Liebeserklärung an F. – Teil IX

Wolkentürme

Wir wissen beide was Sache ist, wenn der andere sagt: „Komm mit, ich muss dir was zeigen.“
Es ist entweder der Mond oder die Sonne oder die Wolken oder der Himmel ganz allgemein.
Und dann stehen wir da, starren nach oben, sprachlos und atemlos.
Und im nächsten Atemzug entschuldigen wir uns beim Tod.

Wenn so unser Alltag aussieht, kann ich gut damit leben.

 

Teil I, Teil II, Teil III
Teil IV, Teil V, Teil VI
Teil VII, Teil VIII

You are not invincible

Machu Picchu

Höher. Schneller. Weiter.
Immer mehr. Immer mehr.
Bis dein Körper sagt, dass du bitte aufhören sollst.
Schwächling.
Immer weiter, come on!
Ich will doch noch einen Berg erklimmen. Ein Buch schreiben. Die 7 Weltwunder sehen. Freunde treffen. Fenster putzen. 27 Bücher lesen. Und alles andere.
Stillstand ist Rückschritt.
Es gibt Dinge, die was zu sagen haben in deinem Leben: Freunde. Ehrgeiz. Angst.
Aber nicht: Der Körper.

Und dann meldet sich dein Körper erneut zu Wort. Nicht mehr vorsichtig fragend. Sondern vehement fordernd. Und dann… geht nichts mehr.
Erkenntnis #1: Du kannst auch kotzen, obwohl du nur Tee im Magen hast.
Erkenntnis #2: Du kannst auch kotzen, obwohl du nichts im Magen hast.

Dein Körper zieht einen Schlussstrich, obwohl dein Geist doch gerade erst angefangen hat. Schade nur, dass du auf diesen Körper angewiesen bist. Er lacht dich aus: „Na dann sieh mal, wie weit du ohne mich kommst.“
Ich verrate dir ein Geheimnis: Keinen einzigen Schritt weit.
Dein Körper verordnet dir eine Zwangspause und dir geht es zu schlecht um dich noch darüber zu beschweren. Endlich hält auch mal dein Kopf die Klappe. Er ist mit kämpfen beschäftigt.

Und wenn du nach einer ganzen Wochen zum ersten Mal wieder Nahrung behältst, ist es dir egal, dass diese Salzstangen jetzt nicht verdammt healthy sind. Du hast seit 7 Tagen nicht mehr geduscht, deine Haare sind also nicht mehr gerade das, was man fancy nennt. Und die Waage zeigt ein Gewicht, das du zuletzt vor 10 Jahren hattest. Viel zu skinny.
Aber weißt du was: I fucking do not care!

Das hier ist dein Körper. Und der ist nicht unkaputtbar.
Das hier ist dein Leben. Und das ist ebenfalls nicht unkaputtbar.

Vielleicht solltest du es langsamer leben. In einem Tempo, mit dem auch dein Körper Schritt halten kann.
Und jetzt: calm down.

Nie verschickte Postkarte #2

Postkarte #2

Liebe D.,

ich konnte nicht vergessen wie traurig du aussahst, als du sagtest, dass du mit den Männern einfach kein Glück hast. Ich habe auch deinen Blick bemerkt, als ich von mir und F. erzählt habe. Und beinahe hätte ich mich für mein Glück entschuldigt.
Natürlich tut es mir Leid, dass du unglücklich bist. Dass du scheinbar immer nur die falschen Männer kennenlernst.
Aber D., vergiss nicht, dass du auch allein ein großartiger Mensch bist. Auch ohne Freund an deiner Seite kannst du Abenteuer erleben, kannst du Spaß haben, kannst du dich wertvoll fühlen!
Und ich möchte dir den Rat geben: Warte lieber ein paar Monate, Jahre, Jahrzehnte länger auf einen Mann, der es wert ist. Bevor du den Nächstbesten nimmst.
Denn eine unglückliche Beziehung ist auch nicht besser als Liebeskummer!

