Erdball

Tunnel

Ich konnte nicht sprechen, in meinem Hals steckte ein ganzer Erdball.
Wir gruben Löcher & Tunnel, von meinem Mund bis zu meinem Magen, wo Schmetterlinge zu Raupen zu Schmetterlingen wurden und davon flogen auf meine Zunge und es dann nicht wagten, meinen Mund zu verlassen.
Ich schweige dir das schönste Gold, du gräbst weiter. Stocherst im Dunkeln, fischst im Trüben, nicht auf der Suche nach Gold, sondern nach Silber, nach Reden.
Was sollte ich dir sagen? Wie sollte ich es dir sagen?
Wo doch in meinem Hals ein ganzer Erdball steckt.

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Hübsch?

Life for a cause

Du bist nicht hier, um hübsch zu sein.
Du bist hier, um die Welt aus den Angeln zu heben. Um Augen zu öffnen. Um Gedichte zu schreiben. Um die Wahrheit zu sagen. Um Streit zu beginnen und um Frieden zu schließen. Um den Himmel zu bemalen.

Lass dich niemals von jemandem auf „hübsch“ reduzieren.
Oder schlimmer noch: darauf reduzieren, hübsch sein zu wollen.

Wo ist denn nun der Frühling?

Winterdach

Dreh die Musik lauter, ich möchte nicht mehr hören, wie der Schnee auf die Straßen fällt.
Mach das Licht aus, ich möchte nicht mehr sehen, wie die Vögel in den Norden ziehen.
Klebe meinen Mund zu, ich möchte nicht mehr schmecken, wie Tränen über meine Wangen rinnen.
Halte die Luft an, ich möchte nicht mehr riechen, wie der Rauch in die Wolken zieht.
Hülle mich in Wachs, ich möchte nicht mehr spüren, wie mich die Sehnsucht langsam tötet.

Frühaufsteher

Tulpen

Wir erwachen jeden Morgen ein wenig früher. Jeden Morgen geht die Sonne ein paar Minuten eher auf. Und du schaffst es, dass ich jeden Tag aufs Neue zum Frühaufsteher werde.
Du bist der einzige Mensch, den ich kenne, der sich einen Hai auf die Rippen tätowieren lässt, obwohl du panische Angst vor dem Meer hast. „Ich muss mich doch meinen Ängsten stellen“, erklärst du mir. Und dann umarmst du mich besonders fest, weil deine größte Angst ist, mich zu verlieren. Jeden Donnerstag bringst du mir etwas mit. Einen Schoko-Osterhasen. Das Foto von einem Fuchs, der morgens neben der Straße auf Mäuse gelauert hatte. Ein paar Tulpen. Ein neues Notizbuch. Eine besonders warme Umarmung. Weil du weißt, wie sehr ich Donnerstage hasse. Und weil deine kleinen Geschenke am Abend oft der einzige Grund sind, warum ich morgens das Bett überhaupt verlasse.
Du schaffst es sogar, dass ich jeden Tag aufs Neue zum Frühaufsteher werde. „Kinder stehen so früh auf, weil sie sich über das Leben freuen“, sagtest du mal. Es ist ganz offensichtlich, dass auch du dich noch immer über das Leben freust. Und Lebensfreude färbt irgendwie ab, ohne dass sie an einer anderen Stelle verblasst.