Wahre Freunde

Woran man wahre Freunde erkennt:

  • Man kann nicht nur über alles miteinander reden. Man kann auch miteinander schweigen.
  • Sie erklären die Welt in Worten, von denen sie wissen, dass du sie verstehst („… eine Schrift wie von Dumbledore“)
  • Auch wenn du für etwas keine Worte findest, wissen sie genau, was du meinst.
  • In ihrer Gegenwart kannst du genau so verrückt sein, wie du dich gerade fühlst. Und sie machen mit!
  • Du kannst und willst Schwächen von ihnen nicht sehen. Sie haben keine! Zumindest für dich. Und falls du sie doch siehst, sind sie dir völlig egal.
  • Sie wissen immer genau, was du gerade brauchst. Noch bevor es dir selbst bewusst ist.
  • Und sie wissen auch, welche Bücher dir gefallen. (Auch wenn du es noch gar nicht glaubst -> Harry Potter!)
  • Nach jedem Treffen hast du dieses undefinierbare Grinsen und diese scheinbar grundlose gute Laune
  • Sie schicken dir an einem ereignislosen Tag eine SMS – völlig ohne Grund – die den ganzen Tag rettet: „Der Zauberstab wählt den Zauberer, Mister Potter….“
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wie andere Menschen

Sie trank Tee, wie andere Menschen Wein tranken.
Als wäre die ganze Welt eine Party,
aber zu kalt.
Sie rannte auf Berge, wie andere Menschen ins Meer rannten.
Als wäre die ganze Welt ein Spielplatz,
aber zu flach.
Sie liebte, wie andere Menschen ertranken.
Als wären Menschen ganze Ozeane,
aber wärmer.

Entweder wach oder glücklich

Schlösser zu bauen war schon immer deine Stärke gewesen. Luftschlösser, behaupten böse Zungen. Schlösser aus Rauch, sagst du selbst. Aus Zigarettenrauch. Zigaretten begleiten dich schon viel zu lang. Deine Hosentaschen haben schon Abdrücke von den Schachteln, die du immer bei dir hast. Nur meist fehlt dir das Feuerzeug. Stattdessen trägst du Streichhölzer mit dir herum, die viel zu oft nicht mehr angehen, weil sie nass wurden. Irgendwann. Weil du viel zu viel Zeit im Regen verbringst. Du glaubst, der Regen könnte Dinge davonwaschen. Erinnerungen. Gedanken. Inzwischen hast du erkannt, dass der Regen selten diese Macht hat. Nur der Schlaf kann dir noch helfen. Entweder du bist wach oder du bist glücklich. Andere fürchten sich vor Albträumen. Du fürchtest dich vor dem Aufwachen. Du kennst keine Furcht, behauptest du. Aber irgendetwas lässt dein Herz schneller schlagen. Und das kommt nicht von Liebe. Denn du kennst keine Liebe. Behaupten böse Zungen. Dir ist das alles egal, solange du nur in Ruhe weiter rauchen darfst. Und Schlösser bauen.

Gut genug.

Ratschläge geben kann ich besser als meine Mutter und meine Großmutter zusammen. Das mit dem Einhalten funktioniert so gut wie bei allen Menschen. Gar nicht. In meinem Tagebuch, das fürchterlich altmodisch unter meinem Kopfkissen liegt, weil letzteres ohne ersterem zu niedrig wäre und ich nicht schlafen könnte, halte ich den Erfolg fest. Kamillentee getrunken. Nicht angerufen. Nicht geweint. Geschlafen. Du bist genug. Du bist genug. Du bist genug.
Und eigentlich bin ich immer nur damit beschäftigt, mich für den Platz zu entschuldigen, den ich einnehme. Weil ich nicht dieses kleine, zarte, leichtfüßige, ruhige Mädchen bin, das man immer in Filmen zu sehen bekommt. Zu mir sagt niemand, mein Lachen sei ansteckend. Doch ansteckendes Weinen ist auch nur in Filmen erwünscht.
Deswegen schalte ich den Fernseher nicht mehr an. Kinos mochte ich sowieso noch nie, weil ich als Kind von zu viel Popcorn gekotzt habe und jetzt allein der Geruch reicht, um mich zu verjagen. Und gut, eigentlich sind es die Menschen. Und die Filme. Und das Popcorn ist die Ausrede, weil Menschen die anderen Gründe nicht verstehen.
Statt in Filme flüchte ich mich also in Bücher. Genauer gesagt Hörbücher. Denn nur sie schaffen es, meine eigene innere Stimme zu übertönen. Allerdings nur Frauenstimmen. Denn jeder Mann, der vorliest, erinnert mich an meinen Vater, der mir viel zu früh nicht mehr vorlesen wollte und damit das erste aller Traumata entfachte. Vielleicht bin ich nur zu empfindlich. Aber das dürfte ich meinem Tagebuch nie erzählen.
Du bist genug. Du bist genug. Du bist genug.

4 Wünsche

Meine Geburtstagskerzen hebe ich auf, ein ganzes Jahr lang, und an manchen Tagen, da zünde ich sie alle an und puste sie alle aus und auch wenn ein Lungenfunktionstest ein Kindergartenspiel ist im Vergleich zum Kerzenauspusten, ich kann nicht aufhören, ehe nicht alle rauchen und nicht mehr flackern.
Ganze Nächte verbringe ich auf dem Rücken liegend auf dem Balkon und warte auf Sternschnuppen. Sobald ich ein Flugzeug sehe, blinzele ich, damit ich es als fallenden Stern oder als Kometen oder als was auch immer Sternschnuppen eigentlich sind ausgeben kann.
Ich suche fanatisch nach Wimpern und puste sie mir von Zeigefingern und manchmal gehe ich geschminkt ins Bett, weil davon angeblich die Wimpern ausfallen und dann könnte ich mehr pusten und mehr wünschen.
Bis heute weiß ich nicht, wie eine Wunderlampe aussieht, doch jede Lampe, jede seltsam geformte Teekanne, die auch als Wunderlampe durchgehen könnte, muss ich anfassen, vorsichtig reiben und abwarten, ob nicht doch ein Dschinn herauskommt.

1 Wunsch wäre schön. 2 Wünsche wären genug. 3 Wünsche machen mich glücklich. Und doch hoffe ich insgeheim auf 4.
Dich.
Mich.
Dazwischen ein Und.
Dahinter ein Immer.