Pathetik, Protest und persönliche Probleme

Papiervögel, sterbend

Im Grunde genommen wollen wir doch alle eine Revolution vom Zaun brechen, jedoch ohne uns dabei die Hände schmutzig zu machen.

Wir verlassen unsere Komfort Zone um von Klippen zu springen oder unser Gehalt zu verhandeln, nicht aber um Konflikte zu suchen anstatt sie zu umgehen.

Die einzigen Konflikte, die wir wagen, sind die in unserer Beziehung und die in unserem Job. Doch zu mehr reicht es nicht mehr.

Wir sehen Bilder davon, wie Menschen auf die Straße gehen. Lesen Zeitungsartikel darüber. Und denken uns: „Das! Das ist es, was man tun sollte: Protestieren. Boykottieren. Revolutionieren.“

Doch was ist es, das wir stattdessen tun?

Wir schmieren uns das nächste Nutellabrot, tippen die nächste E-Mail, bestellen den nächsten Cappuccino, beginnen die nächste Diät.

Viel zu sehr sind wir mit unseren eigenen kleinen Problemchen beschäftigt, um uns mit den großen Themen der Menschen, der Politik, der ganzen Welt zu beschäftigen.

Das einzige, was wir alle schaffen, ist uns zu beschweren. Über die Flüchtlinge. Über die Umweltverschmutzung. Über zu viel Liberalismus. Über zu viel Engstirnigkeit. Über den Nachbarn, der anders denkt als wir. Über links, über rechts, über alles dazwischen.

Wir würden ja gerne auf die Straße, auf die Barrikaden gehen. Doch wofür denn eigentlich? Irgendwie ist das doch alles nicht unser persönliches Problem. Irgendwie möchten wir doch lieber dieses eine Buch noch fertig lesen. Diesen einen Urlaub noch erleben. Diesen viel zu hohen Kredit abbezahlen. Diesen viel zu tristen Job kündigen.

Wofür würdest du diese verdammte Lethargie hinter dir lassen?

Wofür würdest du kämpfen?

Wofür wärst du bereit zu sterben?

Oder ist das zu pathetisch gefragt?

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10 Gedanken zu “Pathetik, Protest und persönliche Probleme

  1. PS: Ich lebe nicht lethargisch, übrigens. Das muss keine/r von uns. :o) … man muss, glaube ich, nur ein paar Entscheidungen treffen … immer wieder mal … ach ja, und ich glaube auch, dass der Schmerz unvermeidlich ist. Aber er ist dann andererseits auch nicht das Wertvollste, was wir „haben“. Ich glaube, das wäre die Liebesfähigkeit … oder so … ähnlich. Herzliche Grüße, jedenfalls und dankeschön für den Artikel und die Fragen!

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    1. Vielen Dank für die Kommentare! Ich stimme dir zu, „man muss nur ein paar Entscheidungen treffen .. immer wieder mal“. Diese Entscheidungen zu treffen ist allerdings nicht immer so einfach. Oder sie fallen zu Gunsten der eigenen Bequemlichkeit aus…
      Viele Grüße

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  2. dafür:

    »What about sunrise

    What about rainWhat about all the things
    That you said we were to gain…
    What about killing fields
    Is there a time
    What about all the things
    That you said was yours and mine…
    Did you ever stop to notice
    All the blood we’ve shed before
    Did you ever stop this notice
    This crying Earth this weeping shore
    Aaaaaaaaah, Oooooo

    Aaaaaaaaah, Oooooo

    Aaaaaaaaah, Oooooo

    What have we done to the world

    Look what we’ve done

    What about all the peace
    That you pledge your only son…

    What about flowering fields

    Is there a time
    What about all the dreams
    That you said was yours and mine…
    Did you ever stop to notice
    All the children dead from war
    Did you ever stop to notice
    This crying Earth this weeping shore
    Aaaaaaaaah, Oooooo
    Aaaaaaaaah, Oooooo
    Aaaaaaaaah, Oooooo
    I used to dream
    I used to glance beyond the stars
    Now I don’t know where we are
    Although I know we’ve drifted far
    Aaaaaaaaah, Oooooo
    Aaaaaaaaah, Oooooo
    Aaaaaaaaah, Oooooo
    Aaaaaaaaah, Oooooo
    Aaaaaaaaah, Oooooo
    Aaaaaaaaah, Oooooo
    Hey, what about yesterday
    (What about us)
    What about the seas
    (What about us)
    The heavens are falling down
    (What about us)
    I can’t even breathe
    (What about us)
    What about the bleeding Earth
    (What about us)
    Can’t we feel it’s wounds
    (What about us)
    What about nature’s worth
    (Oooh, oooh)
    It’s our planet’s womb
    (What about us)
    What about animals
    (What about it)
    We’ve turned kingdoms to dust
    (What about us)
    What about elephants
    (What about us)
    Have we lost thier trust
    (What about us)
    What about crying whales
    (What about us)
    We’re ravaging the seas
    (What about us)
    What about forest trails
    (Oooh, oooh)
    Burnt despite our pleas
    (What about us)
    What about the holy land
    (What about it)
    Torn apart by creed
    (What about us)
    What about the common man
    (What about us)

