Bus nach Kopenhagen (in dem ich nie saß)

Zugvögel

Stundenlang im Bus,
so viele Stunden,
dass es beinahe Tage waren.
Berge & Kirchen & Straßenlaternen,
Bäume mit immer weniger Blättern,
Vögel in Gruppen,
nein, das heißt Schwarm,
auch wenn er noch nicht vollständig ist.
Neben mir, sie hört Musik,
die Kopfhörer geben eine dumpfe Melodie ab,
sie trägt Ohrringe in Fuchsform.
Ist das jetzt der Herbst
in Rostock?

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Teach her how to kill

Staring at the Ocean

In dieser Geschichte muss kein schönes Mädchen vor einem bösen Monster gerettet werden.
In dieser Geschichte braucht man keinen Prinzen.
In dieser Geschichte gibt es kein Happy End.

In dieser Geschichte muss ein böses Mädchen vor einem schönen Monster gerettet werden.
In dieser Geschichte rettet sich das Mädchen selbst.
In dieser Geschichte gibt es ein Bloody End.

 

Jedes Ding bei seinem wahren Namen nennen

Typewriter

Der Titel steht. Und die Selbstsicherheit wankt.

Es war vor einer Ewigkeit, dass ich von meinem Buch erzählte. Danach schwieg ich darüber.
Doch nur weil nicht mehr darüber geschrieben wurde, heißt das noch lange nicht, dass es nicht fertig geschrieben wurde. Das wurde es nämlich. Fertig. Ich übrigens auch. Fix & Fertig. Schreiben ist Bluten.
Doch schreiben allein reicht noch nicht.
Das Kind braucht einen Namen. Wobei es diese Beschreibung vielleicht nicht so ganz trifft. Kindernamen finden muss einfacher sein. Um Welten. Schwerer kann es nämlich nicht sein. Schwerer kann nur wenig sein.
Nicht nur, dass dieses eine Buch einen Titel möchte. Es ist schließlich Auftakt für eine Trilogie. Und die braucht auch einen Namen. Mit Wiedererkennungswert. Passend zum Genre. Und zur Zielgruppe. Originell. Und alles andere halt auch, was die Suche noch zusätzlich erschwert.
Man kann sich gar nicht vorstellen, wie einfallslos man wird, wenn die einzigen vernünftigen sechs Vorschläge schon lange gestrichen wurden. Man kann sich auch gar nicht vorstellen, wie oft man sich selbst ein und denselben Vorschlag als neue Idee verkaufen möchte und wie oft man ebendiesen erneut durchstreichen kann.

Irgendwann aber war der Titel gefunden. Und der steht. (Bis mir etwas Besseres einfällt.)

Evanna Athos und die Zeiten der Macht.

Oktober

Oktober

Für Oktober kommt die Stärke zurück,
die schon lange verloren schien,
doch scheinbar nie ganz verschwunden war.
Selbstvertrauen & Selbstbewusstsein
sind dieselbe Seite
von zwei verschiedenen Münzen,
irgendwie ein zweischneidiges Schwert,
das zerstört – die Angst
(vor sich selbst & vor Fremden)
und aufbaut – die Freundschaft
(zu sich selbst & zu Fremden).
Blätter fallen zu Boden,
wie alle meine Masken.
Do you like what you see?

Dazwischen

Immer in Bewegung bleiben

Manchmal fragt sie sich, wie sie zu dem wurde, was sie heute ist. Dann denkt sie zurück an früher. Die Zeit in der Grundschule, all die Sommerferien, die Kindheit und die Jugend. Sie war immer brav gewesen, so erschreckend brav. Sie war das Mädchen gewesen, das man zwischen die lärmenden Jungs gesetzt hatte. Sie war das Mädchen, das von den Eltern mit Stolz betrachtet wurde. Sie war das Mädchen, das als erste allein das Haus verlassen durfte.
Weil sie immer zuverlässig war, immer höflich, immer fleißig.

Und jetzt sitzt sie hier. Inmitten all dieser Verzweifelten, Gewalttätigen, Ausweglosen. Ein wenig fühlt sie sich fehl am Platz. Allein ihre Bildung ist mehr wert als diese Menschen hier. Denkt sie sich und schämt sich für den Gedanken, der aus ihrer alten Welt zu kommen scheint. So ist sie doch nicht mehr. Irgendwann war sie in ein Loch gefallen. Und dort unten auf dem Boden hatten all diejenigen gewartet, die nun neben ihr saßen. Es waren nicht genau diejenigen. Doch im Grunde waren sie es doch.

Der Therapeut hört ihr aufmerksam zu, als sie beginnt von „früher“ zu sprechen. Er nickt, macht selten Notizen, sieht sie an. Sein Gesichtsausdruck ändert sich auch nicht, als sie von den letzten Wochen und Monaten und Jahren erzählt. Von diesem Loch und diesen Menschen um sie herum. Er ist geduldig, wartet wenn sie Pausen macht, lässt sich von Gestotter und unvollständigen Sätzen nicht irritieren.
Irgendwann aber, als sie der Meinung war, alles erzählt zu haben, fragt er: „Und was geschah dazwischen? Zwischen diesem ‚früher‘ und dem ‚jetzt‘?“

Sie zuckt hilflos mit den Schultern. „Dazwischen ist nichts. Nur Veränderung.“

Von Wasserfällen

Waterfall

Nie wieder Wasserfälle auf meinen Wangen,
schwöre ich mir,
noch während sich eine Pfütze
auf meinen Knien bildet,
zwischen den Flecken aus Wimperntusche,
die an Flügel von Vögeln erinnern,
die jeden Herbst in den Süden ziehen.
Zumindest sie können der Dunkelheit entfliehen,
ich hingegen behelfe mir
mit der Suche nach Polarlichtern,
mit Kerzen in jedem Fenster
und mit stets griffbereiten Streichholzschachteln.
Die trage ich sowieso immer bei mir,
für den Fall, dass ich all diese Brücken
doch endlich anzünden möchte kann.
Bisher jedoch war noch jedes Streichholz
in einem Wasserfall ertrunken.

Erzähle mir etwas von dir

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Ich bin ein geborener Optimist, der im Laufe der Jahre realistisch genug geworden ist um zu wissen, dass immer das denkbar Schlechteste passieren wird.

Der Abstand zwischen meinen beiden Knien bei jedem Schritt sagt viel darüber aus wie es mir in meinem Kopf gerade geht. Letzteres liegt an ersterem. Nicht anders herum.

Ich glaube nicht an Ärzte.

Ich glaube an Hass. Und an Liebe. Und an Freundschaft.

Wenn ich nicht mehr weiter weiß, wenn gar nichts mehr geht, lese ich Harry Potter. Und dazwischen manchmal auch.

Der Duden ist mein bester Freund. Also so quasi.

Ich bekomme Sonnenbrand selbst bei bewölktem Himmel, selbst innerhalb von 5 Minuten, selbst wenn ich nicht einmal wusste, dass ich überhaupt draußen war.

Eines Tages wird mein british accent so perfekt sein, dass mich ein Brite für eine Britin halten wird. Eines Tages…

Ich weiß nicht alles, aber ich arbeite daran.