Leseprobe V

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Evanna Athos und die Zeiten der Macht ist nun seit ziemlich genau einem halben Jahr auf dem Markt. Erschreckend, wie die Zeit vergeht!
Für alle, die das Buch noch immer nicht gelesen haben (jetzt ist der Zeitpunkt, an dem das schlechte Gewissen an euch nagen sollte), möchte ich in den nächsten Wochen die ein oder andere Leseprobe veröffentlichen, um euch ordentlich neugierig zu machen.
Hier geht’s zur ersten Leseprobe, hier zur zweiten, hier zur dritten und hier zur vorangegangenen.

(Bei diesen ganzen Online-Buchhändlern kann man die ersten Kapitel probelesen. Aber das kann ja wohl jeder. Für euch treue Blogleser habe ich eine Stelle mitten aus dem Buch. Zur Erklärung: Evanna, ein typisches Strebermädchen, dessen Vater spurlos verschwand, geht mittlerweile in Angleridge, einem britischen Internat, zur Schule. Dort stellt sie aber schon bald fest, dass der Unterricht ganz anders ist, als in Deutschland. Als sie dann eine absolut unlogische Stelle in einem Buch findet, beschließt sie, den Rektor darauf anzusprechen…)

Am nächsten Mittwoch ging sie gleich zu Beginn der Geschichtsstunde zum Lehrerpult. Obwohl sie schon in Deutschland oft genug mit Lehrern diskutiert hatte, schlug ihr das Herz doch bis zum Hals. Immerhin wollte sie hier nicht so sein, wie sie es in Deutschland gewesen war.
Ein Teil in ihr aber wollte die seltsamen Behauptungen in diesem Geschichtsbuch nicht hinnehmen. Etwas so Unlogisches konnte sie einfach nicht ignorieren.
Sie nahm also ihren ganzen Mut zusammen und zeigte dem irritiert wirkenden Mr Severin den Text.
Einige Schüler aus den ersten Reihen hörten neugierig zu, doch da sie das Buch nicht sahen, verstanden sie zunächst nicht, worüber Evanna mit dem Lehrer redete.
Mr Severin überflog die Stellen, die Evanna sich markiert hatte. Danach sah er sie geduldig mit seinen kleinen, wässrigen Augen an und fragte: »Und wo ist Ihr Problem, Miss Athos?«
Sofort fühlte sie sich entmutigt. Eigentlich hatte Evanna gehofft, er würde augenblicklich bemerken, dass da etwas nicht stimmen konnte. Zögernd begann sie zu erklären: »Na ja, wir haben in Deutschland immer gelernt, dass Mahatma Gandhi friedlich gekämpft hatte. Niemals hätte er seine Anhänger zu Gewalt aufgerufen. Und auch diese Behauptung des wirtschaftlichen Zusammenbruchs… So schlecht geht es dem Land doch gar nicht. Im Gegenteil: Indien wird langsam aber sicher zu einer Industrienation.«
»Nein, Miss Athos«, widersprach Severin, »Sie können hier doch selbst lesen, dass dies nicht der Wahrheit entspricht. Jegliches wirtschaftliches Wachstum, das Indien heute noch erlebt, ist allein auf seine Zeit als britische Kolonie zurückzuführen. Dass Ihre Ausbildung in Deutschland wohl nicht die Beste war, haben Sie, Miss Athos, doch sicher selbst schon festgestellt.« Missbilligend schüttelte er den Kopf. »Und zuletzt muss ich an Ihre Logik appellieren. Es kann keinen friedlichen Kampf geben. Entweder man kämpft oder man ist friedlich.« Zufrieden mit seiner Erklärung lehnte sich der Rektor in seinem Stuhl zurück.
Evanna aber wollte nicht so schnell aufgeben – sie fühlte sich missverstanden: »Aber jeder weiß, dass Mahatma Gandhi ohne Gewalt gekämpft hat. Er trat in Hungerstreiks und organisierte Protestmärsche. Und hat so die Bevölkerung begeistert. Aber immer ohne Waffen. Dabei können unmöglich so viele Leute gestorben sein.«
Mittlerweile herrschte im Zimmer Totenstille. Die ganze Klasse hörte gespannt zu. Sie hatte es noch nie erlebt, dass jemand mit Mr Severin über ein Schulthema, das noch dazu klar und deutlich in einem Buch stand, diskutieren wollte.
Diese gespannte Aufmerksamkeit war auch Severin nicht entgangen. Bedrohlich langsam lehnte er sich wieder zu Evanna. »Bitte widersprechen Sie mir nicht, Miss Athos.« Seine Stimme war noch immer freundlich, doch seine Augen waren gefährlich klein geworden.
Davon ließ sich Evanna nicht unterkriegen. Sie hatte schon oft genug mit Lehrern diskutiert. »Ich habe dutzende Bücher gelesen, die alle das Gegenteil dieses Textes sagen. Gandhi war gegen Gewalt. Und Gandhi war und ist bis heute ein indischer Held!«, beharrte sie.
Der Rektor erwiderte kalt: »Nur weil Gandhi behauptete, dass er gegen Gewalt sei, heißt das noch lange nicht, dass er seinen Anhängern davon abgeraten hat. Miss Athos, es gibt einen großen Unterschied zwischen Worten und Taten. Und er hat dem indischen Volk mit seinem Kampf nichts Gutes getan. Sehen Sie diese Grafik?«
Er tippte auf ein Diagramm in dem Buch, auf dem die Anzahl der in Armut lebender Menschen in Indien dargestellt wurde. Seit 1948 wurden die Balken schlagartig immer höher.
Mr Severin fuhr fort: »Es gibt immer mehr in Armut lebende Menschen, was an dem völlig sinnfreien Kastensystem der Inder liegt. Als Indien noch zu Großbritannien gehörte, wurde ständig dagegen vorgegangen, aber…«
Evanna wollte ihn unterbrechen, doch er schnitt ihr sofort das Wort ab. »Bitte lassen Sie mich ausreden, Miss Athos.«
Ungeduldig hörte Evanna ihm zu, während er noch weiter darüber redete, wie gut es Indien während der britischen Herrschaft ergangen war, was Großbritannien alles für seine Kolonien getan hatte und wie schlecht es dem Land nun geht.
»Und das ist Gandhis Schuld«, schloss er endlich. Dieser Satz war keine einfache Belehrung mehr. Es war eine Tatsache, die Severin gerade mit jeder Silbe in Stein gemeißelt hatte.
Evanna wollte nicht glauben, was sie da hörte. Es konnte doch nicht sein, dass Mr Severin ernsthaft dem Buch recht gab. Sie begann erneut: »Aber es weiß doch jeder, dass…«
Der Rektor fuhr ihr unwirsch dazwischen: »Es weiß jeder, dass Gandhi nicht so unschuldig war, wie er immer tat. Und jetzt setzen Sie sich, Miss Athos.«
Ungläubig starrte Evanna ihn an. »Das ist doch…«
»Sofort!«
Evanna zuckte zusammen. Diese Diskussion war eindeutig beendet.
Sie ging geduckt wie ein geprügelter Hund zu ihrem Platz neben Mila. Alle Blicke folgten ihr.
Na super!, dachte sie frustriert. So viel zum Thema: Nicht auffallen.
Kaum war sie an ihrem Platz angekommen, zischte Mila: »Was sollte denn das werden?« In ihrer Aufregung war sie in einen starken russischen Akzent gefallen. Sie wirkte fast schon entsetzt.
Noch ehe Evanna antworten konnte, hörte sie Mr Severins Stimme: »Ihr Buch, Miss Athos.« Er hielt das Buch aus der Bibliothek in der Hand und wartete, dass sie umdrehte, um es sich zu holen. Doch ohne nachzudenken antwortete sie, mit einem leichten Beben in der Stimme: »Danke, aber das werde ich nicht mehr brauchen. Darin gibt es wohl einige Texte, die nicht stimmen.«
Die ganze Klasse hielt die Luft an. Alle Augen waren auf Evanna gerichtet. Man hätte hören können, wie Severins Schuppen auf seinen Pullover fallen.
Noch nie hatte es jemand gewagt, so unverschämt mit dem Rektor zu sprechen.
»Kommen Sie doch heute Abend in mein Büro, Miss Athos«, sagte der Lehrer endlich, mit einer so schmierig-freundlichen Stimme, dass Evanna Gänsehaut bekam.

