Erdbeeren zum Frühstück

Hummel

Morgens von der Sonne geweckt werden. Kurze Hosen tragen. Erdbeeren zum Frühstück. Die Beine in den Bach strecken. Der Geruch von Sonnencreme. Sommerferien und Urlaub. Ständig Eis essen. Im Garten liegen und lesen. Der Geruch von frisch gemähtem Gras. Der Geruch von Heu. Traktoren hören, den ganzen Tag und die halbe Nacht lang. Kuhglocken. Mit offenen Fenstern schlafen. Vögel den ganzen Tag über singen hören. Erdbeeren pflücken. Und Himbeeren. Und Johannisbeeren. Und die dann I. geben, weil sie zu sauer sind. Überall bunte Blumen. Hummeln. Sommer.

Nie verschickte Postkarte

Postkarte #1

Liebe T.,

in letzter Zeit meint es das Leben sehr hart mit dir. Ich weiß. Glaub mir, ich weiß.
Ein Problem nach dem anderen stellt sich dir in den Weg, baut sich auf in all seiner Größe und droht dich zu verschlingen.
Ich höre dich noch sagen: „Warum ausgerechnet ich?“
Aber im Grunde genommen werden doch einem jeden von uns das ganze Leben lang Steine in den Weg gelegt. (Das sage ich nicht, um deinem Schicksal die Härte abzusprechen. Das ist als Ermutigung gemeint.) Und es geht doch nur darum, etwas Hübsches aus diesen Steinen zu machen.
Du kannst sie übers Wasser hüpfen lassen.
Du kannst Mauern bauen oder Brücken. Ein Schloss oder eine Burg oder ein Fußballstadion.
Also lass uns das in die Hand nehmen! Lass uns Baumeister werden!

Deine Felicitas

neonrot

Morgenrot

Heute Morgen ging die Sonne auf
in neonrot
über Fußballplätzen
und anderen Kirchen.
Entsetzt über die Menschheit
und die Tatsache,
dass Bäumetöten billiger ist
als Werbung.
Manche Vater-Gespräche
gleichen Hiobsbotschaften,
weil man nicht mehr
jung genug ist,
um nur gefilterte Nachrichten
zu hören.

Pathetik, Protest und persönliche Probleme

Papiervögel, sterbend

Im Grunde genommen wollen wir doch alle eine Revolution vom Zaun brechen, jedoch ohne uns dabei die Hände schmutzig zu machen.

Wir verlassen unsere Komfort Zone um von Klippen zu springen oder unser Gehalt zu verhandeln, nicht aber um Konflikte zu suchen anstatt sie zu umgehen.

Die einzigen Konflikte, die wir wagen, sind die in unserer Beziehung und die in unserem Job. Doch zu mehr reicht es nicht mehr.

Wir sehen Bilder davon, wie Menschen auf die Straße gehen. Lesen Zeitungsartikel darüber. Und denken uns: „Das! Das ist es, was man tun sollte: Protestieren. Boykottieren. Revolutionieren.“

Doch was ist es, das wir stattdessen tun?

Wir schmieren uns das nächste Nutellabrot, tippen die nächste E-Mail, bestellen den nächsten Cappuccino, beginnen die nächste Diät.

Viel zu sehr sind wir mit unseren eigenen kleinen Problemchen beschäftigt, um uns mit den großen Themen der Menschen, der Politik, der ganzen Welt zu beschäftigen.

Das einzige, was wir alle schaffen, ist uns zu beschweren. Über die Flüchtlinge. Über die Umweltverschmutzung. Über zu viel Liberalismus. Über zu viel Engstirnigkeit. Über den Nachbarn, der anders denkt als wir. Über links, über rechts, über alles dazwischen.

Wir würden ja gerne auf die Straße, auf die Barrikaden gehen. Doch wofür denn eigentlich? Irgendwie ist das doch alles nicht unser persönliches Problem. Irgendwie möchten wir doch lieber dieses eine Buch noch fertig lesen. Diesen einen Urlaub noch erleben. Diesen viel zu hohen Kredit abbezahlen. Diesen viel zu tristen Job kündigen.

Wofür würdest du diese verdammte Lethargie hinter dir lassen?

Wofür würdest du kämpfen?

Wofür wärst du bereit zu sterben?

Oder ist das zu pathetisch gefragt?

Juni

Juni-Gewitter

Selten begann Juni
als solcher Sturm
und behauptete Liebe zu sein.
Frühling schon fort,
Sommer noch nicht da.
Hitze-
Gewitter.
Und das anschließende Bedürfnis
sich hinzulegen
auf das regennasse Gras.
Als würde das Erleichterung bringen
und alle Sorgen fortwaschen.
Nimm die Müdigkeit mit,
hier möchte ich sie nicht haben,
wenn es Vorbereitungen zu machen gilt.
Als könnte man jemals vorbereitet sein
auf Abschied
und auf Wiedersehen.