Lärmende Zeiten

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Obwohl sie fürchterlich leise & schüchtern war, hatte sie eine Lautstärke, die einem Karneval in nichts nachstand. Sie selbst bezeichnete sich mehr als Waldbrand. Ich verstand den Vergleich nicht. Aber ich war froh, dass sie mit mir sprach. Und dann auch noch über solch persönliche Dinge.
Sie war schüchtern und ihre Klassenkameraden hänselten sie. Anfangs. Sie bekam schlechte Noten für ihre Mitarbeit. Nur weil sie sich nicht oft meldete. Und niemals mit dem Finger schnippte (obwohl sich die Lehrer doch darüber immer aufregten).
Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich anfangs Mitleid mit ihr hatte und nur deswegen überhaupt begann, um sie herumzuschleichen. Sie war nicht dumm, merkte es natürlich sofort. Zu meiner Erleichterung stellte sie mich aber nicht zur Rede. Wobei, eigentlich tat sie es. Nur mit ihrem Blick. Zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass ich wenigstens ehrlich zu ihr war. Ich sagte ihr, dass sie mir leid tat. Und dann verzog sie mitleidig das Gesicht. Und leise, ganz leise, und mit nur wenigen Worten erklärte sie mir, dass Mitleid nicht angebracht war. Dass sie sich das so ausgesucht hatte. Sie konnte sich schließlich auch ohne laute Worte bemerkbar machen. Ein Talent, das wenige beherrschen.
Wenig später las ich irgendwo: „Wir leben in solch lärmenden Zeiten. Alles stellt Rekorde auf.“ Ich tat mir selbst ein wenig leid.
Seitdem schätzte ich ihren Waldbrand. Auch wenn ich diese Erklärung noch immer nicht verstand.

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Erzähle mir etwas von dir

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Ich bin ein geborener Optimist, der im Laufe der Jahre realistisch genug geworden ist um zu wissen, dass immer das denkbar Schlechteste passieren wird.

Der Abstand zwischen meinen beiden Knien bei jedem Schritt sagt viel darüber aus wie es mir in meinem Kopf gerade geht. Letzteres liegt an ersterem. Nicht anders herum.

Ich glaube nicht an Ärzte.

Ich glaube an Hass. Und an Liebe. Und an Freundschaft.

Wenn ich nicht mehr weiter weiß, wenn gar nichts mehr geht, lese ich Harry Potter. Und dazwischen manchmal auch.

Der Duden ist mein bester Freund. Also so quasi.

Ich bekomme Sonnenbrand selbst bei bewölktem Himmel, selbst innerhalb von 5 Minuten, selbst wenn ich nicht einmal wusste, dass ich überhaupt draußen war.

Eines Tages wird mein british accent so perfekt sein, dass mich ein Brite für eine Britin halten wird. Eines Tages…

Ich weiß nicht alles, aber ich arbeite daran.

 

Laut & Echt

Laute Aussicht

Laut. Das ist das Adjektiv, das sie am besten beschreibt.
Das liegt nicht einmal unbedingt an der Lautstärke ihrer Stimme.
Sondern an allem insgesamt:

Wie oft sie Übertreibungen wie „Niemals!“ und „Immer!“ herausschreit. Als wäre das selbstverständlich.
Wie oft sie Wörter wie „unglaublich“ und „krass“ verwendet. Als würde „gut“ einfach nicht reichen.
Ihre irgendwie fröhlich-aufdringliche Art.
Und ihr fast schon exzessiver Gebrauch von Smileys bei WhatsApp.

Sie ist schon nett. Wobei nett ein viel zu schüchternes Wort ist.
Sie ist echt.
Und genau deswegen kommen nur so wenige Menschen mit ihr klar.