Wer mehr lesen möchte: Das Buch könnt ihr überall kaufen, wo es Bücher gibt.
Amazon | Thalia | bücher.de|und natürlich im örtlichen Buchhandel

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7 Gedanken zu “Leseprobe V

  1. Allein diese Leseprobe macht mich schon sehr neugierig. Klingt nach einem sehr intelligenten Jugendbuch. Und Evanna erinnert mich ein bisschen an Hermine 😀 Ich denke, das Buch werde ich mir gleich mal beim Buchhändler meines Vertrauens bestellen. 🙂

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    1. Das freut mich aber 🙂 Ja, ein wenig an Hermine sollte sie tatsächlich erinnern. Aber nur ein wenig 😉 Ich würde mich freuen, wenn du mir danach ein kleines Feedback geben möchtest!
      Buchhändler deines Vertrauens klingt super. Ich bin ja eigentlich immer gegen Amazon und diese Versandriesen. Aber als Selfpublisher kommt man nicht an ihnen vorbei…

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      1. Na klar, sobald ich es gelesen habe, werde ich meine Meinung kundtun 😀 Ist denn ein zweiter Teil bereits in Arbeit? Ich lese Reihen und Trilogien am liebsten nur mit kurzen Unterbrechungen, damit man nicht alles aus dem vorherigen Teil schon wieder vergessen hat…
        Ich habe großen Respekt vor Selfpublishern. Da muss man ja wirklich alles selbst machen. Ich glaube, ich würde mich davon heillos überfordert fühlen! Kannst du denn einsehen, wie viel Prozent deiner Käufer das Buch über Amazon gekauft haben und wie viele über den lokalen Buchhandel? Das fände ich mal interessant…

        Gefällt 1 Person

      2. Super, darauf bin ich dann jetzt schon gespannt 🙂
        Band 2 möchte ich bis zum Herbst veröffentlichen. Eigentlich war mein Ziel Ende August, doch erst gestern Abend habe ich ein neues, größeres Problem entdeckt, was den Termin vermutlich nochmal nach hinten verschiebt… Ist leider immer bisschen schwierig einzuschätzen, da man als Selfpublisher ja ziemlich viel selbst machen bzw. zumindest organisieren muss… Aber ich arbeite hart daran und wenn du das Buch nicht innerhalb von 2 Tagen verschlingst, sollte die Unterbrechung zu Band 2 nicht allzu lang sein 😉
        Glaub mir, am Anfang war ich auch heillos überfordert mit all den Dingen, die man sonst nicht bedenkt: Lektorat, Covergestaltung, Klappentext, Setzen,… Aber man wächst mit seinen Aufgaben 😉
        Wie bzw. wo mein Buch verkauft wurde, kann ich leider nicht sehen. Allerdings erkenne ich an meinen WordPress-Statistiken, dass die meisten Leute erstmal auf den Amazon-Link klicken…

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