post-apokalypse

das gefühl von altem zeitungspapier
und der geruch nach kaltem tee
vermischen sich in der zugluft
des gekippten fensters
ohne scheiben
als wäre gestern
etwas geschehen
das heute bereits stillsteht
die zeiger der uhren
bewegen sich nicht mehr
und das bellen der hunde
aus dem hinterhof
hallt noch nach.

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Eisherz

Frost

Aus Eisenherz wird Eisherz.

Deine Hände waren schon immer kalt,
jetzt ist es auch deine Stimme
und insbesondere dein Herz.

Dein Atem wird zu Rauch
und deine Worte ebenfalls.

Mir ist so fürchterlich kalt hier,
lass mich ein Feuer entzünden.

Setze die Brücken in Flammen,
die noch zwischen uns waren.

Jetzt steht zwischen uns
nur noch die Kälte.

März

März

März wurde gewalttätiger
als er es früher gewesen war.
Trügerische Helligkeit
am Ende der Münder
von Brücken
& Tunneln,
die sich als Schein herausstellte
und als Kälte.
Deine Hände blass, kalt,
wenn sie nach Schneeflocken griffen,
die in der Luft noch schmolzen.
Ähnlich deiner Widerstandskraft.
Wir sind gottlos,
und dennoch
fühlen wir uns verpflichtet
zu Scheinheiligkeit.

Februar

Frost

Februar galt dem Überlebenskampf,
alles wurde vom Blau verschluckt
und du hülltest dich in Mäntel
und in Schweigen
und in bläulichen Zigarettenrauch.
Der Wind öffnete seinen Mund,
gemein und so vertraut.
Keine Wolldecke war warm genug,
lediglich kariert und geeignet zum Höhlen bauen.
Wir pflanzten Hyazinthen,
damit ein jeder sehen konnte,
wie dringend wir leben wollten
und die Hoffnung nicht aufgeben.

Winternacht

Winternacht

Es war gespenstisch.
Schwärzeste Nacht, sternklar, klirrend kalt.
Der Schnee reflektierte das blasse Licht des Mondes.
Alles war weiß und bleich, wie Knochen.
Und es war kein Geräusch zu hören.
Als würde jeder Laut verschluckt werden vom Schnee, der heute den ganzen Tag lang stumm gefallen war.