    Can’t we set him free
    (What about us)
    What about children dying
    (What about us)
    Can’t you hear them cry

    (What about us)
    Where did we go wrong
    (Oooh, oooh)
    Someone tell me why
    (What about us)
    What about babies
    (What about it)
    What about the days
    (What about us)
    What about all their joy
    (What about us)
    What about the man
    (What about us)
    What about the crying man
    (What about us)
    What about Abraham
    (What about us)
    What about death again
    (Oooh, oooh)
    Do we give a damn
    Aaaaaaaaah, Oooooo
    Aaaaaaaaah, Oooooo
    Aaaaaaaaah, Oooooo«

    – Michael Jackson: Earth song

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  3. Menschenrechte. Wenn unsere Menschenrechte konkret bedroht wären, würde ich auf die Straße gehen. So schwer ist es aber auch gar nicht, auch im Alltag die eigene Position zumindest klarzustellen oder aktiv was für die Völerverständigung bspw. zu tun.

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    1. Danke für deinen Kommentar!
      Weltweit werden die Menschenrechte immer mit Füßen getreten… Du sprichst jetzt wahrscheinlich aber von hier in Deutschland, oder?
      Ich finde es gut, dass es für manche Menschen selbstverständlich ist, dass zumindest kleinere Taten alltäglich sein können. Ich stell mir da jetzt die zig Diskussionen vor, in denen man immer wieder widerspricht: „Nein, die Flüchtlinge sind nicht grundsätzlich schuld an jeglicher Kriminalität. Und Muslime sind nicht grundsätzlich schuld an allem Terrorismus. Und es macht schon einen Unterschied, ob du Bio kaufst oder nicht.“
      Ich weiß, das klingt so fürchterlich nach naiven Gutmenschen (und nach naivem Gewissenberuhigen). Doch irgendwo sollte man doch anfangen.
      Oder was meinst du mit diesen alltäglichen Situationen?

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      1. Klar kann man auch für die Menschenrechte in Indien oder sonst wo auf die Straße gehen- aber ja, ich würde wohl nur etwas unternehmen wenn es mich/ mein Umfeld persönlich betrifft.
        Ja, genau dass meine ich mit alltäglichen Situationen. Und wenn man es nur sagt, um dem Gegenüber zu vermitteln, dass es wirklich noch andere Meinungen als sein gibt. In Polen habe ich die ersten beiden Beispiele oft zur Diskussion und stehe mit meiner Pro-Flüchtling, pro-Islam Meinung grundsätzlich komplett alleine in diesem Land. Eben darum ist es noch wichtiger, seine Meinung zu sagen. Manch Polen war ganz überrascht, dass es wirklich Deutsche gibt, die Flüchtlinge gerne aufnehmen. (Dass es in Polen keine Muslime und keinen Terror gibt ist auf der anderen Seite allerdings auch Fakt. Eine schwierige Diskussion zwischen Menschenrechte (oder Nächstenliebe oder Selbstverständlichem- Menschen in Not zu helfen) und Selbstschuss aus Angst vor Terror)

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  4. Wahrscheinlich ist für jede/n Einzelne/n von uns die Welt zu groß geworden. Was täglich an Meldungen auf mich einprasselt, pffffff. Aber wach bleiben, streitbar. Sehen, was mir passiert, wenn ich durch die Straßen gehe. Eingreifen, wenn nötig. Nach anderen Menschen schauen. Liebevoll sein mit den Verwandten, die man sich nicht aussucht oder mit Passanten, die die eigenen Wege kreuzen. Für alle, die fragen, helfen Lösungen zu finden. Engagiert bleiben. Großzügig sein. Verzeihen. Auf Fremde zugehen. Wählen gehen. Leserbriefe schreiben. Sich zu Wort melden. Nachfragen. Aufmerksam sein. Eigene Positionen in Frage stellen. Nein. Das ist keine Komfortzone. Ich lebe hier, wo es den Menschen weitestgehend gut geht. Noch. Die Zeichen stehen auf Sturm. Wenn ich das richtig sehe, müssen wir uns deutlich wärmer anziehen. Nicht zu jammern wäre mir da auch schon eine kleine Revolution. Übrigens finde ich Dein Foto sehr wundervoll!

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    1. Vielen Dank für deinen Kommentar! Die Welt wird immer kleiner und gleichzeitig immer größer und wahrscheinlich ist es dieses Paradox, das uns so irritiert und spaltet in links und rechts und irgendwo dazwischen. Du hast sehr gute Beispiele genannt, wie man im Kleinen was Gutes tun kann. Es ist nur manchmal verdammt schwer das durchzuhalten und niemand wird als Held bezeichnet, weil er/sie einen Leserbrief schreibt oder sich um ein Familienmitglied kümmert oder einfach nur im passenden Moment widerspricht. Doch nicht jeder muss als Held bezeichnet werden, um ein Held zu sein. Das wird nur leider viel zu oft vergessen…
      Oh und danke für dein Kompliment zum Foto! Die Arbeit der Suche nach dem passenden Bild wird irgendwie allgemein unterschätzt, am meisten (jedes mal aufs Neue) von mir 😉

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