann man Spuren so einfach verwischen? Ich hoffe nicht. Zumindest versuche ich, dafür zu sorgen. Also ritze ich mir deinen Namen in mein Herz. Keine Sorge, nur metaphorisch gesprochen, denn vor Schmerzen habe ich noch mehr Angst als vor einem Leben ohne dich. Versuche ich mir zumindest einzureden.

Ein ganz normales Mädchen

Mit der Decke am Fluss

Und nach allem musste ich feststellen, dass ich doch einfach nur ein ganz normales Mädchen war.
Unsicher & unbeholfen, klein aber laut, stark, geliebt.

Ich glaube, das ist auch okay so.
Falsch, ich bin sogar überzeugt davon.

Nicht jeder Mensch kann die Welt retten.
Die Menschheit kann nicht täglich von einem anderen Helden gerettet werden.
Es muss auch Mädchen geben, die diese Helden bewundern. Und so ein Mädchen war ich eben.
Natürlich träume ich auch weiterhin davon, dass das ganze Land oder zumindest die ganze Stadt von meinen großartigen Taten spricht.
Aber es ist völlig in Ordnung, wenn es beim Traum davon bleibt.