Bus nach Kopenhagen (in dem ich nie saß)

Zugvögel

Stundenlang im Bus,
so viele Stunden,
dass es beinahe Tage waren.
Berge & Kirchen & Straßenlaternen,
Bäume mit immer weniger Blättern,
Vögel in Gruppen,
nein, das heißt Schwarm,
auch wenn er noch nicht vollständig ist.
Neben mir, sie hört Musik,
die Kopfhörer geben eine dumpfe Melodie ab,
sie trägt Ohrringe in Fuchsform.
Ist das jetzt der Herbst
in Rostock?

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Oktober

Oktober

Für Oktober kommt die Stärke zurück,
die schon lange verloren schien,
doch scheinbar nie ganz verschwunden war.
Selbstvertrauen & Selbstbewusstsein
sind dieselbe Seite
von zwei verschiedenen Münzen,
irgendwie ein zweischneidiges Schwert,
das zerstört – die Angst
(vor sich selbst & vor Fremden)
und aufbaut – die Freundschaft
(zu sich selbst & zu Fremden).
Blätter fallen zu Boden,
wie alle meine Masken.
Do you like what you see?

Von Wasserfällen

Waterfall

Nie wieder Wasserfälle auf meinen Wangen,
schwöre ich mir,
noch während sich eine Pfütze
auf meinen Knien bildet,
zwischen den Flecken aus Wimperntusche,
die an Flügel von Vögeln erinnern,
die jeden Herbst in den Süden ziehen.
Zumindest sie können der Dunkelheit entfliehen,
ich hingegen behelfe mir
mit der Suche nach Polarlichtern,
mit Kerzen in jedem Fenster
und mit stets griffbereiten Streichholzschachteln.
Die trage ich sowieso immer bei mir,
für den Fall, dass ich all diese Brücken
doch endlich anzünden möchte kann.
Bisher jedoch war noch jedes Streichholz
in einem Wasserfall ertrunken.

himmelgrau

Juni-Gewitter

Du fragst:
„Wenn du eine Farbe wärst,
welche wäre das?“
Und ich zögere
nur für einen Moment.
Sollte ich vielleicht
meine Lieblingsfarbe nennen?
Dann wäre es gelb.
Wie die Blätter im Herbst.
Wie der Himmel
kurz vor Sonnenaufgang.
Oder grün.
Wie Baumwipfel im Frühling,
wie frisch gemähtes Gras.

Doch das alles
bin ich nicht.

Ich bin grau.
Wie die Hoffnungslosigkeit.
Wie die Leere.
Wie das Nichts.
Ist grau überhaupt eine Farbe?
Und ich bin grau
wie eine Ritterrüstung.
Wie die Eiger Nordwand.
Wie der Himmel bei Regen
oder abends,
wenn er zu müde ist
um noch blau zu sein,
aber zu wach
für schwarz.