Leseprobe II

Banner lang

Evanna Athos und die Zeiten der Macht ist nun seit ziemlich genau einem halben Jahr auf dem Markt. Erschreckend, wie die Zeit vergeht!
Für alle, die das Buch noch immer nicht gelesen haben (jetzt ist der Zeitpunkt, an dem das schlechte Gewissen an euch nagen sollte), möchte ich in den nächsten Wochen die ein oder andere Leseprobe veröffentlichen, um euch ordentlich neugierig zu machen.
Hier geht’s zur ersten Leseprobe. Nun geht es weiter mit Evanna und der eigentlichen Geschichte…

Es gibt Worte, welche die Welt verändern können.
Im Fall von Evanna Athos begann die Veränderung mit einem Satz ihrer Mutter: »Dein Vater ist noch nicht daheim.«
Es war der 8. Oktober, knapp einen Monat vor ihrem sechzehnten Geburtstag, als Evanna diese verhängnisvollen Worte hörte.
Wie sehr dieser Satz ihre Zukunft beeinflussen sollte, konnte sie zu diesem Zeitpunkt nicht einmal ansatzweise ahnen.
An jenem Oktobertag wurde Evanna zu einem Mädchen ohne Vater.

Als Evanna morgens verschlafen die Treppe hinunterging, hörte sie schon die gedämpfte Stimme ihrer Mutter, Alice Athos. Zuerst dachte sie, ihre Eltern würden sich miteinander unterhalten. Doch in der Küche angekommen sah sie, dass Alice allein war und telefonierte. »… Ich kann es mir nicht erklären. Er ist immer zuverlässig…«
Während Evanna eine Schüssel und Müsli aus den Küchenschränken holte, hörte sie neugierig zu. Der Tonfall ihrer Mutter machte sie nervös. Beim nächsten Satz hielt sie mitten in der Bewegung inne.
»Meinst du, wir sollten zur Polizei?«
Augenblicklich sah Evanna zu ihrer Mutter, die sich gerade nervös die blonden Haare hinter die Ohren schob, obwohl ihr keine einzige Strähne ins Gesicht fiel.
Sofort überlegte Evanna, was das wohl zu bedeuten hatte. Sie starrte ihre Mutter an, bis diese mit einem »Bis gleich!« aufgelegt hatte.
Alice blickte beinahe fragend zu ihrer Tochter während sie die Worte sagte, die Evannas Leben so aus den Angeln heben sollten: »Dein Vater ist noch nicht daheim.«
Wie es meist mit solchen weltbewegenden Sätzen ist, wurde auch diesem zunächst nicht genügend Bedeutung beigemessen.
Im ersten Moment fand Evanna die Besorgnis ihrer Mutter übertrieben. Wegen so etwas gleich zur Polizei gehen…
Aber bevor das Mädchen seine Gedanken aussprechen konnte, erzählte die Mutter besorgt weiter: »Er hat – wie so oft – sein Handy nicht dabei. Und die anderen Männer sind auch noch nicht zu Hause. Ich habe gerade mit Katharina telefoniert.«
Auch das brachte Evanna noch nicht aus der Ruhe. Wie immer versuchte sie logisch zu denken. Leander Athos war ein zuverlässiger und vernünftiger Mann. Er blieb nicht einfach über Nacht weg.
Sie hatte schon genug Krimis gelesen, um zu wissen, dass man zunächst die Tatsachen sortieren sollte.
Am Vorabend war ihr Vater – wie schon hunderte Male zuvor – zum Kartenspielen gegangen. Zusammen mit ein paar anderen Männern aus der Nachbarschaft fuhr er regelmäßig in den nächsten größeren Ort, wo es ein Wirtshaus gab. Erlenberg, das 300-Seelen-Dorf in dem die Familie Athos lebte, konnte nämlich kein solches vorweisen.
Im Nachbarort Tolingen saß Leander Athos dann mit seinen Freunden zusammen, spielte mit ihnen Karten, trank das ein oder andere Bier, und fachsimpelte mit ihnen über scheinbar wichtige Themen wie Politik und Wirtschaft. Seiner Frau und seinen beiden Töchtern versuchte er dann am nächsten Tag stets sein neu erworbenes Wissen weiterzugeben. Das tat er mit einem Ernst, dass es einem schon fast Angst werden konnte.
Vermutlich hatten die Männer gestern alle zu viel getrunken, überlegte Evanna. Deswegen hatten sie die Nacht im Wirtshaus verbracht, das praktischerweise auch ein paar Zimmer vermiete. Da brauchte man doch nicht gleich zur Polizei gehen.
Als hätte ihre Mutter Evannas Gedanken erraten, sagte sie: »Im Goldenen Adler habe ich bereits angerufen. Der Wirt hat mir versichert, Leander und die Anderen hätten sich gegen Mitternacht verabschiedet. Und er war der festen Überzeugung, sie würden nach Hause fahren.«
Obwohl Evanna noch immer nicht glaubte, dass etwas Schlimmeres passiert war, bekam auch sie ein mulmiges Gefühl im Magen. Sie wollte nicht in das Gesicht ihrer Mutter sehen und drehte sich schnell weg, um Cornflakes in ihre Schüssel zu schütten. Ihr Gehirn suchte fieberhaft nach möglichen Erklärungen.
Wohin konnten die Männer nachts gefahren sein? Ihr Vater war zu vernünftig, um mitten in der Nacht noch irgendwelche verrückten Dinge anzustellen. Er war auch zu vernünftig, um zu viel zu trinken.
Ein penetranter Gedanke nistete sich in Evannas Kopf ein. Es gab eine relativ einfache, aber hässliche Erklärung…
Was, wenn ihr Vater einen Unfall gehabt hatte?
Während Evanna noch versuchte, diesen Gedanken beiseite zu schieben, wählte ihre Mutter schon die Nummer der Polizei. Dann verschwand sie hinter der Wohnzimmertür, damit sie ungestört telefonieren konnte. Ihre Stimme drang gedämpft durch die Tür (sie klang fest, als hätte sie die Situation unter Kontrolle), Evanna verstand aber nicht, was sie sagte. Ungeduldig stocherte sie in ihren Cornflakes herum.
Schließlich kam Alice zurück in die Küche.
Sie hatte inzwischen aufgelegt und erklärte ihrer älteren Tochter langsam: »Die Polizei meint, wir sollten uns keine Sorgen machen. Erst nach 24 Stunden könnten sie handeln. In der Zwischenzeit tauchen die meisten Vermissten sowieso wieder auf.« Ihre Stimme klang hoffnungsvoll, doch ein Wort in diesem Satz klang falsch: Vermissten. Als wäre etwas Schreckliches passiert. Dabei war sich Evanna sicher, dass sich das alles sehr schnell aufklären würde.
Ihre Gedanken kreisten immer wieder um die einzige logische Erklärung, doch ihre Hoffnung wollte nichts davon hören.
Alice schien diese Befürchtung zu teilen. Sie ergänzte: »Einen Unfall hat es heute Nacht nicht gegeben. Die Polizei schickt aber einen Streifenwagen los, gezielt zur Strecke zwischen Tolingen und Erlenberg.« Sie versuchte beruhigt zu wirken, als sie sich schon wieder eine blonde Strähne hinter das Ohr schob.
Evanna wusste nicht, ob sie diese Nachricht wirklich erleichtern sollte. Denn was könnte sonst mit ihrem Vater passiert sein?

