Ihr solltet sie fürchten und doch verliebt ihr euch in sie

Women are the strong ones

Über ein Mädchen wie sie schreibt man ganze Bücher.
Ihr Herz war aus Stein, ihre Augen aus Glas, ihre Haut flüssiges Gold.
Sie trug, selbst wenn sie nur in Rock und T-Shirt vor dir stand, eine ganze Rüstung. Aus Eisen und Stahl. Aus Gleichmut und Unerschrockenheit und Tapferkeit und Gerechtigkeit.
Mit jedem ihrer Schritte bebte die Erde, erzitterten wir alle. Ein Lächeln war wie Sonnenschein in einem Gewitter. So selten. Und so willkommen. Und so fehl am Platz.
Ihre Stimme konnte Riesen erschaffen, Burgen erwecken, Feuer einfrieren.
Mach sie wütend und sie tötet dich. Mach sie glücklich und sie verschont dich. Vielleicht. Vielleicht auch nicht.
Sie war unberechenbar, eine Gleichung mit 5 Unbekannten.
1 – ihr Herz
2 – ihre Gefühle
3 – ihre Intelligenz
4 – ihre Schnelligkeit
5 -ihre Beweggründe
Sie war gefährlich. Gefährlicher als wir alle zusammen.
Doch anstatt sie zu fürchten, verliebt ihr euch in sie.

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Fremde Wohnung

Fremde Wohnung

Neugierig sah sie sich in seiner Wohnung um. Er lebte ordentlich. Die Bücher standen in Reih‘ und Glied in den Regalen. An der Decke hing eine schlichte Lampe und in einer Ecke stand ein Sofa, das so aussah, als würde es nicht oft gebraucht werden. Es gab keine Pflanzen, fiel ihr auf. Die Stühle standen parallel zur Wand, an die ein paar Zeitungsausschnitte geklebt waren. Daneben hing Salbei zum Trocknen. Nur auf dem Tisch herrschte beinahe so etwas wie Unordnung. Dort stapelten sich Zeitungen, in denen gelegentlich Absätze mit gelben Textmarker hervorgehoben waren.
„Willst du Tee? Und Schokolade?“, fragte er sie plötzlich.
Sie drehte sich zu ihm und nickte. Und versuchte, ein dämliches Grinsen zu unterdrücken. Sie war schwer bemüht, sich nicht in ihn zu verlieben, aber das war alles andere als einfach. Wenn man bedachte, wie ähnlich sie sich waren. Und wie zielsicher er ihre Gedanken lesen konnte.
Während er in die Küche verschwand, blickte sie aus dem Fenster. Die Nacht brach herein. Die Straßenlampen brannten schon und über den Hochhäusern konnte man nur noch schwach die einzelnen Wolken ausmachen, die kaum noch dunkler waren als der Himmel.
Er kam kurze Zeit später zurück, drückte ihr eine Tasse in die Hand und legte eine Tafel Schokolade auf den Tisch. Dann stellte er sich neben sie und sah nach draußen, hinunter auf die Straßen. Unweigerlich wurde ihr seine Nähe bewusst, sie spürte seinen Atem, sie roch seinen Schweiß und sein Deo.
„Die anderen Jungs werden bald kommen“, sagte er. Beinahe entschuldigend?
Schlagartig wurde ihr bewusst, wie leichtsinnig sie war. Sie war allein in die Wohnung eines Mannes gekommen, den sie erst seit dem Vorabend kannte. Und sie wusste, dass bald noch weitere Männer in dieser Wohnung auftauchen würden.
Wie konnte sie nur so dumm sein?
Unauffällig tastete sie nach ihrer Hüfte, wo – gut versteckt unter ihrem Pullover – ein Messer wartete.
Der beste Weg in das Herz eines Mannes ist zwischen der vierten und der fünften Rippe, erinnerte sie sich und lächelte grimmig.

Wo ist denn nun der Frühling?

Winterdach

Dreh die Musik lauter, ich möchte nicht mehr hören, wie der Schnee auf die Straßen fällt.
Mach das Licht aus, ich möchte nicht mehr sehen, wie die Vögel in den Norden ziehen.
Klebe meinen Mund zu, ich möchte nicht mehr schmecken, wie Tränen über meine Wangen rinnen.
Halte die Luft an, ich möchte nicht mehr riechen, wie der Rauch in die Wolken zieht.
Hülle mich in Wachs, ich möchte nicht mehr spüren, wie mich die Sehnsucht langsam tötet.

Frühaufsteher

Tulpen

Wir erwachen jeden Morgen ein wenig früher. Jeden Morgen geht die Sonne ein paar Minuten eher auf. Und du schaffst es, dass ich jeden Tag aufs Neue zum Frühaufsteher werde.
Du bist der einzige Mensch, den ich kenne, der sich einen Hai auf die Rippen tätowieren lässt, obwohl du panische Angst vor dem Meer hast. „Ich muss mich doch meinen Ängsten stellen“, erklärst du mir. Und dann umarmst du mich besonders fest, weil deine größte Angst ist, mich zu verlieren. Jeden Donnerstag bringst du mir etwas mit. Einen Schoko-Osterhasen. Das Foto von einem Fuchs, der morgens neben der Straße auf Mäuse gelauert hatte. Ein paar Tulpen. Ein neues Notizbuch. Eine besonders warme Umarmung. Weil du weißt, wie sehr ich Donnerstage hasse. Und weil deine kleinen Geschenke am Abend oft der einzige Grund sind, warum ich morgens das Bett überhaupt verlasse.
Du schaffst es sogar, dass ich jeden Tag aufs Neue zum Frühaufsteher werde. „Kinder stehen so früh auf, weil sie sich über das Leben freuen“, sagtest du mal. Es ist ganz offensichtlich, dass auch du dich noch immer über das Leben freust. Und Lebensfreude färbt irgendwie ab, ohne dass sie an einer anderen Stelle verblasst.

Mein großer Auftritt

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Wie ich bereits hier berichtete, veranstaltet die Buchhandlung Dannheimer im Kempten eine Lesung mit mir.
Und morgen ist es so weit!

Die Kapitel sind ausgesucht, die Stichpunkte festgehalten, Freunde & Familie wissen Bescheid und meine Nervosität geht ins Grenzenlose.

Wer morgen zufällig im schönen Allgäu unterwegs ist und einen Abstecher nach Kempten machen möchte, um 16.30 Uhr geht’s los, im Untergeschoss der Buchhandlung Dannheimer.
Einfach Ausschau halten nach einer verzweifelten jungen Frau, das bin dann ich.

Hier gibt’s genauere Infos.