Neo-Optimismus

Gläser

Sie trinken auf ihr eigenes Wohl, mit dem Blut von uns allen. Glauben, sie treffen die wichtigen Entscheidungen. Nämlich, wer von ihnen zuerst auf den Mond darf. Wenn sie die Erde vollständig zerstört haben. Mit ihrer Ignoranz. Und ihren Gedanken an gestern, als noch alles besser und einfacher war. Morgen sind sie sowieso schon tot. Oder noch immer reich genug, um sich selbst als erstes zu retten.
Sie schlafen wohl noch immer ruhig. Ruhig genug zumindest, um all diese Jets pünktlich zu besteigen. Um täglich in den Spiegel sehen zu können, um zu prüfen, ob die Frisur noch sitzt, die sie von Menschen erhalten haben, die einer anderen Klasse angehören. Einer Klasse, von der sie gar nicht wissen, dass es sie gibt. Alle Menschen sind schließlich gleich. [Manche Menschen sind gleicher.]
Sie reden sich um Kopf und Kragen, machen Versprechen, die niemand halten kann, und dennoch gibt es Menschen, die dumm genug sind, ihnen zu glauben. Oder ist das Neo-Optimismus?
Während die Jugend damit beschäftigt ist, neue Wörter dafür erfindet. Lieber etwas gar nicht machen, als es schlecht zu machen.


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Wolkenkleid

In Wolken gekleidet,
nicht wissen, wann man aufhören sollte,
zu viel Herz hineinzustecken
& zu viel Hoffnung,
weil die doch zuletzt stirbt.
Doch alle Dinge müssen sterben,
jedes Königreich fällt irgendwann,
selbst Berge zerfallen zu Staub.
Schwarzmalen solange es noch etwas zu malen gibt.
Bis die Wolken verschwinden
& die Hoffnung weiterlebt.

ertrinken

Aufs Meer schauen

Manchmal, da ertrinke ich. Weil sich alles an mir so falsch anfühlt. Und alles in mir auch.
Und alles ist schwer, zieht mich nach unten, dorthin, wo man nur noch die Gedanken atmen hören kann.
Doch dann kommst du. Du bist kein Anker. Denn Anker sind auch nur schwer und liegen im Wasser. Nein, du bist das Schiff, das oben auf mich wartet. Und du bist das U-Boot, das nach mir sucht.
Ich kralle mich an dir fest und versuche, nie wieder ins Meer zu stürzen. Stattdessen sitze ich neben dir am Strand und beobachte die Wellen. Die mir nun nichts mehr anhaben können.


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Narbensammler

Faust

Sie sehen dir zu bei deinem Kampf. Beobachten jeden Schlag, den du austeilst und jeden Schlag, den du einsteckst. Sie raunen wenn du stolperst, sie jubeln, wenn du triffst. Sie wetten und schreien und lachen.
Während du kämpfst. Nicht um dein Leben. Sondern um alles Andere, was dir wichtig ist.
Deine Haut ist ein Flickenteppich, ein Mosaik aus Narben.
Von jedem Kampf nimmst du ein Andenken mit. Eine Wunde. Aus der eine Narbe wird. Ansonsten war es kein Kampf. Sondern nur ein Sieg.
Die Zuschauer sind deine Familie. Die Arena dein Leben. Und doch verabscheust du sie. Das Einzige, was dir daran gefällt, sind deine Narben. So kann sich endlich jeder vorstellen, wie es in deinem Inneren aussehen muss.
Doch viel wichtiger als die Verletzungen, ist die Tatsache, dass du weiterkämpfst. Und weiterhin Narben sammelst.


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Zurückhaltend

Reh

Du sagtest, du wärst zurückhaltend.
Ich dachte zuerst: schüchtern und scheu
wie ein Reh.

Damals glaubte ich das.
Unschuldig und naiv wie ich war.
Als ich noch nicht dein Innerstes kannte.

Dein Innerstes, ein zerstörtes Schlachtfeld,
besudelt von vergossenem Blut,
ein dunkles Paradies für Krähen.

Jetzt weiß ich, was du wirklich bist.
Nicht schüchtern und scheu,
nicht wie ein Reh.

Aber zurückhaltend.
Weil du weißt, was ein Sturm anrichten kann.
Und diesen versuchst du zurückzuhalten.

Schall & Mauern

Bamberger Dom

Du gibst alles. Nur nicht auf. Dein Kopf ist ein Schlafzimmer ohne Bett.
„Ich möchte kein Astronaut sein“, sagtest du mal. „Das stell ich mir langweilig vor.“
Jeder Satz ein Understatement. Du bist, selbst wenn du rückwärts fährst, schneller am Ziel als alle Anderen. Weil du deine Ziele unterwegs setzt und wenn du sie nicht zu erreichen scheinst, wird der Weg zum Ziel. Solltest du mal am Verlieren sein, änderst du die Regeln, bis sie niemand mehr versteht. Nur du. Weil sich dein Kopf und dein Ehrgeiz keinen Regeln unterwerfen lassen.
Regeln sind dazu da, gebrochen zu werden.
Angst ist dazu da, überwunden zu werden.
Nebenbei überwindest du Mauern und Gesetze und Murphy’s Law ja sowieso. Worst case: Deine Ideen crashen mit eintausendzweihundertsechsunddreißig Stundenkilometern gegen Wände der Realität. Immerhin hast du die Schallmauer durchbrochen. Und das überlebt keine Wand.
Lediglich Kirchen lässt du stehen. Aber wunderst dich bis heute, warum dich dein Gott nicht kennt. Vielleicht, weil Kirchen nicht dazu gedacht sind, überwunden zu werden?
Du wusstest noch nie, wann du stoppen solltest.