Die Männer schienen sich einfach in Luft aufgelöst zu haben.
Auch Nachbarn und Bekannte wurden befragt, doch niemandem war etwas Ungewöhnliches aufgefallen.
Die Kreditkarten und Bankkonten wurden geprüft.
»Das ist eine ganz normale Vorgehensweise, um einen Raubüberfall auszuschließen«, erklärte ein älterer Polizist, der sich als Oberkommissar vorgestellt hatte, der Familie Athos. Er strahlte eine angenehme Ruhe aus und wirkte, als könnte ihn nichts erschüttern. Insbesondere nicht das Verschwinden von fünf Männern. Er fügte, fast ein wenig entschuldigend, zu Alice gewandt hinzu: »Und immer wieder passiert es, dass Menschen einfach abhauen.«
Doch weder ihre Kredit- noch die anderen Bankkarten waren benutzt worden. Und es gab keinerlei Hinweise, dass die Männer sonst auf irgendeine Weise gereist waren.
Da blieb selbst dem optimistischen Oberkommissar schließlich nur noch der Verdacht auf Entführung.
Nicht nur Evanna, auch die Polizei schaffte es nicht, eine logische Erklärung dafür zu finden.
Wer entführt einfach so fünf ausgewachsene, kräftige Männer? Ohne auch nur eine einzige Spur zu hinterlassen?
Und vor allem: warum?

Wer mehr lesen möchte: Das Buch könnt ihr überall kaufen, wo es Bücher gibt.
Amazon | Thalia | bücher.de|und natürlich im örtlichen Buchhandel

Werbeanzeigen

4 Gedanken zu “Leseprobe II

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s