Wahre Freunde

Woran man wahre Freunde erkennt:

  • Man kann nicht nur über alles miteinander reden. Man kann auch miteinander schweigen.
  • Sie erklären die Welt in Worten, von denen sie wissen, dass du sie verstehst („… eine Schrift wie von Dumbledore“)
  • Auch wenn du für etwas keine Worte findest, wissen sie genau, was du meinst.
  • In ihrer Gegenwart kannst du genau so verrückt sein, wie du dich gerade fühlst. Und sie machen mit!
  • Du kannst und willst Schwächen von ihnen nicht sehen. Sie haben keine! Zumindest für dich. Und falls du sie doch siehst, sind sie dir völlig egal.
  • Sie wissen immer genau, was du gerade brauchst. Noch bevor es dir selbst bewusst ist.
  • Und sie wissen auch, welche Bücher dir gefallen. (Auch wenn du es noch gar nicht glaubst -> Harry Potter!)
  • Nach jedem Treffen hast du dieses undefinierbare Grinsen und diese scheinbar grundlose gute Laune
  • Sie schicken dir an einem ereignislosen Tag eine SMS – völlig ohne Grund – die den ganzen Tag rettet: „Der Zauberstab wählt den Zauberer, Mister Potter….“
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Verlieren

Sie hasst diesen Kampf,
den sie immer und immer wieder
aufs Neue austragen muss.
Kann sie ihn nicht endlich
endgültig gewinnen?
Oder ein für alle mal verlieren,
damit sie nie wieder,
nie, nie wieder
kämpfen muss?
Dann lass sie doch
wenigstens verlieren!
Wenn du sie schon nicht gewinnen lässt.
Sie hat es so satt.
Dieses ständige Unentschieden,
dieser ständige Waffenstillstand,
der doch nur vorübergehend ist.
Lass sie doch bitte endlich verlieren!

Überraschung

Der Himmel explodierte über uns in Pink und Lila und Orange und Rot. Andere hätten irgendetwas Romantisches getan. Oder irgendetwas Romantisches gesagt. Immerhin war das hier sozusagen ein Date. Doch sie sah mir, nachdem sie den Himmel in all seiner Angeberei bewundert hatte, in die Augen und sagte: „Tut mir leid.“
Ich war ein wenig verwirrt. Sie hatte mir gerade den genialsten Platz für Sonnenuntergänge gezeigt. Sie hatte den genialsten Tag für den genialsten Sonnenuntergang ever ausgesucht. Und jetzt entschuldigte sie sich bei mir.
Sie wusste, dass sie mich mit diesem Satz überrascht hatte. Das war sicherlich ihr Ziel gewesen. Alles an ihr überraschte mich. Sie kannte mehr Fremdwörter als unser Deutschlehrer. Sie machte wochenlang keine Hausaufgaben, um dann in jedem Test trotzdem volle Punktzahl zu erreichen. Sie hatte nie dieses hormongesteuerte Spiel von Flirten und angeblichem Desinteresse mitgespielt. Sie hatte mir schlicht gesagt: „Du machst mich fröhlich und glücklich. Ich hätte gern mehr davon. Wollen wir uns heute Abend treffen? Ich möchte dir etwas zeigen.“
Und jetzt zeigte sie mir den wunderschönsten Sonnenuntergang und entschuldigte sich bei mir.
Eine Antwort gab sie mir keine. Sie legte nur ziemlich vorsichtig ihre Hand in meine.

wie andere Menschen

Sie trank Tee, wie andere Menschen Wein tranken.
Als wäre die ganze Welt eine Party,
aber zu kalt.
Sie rannte auf Berge, wie andere Menschen ins Meer rannten.
Als wäre die ganze Welt ein Spielplatz,
aber zu flach.
Sie liebte, wie andere Menschen ertranken.
Als wären Menschen ganze Ozeane,
aber wärmer.

Entweder wach oder glücklich

Schlösser zu bauen war schon immer deine Stärke gewesen. Luftschlösser, behaupten böse Zungen. Schlösser aus Rauch, sagst du selbst. Aus Zigarettenrauch. Zigaretten begleiten dich schon viel zu lang. Deine Hosentaschen haben schon Abdrücke von den Schachteln, die du immer bei dir hast. Nur meist fehlt dir das Feuerzeug. Stattdessen trägst du Streichhölzer mit dir herum, die viel zu oft nicht mehr angehen, weil sie nass wurden. Irgendwann. Weil du viel zu viel Zeit im Regen verbringst. Du glaubst, der Regen könnte Dinge davonwaschen. Erinnerungen. Gedanken. Inzwischen hast du erkannt, dass der Regen selten diese Macht hat. Nur der Schlaf kann dir noch helfen. Entweder du bist wach oder du bist glücklich. Andere fürchten sich vor Albträumen. Du fürchtest dich vor dem Aufwachen. Du kennst keine Furcht, behauptest du. Aber irgendetwas lässt dein Herz schneller schlagen. Und das kommt nicht von Liebe. Denn du kennst keine Liebe. Behaupten böse Zungen. Dir ist das alles egal, solange du nur in Ruhe weiter rauchen darfst. Und Schlösser bauen.

Schwimmen

Der Körper ertrinkt, vergisst zu schwimmen.
Ich versuche wunderschön zu sein,
doch ich ertrinke, vergesse zu lächeln.
Vergesse zu schwimmen, weil ertrinken
nicht lächelnd geht. Ich weiß nicht,
wie man zu einem Fisch wird.
Ich habe nie zu schwimmen gelernt.
Ich meine, ich habe nie gelernt,
was eigentlich wunderschön ist.
Vielleicht bringen mir die Fische bei
zu schwimmen und die Wale
wunderschön zu sein, trotz allem.
Solange ertrinke ich.