Leseprobe III

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Evanna Athos und die Zeiten der Macht ist nun seit ziemlich genau einem halben Jahr auf dem Markt. Erschreckend, wie die Zeit vergeht!
Für alle, die das Buch noch immer nicht gelesen haben (jetzt ist der Zeitpunkt, an dem das schlechte Gewissen an euch nagen sollte), möchte ich in den nächsten Wochen die ein oder andere Leseprobe veröffentlichen, um euch ordentlich neugierig zu machen.
Hier geht’s zur ersten Leseprobe und hier zur zweiten. Evannas Vater verschwindet spurlos. Eigentlich ist das Grund genug, um sich völlig aus der Bahn geworfen zu fühlen. Doch dann passiert das nächste Ereignis, dass sich Evanna nicht erklären kann…

Evanna hing ihren Gedanken nach. Früher war sie immer mit ihrem Papa hier im Garten gestanden, um Vogelfutter hinauszubringen. Trotz der Kälte hatten sie die Vögel ewig beobachtet. In dieser Zeit hatte sie am meisten mit ihm geredet. Er hatte ihr beigebracht, die Vogelarten zu unterscheiden. Und sie hatte ihm von der Schule oder von Büchern erzählt. Den einzigen beiden Themen, bei denen sie mehr vorzuweisen hatte als ihre kleine Schwester Aurora.
Ein Seufzer entfuhr ihr und bildete Wolken vor ihrem Mund. Wie sehr sie es vermisste, jemanden zum Reden zu haben.
Ihr Blick fiel auf den kleinen, halb eingeschneiten Zwerg. Er war zwar keine gute Unterhaltung, aber immerhin ein bisschen Gesellschaft. Vorsichtig wischte sie ihm die Schneehaube vom Kopf. »Damit dir dein Kopf nicht einfriert«, sagte sie mit einem wehmütigen Lächeln. So sehr ihr Vater die Figuren auch gehasst hatte, er hatte es trotzdem nicht übers Herz gebracht, sie einfach wegzuwerfen.
Plötzliche durchlief sie ein warmer Schauer. Ihre Hand, die sie auf den Gartenzwerg gelegt hatte, fühlte sich trotz des kalten Schnees auf einmal ganz heiß an. Sie spürte ein leichtes Kribbeln in den Fingern.
Erst noch dachte sie, dass sie sich getäuscht hatte, weil der Schnee einfach so kalt war.
Doch ihre Hand schien zu glühen.
»Wie ich es schon einmal bei Nathanael gesehen habe«, schoss es ihr sofort durch den Kopf.
Außerdem ging ein glitzernder Schein von ihrer Haut aus. Erschrocken zog sie ihre Finger von dem Gartenzwerg weg und schüttelte sie. Es fühlte sich an, als hätte sie ihre Hand ins Feuer gelegt. Nur hatte es nicht wehgetan. Im Gegenteil, das Kribbeln war sogar fast angenehm gewesen. Doch so schnell wie es gekommen war, verschwand das Gefühl auch wieder.
Evanna sah ihre Hand genauer an. Sie wirkte wieder ganz normal. Nichts tat weh, nichts glühte mehr. Sie war nur ungewöhnlich warm. Es war ein wenig so, wie wenn ihre Hände oder Zehen im Winter fürchterlich kalt waren und dann auf einen Schlag wieder richtig warm wurden. Doch dabei hatte ihre Haut noch nie so seltsam geschimmert.
Sie drehte ihre Hand noch einmal um, konnte aber einfach nichts Außergewöhnliches erkennen.
Da bemerkte sie eine Bewegung neben sich auf der Bank. Sie wandte den Blick von ihrer Hand ab und sah nach rechts: Der Zwerg hatte seinen Kopf gehoben und schaute sie an!
Schnell schloss sie die Augen. Halluzinierte sie etwa? Langsam zählte sie bis drei. Dann öffnete sie ihre Augen wieder.
Aber sie hatte sich nicht getäuscht. Der Zwerg sah sie tatsächlich mit seinen kleinen, schwarzen Augen an. Und da! Jetzt schüttelte er sich den restlichen Schnee von seiner grünen Hose und dem roten Oberteil.
»Puh ist das kalt!«, schimpfte er mit tiefer, näselnder Stimme. »Seit Wochen liegt schon dieser eiskalte Schnee auf mir herum! Fürchterlich!«
Er wandte seinen Kopf zu Evanna, die ihn noch immer ungläubig anstarrte. Sein Blick wurde ein wenig freundlicher: »Jetzt schau doch nicht so! Das sollte kein Vorwurf sein! Mir gefällt die Aussicht hier doch echt gut. Aber dieser Schnee… Dafür hab ich auch einfach nicht die passenden Klamotten an.« Er deutete auf die verblassten Flecken seiner Hose. »Ich geh jetzt besser irgendwo hin, wo nicht ganz so viel von diesem kalten Zeug liegt.« Prüfend sah er sich in dem verschneiten Garten um. »Vielleicht unter die Hecke dort…« Er zeigt auf das blattlose Gestrüpp, das im Sommer eine herrliche grüne Hecke war. »Du hast doch nichts dagegen, oder?«
Evanna starrte den Zwerg mit offenem Mund an.
»Das seh‘ ich jetzt einfach mal als ja…«, meinte der frech und hüpfte von der Bank. Das erschreckte die beiden Spatzen, die in der Zwischenzeit wieder zum Vogelhäuschen gekommen waren, so sehr, dass sie aufgeregt davonflogen.
Dann stapfte der Zwerg durch den Schnee in Richtung besagter Hecke. Oder eigentlich wühlte er mehr, als dass er ging, denn er war so klein, dass er bis zum Hals im kalten Weiß verschwand. Man konnte nur seine Mütze sehen, wie sie langsam zur anderen Seite des Gartens wackelte. Schließlich tauchte auch der Rest des Zwerges wieder auf, als er die Zweige der Hecke erreicht hatte, wo nur noch wenig Schnee lag.
»Oh – und Danke fürs Aufwecken!«, rief er ihr noch über die Schulter hinweg zu, bevor er im Gestrüpp verschwand.

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3 Gedanken zu “Leseprobe III

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