Schall & Mauern

Bamberger Dom

Du gibst alles. Nur nicht auf. Dein Kopf ist ein Schlafzimmer ohne Bett.
„Ich möchte kein Astronaut sein“, sagtest du mal. „Das stell ich mir langweilig vor.“
Jeder Satz ein Understatement. Du bist, selbst wenn du rückwärts fährst, schneller am Ziel als alle Anderen. Weil du deine Ziele unterwegs setzt und wenn du sie nicht zu erreichen scheinst, wird der Weg zum Ziel. Solltest du mal am Verlieren sein, änderst du die Regeln, bis sie niemand mehr versteht. Nur du. Weil sich dein Kopf und dein Ehrgeiz keinen Regeln unterwerfen lassen.
Regeln sind dazu da, gebrochen zu werden.
Angst ist dazu da, überwunden zu werden.
Nebenbei überwindest du Mauern und Gesetze und Murphy’s Law ja sowieso. Worst case: Deine Ideen crashen mit eintausendzweihundertsechsunddreißig Stundenkilometern gegen Wände der Realität. Immerhin hast du die Schallmauer durchbrochen. Und das überlebt keine Wand.
Lediglich Kirchen lässt du stehen. Aber wunderst dich bis heute, warum dich dein Gott nicht kennt. Vielleicht, weil Kirchen nicht dazu gedacht sind, überwunden zu werden?
Du wusstest noch nie, wann du stoppen solltest.

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Wie es beginnt

Converse

Es beginnt doch immer so:
Sie saßen am ersten Schultag zufällig nebeneinander.
Zufällig. Wie es bei solchen Geschichten nun mal so ist.
Und das ist doch alles, was es braucht, um ein ganzes Leben zu füllen.
Ein Schultag, ein unsicherer Blick, geteilte Angst ist halbe Angst.
Und sie werden 70 Jahre lang ihre Ängste teilen.

Schulhofwettrennen.
Mathe abschreiben.
Erste Liebe.
Wachstumsschmerz.
Zukunftsangst.
Unsicherheit.
Große Liebe.
Große Rückschläge.
Arbeitsalltag.
Beziehungskrise.
Postkarte aus Chile.
Brief aus Frankreich.
Verlustangst.
Was ist Familie?
Erinnerungen.
Beerdigungen.
Hände halten.
Leben lassen.
Sterben lassen.
Gemeinsam gehen.

urlaubskalt

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„Draußen ist es urlaubskalt“
– „Urlaubskalt? Was bedeutet das?“
„Schön.“


Ein weiteres Wort im ‚Dictionary of felicitas-invented words‘:
urlaubskalt

Wenn man draußen sitzt, obwohl es ein bisschen zu kalt dafür ist. Im zu dünnen Pullover vor dem Zelt oder am Meer sitzen. Lesend. Es windet. Die Hände werden kalt. Die Sonne wärmt schwach das Gesicht.
Man macht Pause. Vom Wandern. Vom Fremde-und-unglaublich-interessante-Menschen-kennenlernen. Vom Erleben.
Es ist entspannend.
Und eben auch ein bisschen kalt.

Licht an!

ON

Knips das Licht an. Lass die Lampen strahlen in allen Farben. Dazu kann man lesen. Sich endlich in die Augen sehen. Lass die Lampen blinken und leuchten. Dazu kann man tanzen, dazu kann man lachen. Wofür sind Lichtschalter schließlich da?
Oder Knips die Sonne an. Damit die Welt endlich heller wird. Dass Sonnenstrahlen überall kitzeln können, dass es Schattenspiele gibt, aber keine Trauerspiele. Versprüh ein wenig Serotonin.
Und zum Schluss:
Knips dein Lächeln an. Und lass die Trauer einmal nicht gewinnen.

Hasenherz & Löwenherz

Kaninchen

Ich bin ein hasenherziges Mädchen.
Mein Mut passt in einen Fingerhut.
Du empfiehlst mir, so zu tun als ob. Das ist fast so gut, als wäre ich es tatsächlich.
Aber alles, was ich schaffe, ist meine Rehaugen zu schließen, wenn die Angst mich übermannt.
Totstellen ist auch eine Art zu überleben, behaupte ich.
Angst ist dazu da, überwunden zu werden, behauptest du.
Mir fällt ein, dass du das auch über Mauern sagtest. Dabei pflegst du alle Mauern bedingungslos einzureißen.
Vielleicht sollte ich meinen Hasen also erschießen.
Und mir stattdessen einen Löwen zulegen.