Die Einsamkeit trägt deinen Namen

Ich lasse jedes Licht in jedem Raum brennen, als könnte ich mich selbst austricksen, damit ich glaube, du wärst noch immer da. Ich lasse den Fernseher laufen, lauter als ich sollte, damit ich immer jemanden sprechen höre, und wenn es nur Werbung ist für ein Auto, das ich nicht brauche. An manchen Tagen schaffe ich es, die Fenster zu öffnen, die Luft ist noch zu kalt, ernüchternd, schockierend, ein kleines Lebenszeichen womöglich. Die Nudeln reichen noch immer für zwei. Tage. Nicht Menschen. Die Spülmaschine wird nicht mehr voll, Geschirr von mir allein, von einer Person, die es nicht schafft, regelmäßig zu essen, regelmäßig Beruhigungstee zu trinken, regelmäßig benutztes Geschirr in die Spülmaschine zu räumen, anstatt es überall einfach stehen zu lassen. Ich wundere mich, dass noch kein Teller, kein Glas, noch gar nichts zerbrochen ist, obwohl ich meist blind bin vor Tränen. Scherben bringen Glück, vielleicht ist mir selbst dieses Glück verwehrt. Manchmal gehe ich einkaufen, doch die Auswahl lähmt mich und meistens sind es nur Weintrauben (die hast du mir an meinen schlimmsten Tagen mitgebracht. Weil sie keine Zubereitung brauchen. Weil sie süß sind, aber gesünder als Schokolade). Und Schokolade. Und Nudeln. Und mindestens zwei dieser Gläser mit Gemüsebrühenpulver, weil Suppe doch helfen soll beim Heilen. Ich versuche es mit diesem Heilen, vielleicht klappt es irgendwann, doch im Moment bin ich nur Leid und Einsamkeit.

2 Gedanken zu “Die Einsamkeit trägt deinen Namen

  1. Dieser Text hat mich wirklich sehr tief berührt. Ich habe ihn, auf meine Weise, „verstanden“ und bin wieder einmal beeindruckt, wie sehr Deine Worte, Gedanken, Bilder es schaffen, mich verstehen zu lassen.

    Ich habe mal große Freude mal aber auch große Sorge (je nach Text), dass Du, die Du diese Worte schreibst, die Empfindungen, die sie transportieren, tatsächlich alle so erlebt hast, denn wie könntest Du sonst zu authentisch, so nachempfindbar schreiben?

    Übrigens finde ich die Überschrift zu Deinem Text besonders. Sie allein schon ist ein Text, beginnt die Geschichte buchstäblich schon zu erzählen …

    Alles Liebe Dir und nur die schönsten Grüße! 🌷🙂

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    1. Lieber Sternflüsterer,
      deine Besorgnis rührt mich, und deine Worte zeigen mir, dass ich mit meinen Worten scheinbar alles richtig mache. Ich würde dich gerne beruhigen und sagen: „Hab ich alles noch nie erlebt, ist alles frei erfunden.“ Wie du dir denken kannst, ist das leider nicht ganz so. Aber sei ohne Sorge, viele Zusammenhänge sind frei erfunden, vieles ist von anderen Menschen erlebt und von mir nur wiedergegeben worden, und (das ist vermutlich das wichtigste) ich neige stets zu Übertreibungen.

      Danke auch für die Bemerkung zum Titel, die finde ich meist intuitiv. Und wenn das nicht klappt, bin ich der Verzweiflung nahe und verbringe mehr Zeit mit Titelsuche als mit dem Schreiben des eigentlichen Textes.

      Viele Grüße und hoffentlich erholsame Feiertage 🌷☀️

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