in omnia paratus

Seine Augen blitzten vergnügt, wann immer jemand lachte, doch nie war er der Grund dafür, dass jemand lachte. Ein freundliches Lächeln bekam er zwischendurch. Wie man den Postboten anlächelte oder die Schwester, die nach einem zu langen Wochenende wieder fortfuhr.
Seine viel zu großen Hände suchten nach etwas, das sie tun konnten. Klavier könnte er lernen. Oder Gitarre. Gefällt das nicht den Mädchen? Er könnte auch einen Tisch schreinern. Ein Dach decken. Eine Brücke einreißen.
Er ging ins Fitnessstudio, jede Woche dreimal. Seine Brust war breiter geworden, seine Arme zeigten erste Berge, sein Rücken könnte fünf Kinder tragen und doch trug er kein einziges.
Sein Kopf platzte beinahe von all dem Wissen, das er sich angeeignet hatte, ohne zu wissen, wofür er es jemals brauchen konnte. Ob er es jemals brauchen konnte.

Zu allem bereit.
Zu nichts zu gebrauchen.

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Der Wahnsinn meiner Generation

Feuerwerk

Unsere neuen Laufschuhe heißen „Supernova“, wir schreiben nur noch in kursiv, unter jedem Instagram-Bild ein #fürchtenichts.
Wir sind der Prototyp einer Generation, die sich selbst wichtiger nimmt, als das Universum groß ist. Bereits unsere Eltern und Großeltern haben mehr entdeckt, mehr erforscht, als unser aller Gehirne noch aufnehmen, geschweige denn verstehen können. Also geht es nun darum, entweder das alles zu steigern oder das alles zu ignorieren. Deswegen gibt es Google und Stipendien, Selfiesticks und Tinder.

Ich möchte keinen Bären

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Wir sind die Generation, die niemals schläft. Nein, die niemals schlafen sollte.
Es gibt so viel zu sehen, so viel zu erleben.
You only live once.

Ich muss gefälligst mein Leben schätzen. Alles nutzen. Bis zum äußersten.
So viele andere Menschen haben nicht diese Möglichkeiten, wie ich sie habe. Es wäre undankbar, diese einmalige Chance nicht zu nutzen.

Ich fühle mich, als würde ich ständig unter Druck gesetzt werden.
Ich bin nicht gut genug, so wie ich bin.
Ich muss mehr Sprachen sprechen. Mehr Bücher lesen. Mehr Berge besteigen.  Mehr Freunde treffen. Mehr Torten backen. Mehr Sterne sehen. Mehr Fremde ansprechen. Mehr Kaffee trinken. Mehr Sport machen. Mehr Partys feiern. Mehr Länder bereisen.

Immer nur mehr.

Und ich selbst bin nicht gut genug.
Nicht, solange ich dieses „mehr“ nicht erreicht habe.

Hier ist meine Gegenstimme!

Bitte halte für einen Moment inne.
Das einzige, was du solltest, ist, dein Leben zu leben.
Wir sind die Generation, die niemals schläft. Und jeder klagt über Müdigkeit.
Es ist nicht möglich, den ganzen Tag atemberaubende Dinge zu erleben. Es ist weder psychisch noch physisch möglich.
Irgendwann braucht man Pause. Irgendwann braucht man Schlaf.
Langsame Tage, an denen man im Bett liegt und nichts tut. An denen man ein Buch zum hundertsten Mal liest – einfach weil man es mag und nicht, weil es ein „Mehr“ bringt.

Wir leben in einer Welt, in der alles möglich ist.
Wenn wir einen Bären wollen, dann können wir uns den verdammten Bären einfach kaufen.
Doch was, wenn ich gar keinen Bären möchte?