Deine Felicitas

How to make yourself invisible

Meerblau

  • Spill ink only into the ocean,
    the waves won’t hear you weep
  • Drive backwards in the alley
    that is never lightened at night
  • Cry out loud
    only in forests where no one can hear you
    except the birds and the leaves
    and the fox that hides even better than you do
  • Move your hands and your fingers
    in small circles and pretend
    to always hold a cup of tea
  • Scratch open all your scars and bruises
    only when you are drowning
    in a sea of crimson paintings
  • Find a pullover that is as good
    as an invisibility cloak
  • never look up, into other people’s eyes,
    if you can’t see them, they can’t see you
  • Realize that all existency is just made
    of light & reflexions
  • And finally stop taking everything
    and especially yourself
    so seriously
  • It is just part of another story

Planlos

Straßenkarte

Was, wenn ich keinen Plan vom Leben habe?

Du gehörst zu den Menschen, die das Gestern, Heute und Morgen dokumentiert vor sich haben; schön aufgelistet wie einen Stundenplan, aufgemalt wie eine Straßenkarte. Geordnet und sortiert.
Du weißt, was du willst. Hast deine Ziele. Und weißt genau, wie du sie erreichen möchtest. Falsch, wie du sie erreichen wirst. Denn du hast auch Plan B. Und Plan C. Nur für alle Fälle.

Was würdest du machen, wenn die aber alle nicht reichen? Wenn dir jemand die Welt auf den Kopf stellt; deine Pläne zunichte macht?
Würdest du diese Person hassen?
Vielleicht nur für den ersten Moment?
Und wärst du später dann dankbar dafür?

Darf ich diese Person sein?

Ich, die einfach immer so vor sich hinlebt. Die höchstens aus reinem Zwang Pläne macht. Nur um sie sowieso wieder über den Haufen zu werfen.

Darf ich deine perfekten Pläne zerstören?

Berge erkennen, Menschen erkennen

Menschen auf Bergen

Ich ärgere mich darüber, dass ich die Berge nicht beim Namen nennen kann. Ich sehe sie doch jeden Tag.
Immerhin habe ich eine gute Ausrede: Sie sehen schließlich jeden Tag anders aus. Ändern mit jedem Blickwinkel ihre Form, mit jedem Wetter ihre Farbe. Wie sollte ich sie da kennen können?

Doch warum maßen wir uns dann an zu behaupten, Menschen zu kennen?
Sie schließlich ändern ihr Inneres und Äußeres mit jedem Wimpernschlag.
Kein Mensch ist heute jemals der, den du gestern noch gesehen hast. Mit jedem gesagten Satz, mit jedem gehörten Satz, mit jedem gelesenen Satz ändert sich etwas.
Wie können wir also jemals jemanden wirklich kennen?

A true Queen needs no King

Alnwick Castle

Wir verschwenden viel zu viel Zeit damit, uns gegenseitig zu überbieten.
Gestern liebte ich dich, heute fordere ich dich heraus. Weil ich mich nicht kleinmachen darf und weil du mich nicht kleinreden darfst. Hast du nie getan. Aber die Gefahr besteht.
Also baue ich mir mein Schloss selbst und setze dich vor die Tür. Also vor das Tor. Und versperre mich hinter den Mauern. Weil ich selbst groß genug bin um das alles allein zu schaffen. Behaupte ich zumindest. Und scheitere fulminant daran.
Ich kann mir meine Türen selbst öffnen, dazu brauche ich keinen Mann. Stimmt. Doch manche Türen bleiben dann für immer verschlossen.
Ich brauche keine roten Rosen jeden Tag oder Frühstück im Bett. Ich brauche auch keine romantischen Sonnenuntergänge. Dennoch dreht die Erde sich weiter und die Sonne geht jeden Abend erneut unter.

Vielleicht sollten wir also doch all den Hass einfach vergessen.
Und uns gegenseitig schätzen.
Und jeder darf für sich selbst groß werden. Und jeder hilft dem Anderen trotzdem.
Egal in welche Richtung man wächst.
Egal ob gerade oder schief oder verkehrt herum.

Und auch wenn ich dich vielleicht nicht brauche – ich möchte dich an meiner Seite.
Denn gemeinsam sind wir doch am stärksten.