Von Füchsen und deren Beute

Es gibt Gespräche, die man lieber nicht führen möchte. Die man aber führen muss, wenn man etwas ändern möchte. Und ich möchte etwas ändern. Denn es ist furchtbar mit anzusehen, wie der beste Freund und die beste Freundin umeinander schleichen wie ein Fuchs und seine Beute. Ich wusste nur nie, wer jetzt gerade der Fuchs war und wer die Beute.
Die Füchsin (oder die Beute?) hatte sich von mir bereits vor Wochen entlocken lassen, wie sehr sie verliebt war. Ich konnte es ihr nicht verübeln. Er war der liebenswerteste Mann, den ich bisher kennengelernt hatte. Nicht umsonst war er mein bester Freund.
Doch immer wenn ich dachte, jetzt – jetzt! – müsste endlich etwas passieren, sie würden endlich kapieren, was der Andere fühlte, dann vermasselte er es. Es war frustrierend. Immer war er derjenige, der im letzten Moment irgendetwas total doofes sagte oder einfach abhaute. Weil er ja so sehr beschäftigt war mit seiner Doktorarbeit.
Also musste ich ihn zur Rede stellen. Natürlich erwähnte ich nicht, dass die Füchsin (respektive Beute) mir bereits alles erzählt hatte. Ich stellte ihn einfach nur zur Rede, wie das eine beste Freundin nunmal tat.
„Ich interessiere mich nicht für Mädchen“, antwortete er mürrisch.
Ich hob überrascht die Augenbrauen. Das klang nach einer schlechten Ausrede. „Warum nicht? Bist du schwul?“
Das hätte er mir erzählt. Das hätte er mir so sicher erzählt.
Zum Glück ersparte er mir diese Lüge und schüttelte den Kopf. „Nein. Aber ich habe in meinem Gehirn einfach keinen Platz für Liebe.“
Diese Antwort war so bescheuert, dass ich ihn beinahe geohrfeigt hätte. „Liebe hat nichts mit dem Gehirn zu tun.“

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Hochzeitsprophezeiungen

Rosen

Schon seit 20 Jahren sage ich, dass du ihn heiraten wirst. Und bis gestern hast du das geleugnet. Mich ausgelacht.
Was nicht alles dazwischengekommen war. Zwischen Kindheit und Erwachsensein.
Dabei war das schon im Kindergarten ganz deutlich gewesen, Dort hatte ich zum ersten Mal meine Prophezeiung über eure gemeinsame Zukunft ausgesprochen. Schließlich wart ihr unzertrennlich. Als das Leben nur aus Spielen bestand.
In der Grundschule wart ihr noch befreundet, aber irgendwie nur noch so ein bisschen. Denn ein bisschen peinlich war es euch auch schon. Welches Mädchen spielt denn schon mit Jungs? Ich will gar nicht wissen, was er sich alles von seinen älteren Brüdern hatte anhören müssen. Welcher Junge spielt denn schon mit einem Mädchen?
Wenig später fandest du alle Jungs doof. Wir wechselten auf das Gymnasium, alle zusammen in einer Klasse. Es war nicht zu übersehen, dass euch irgendetwas verband. Und doch fandest du ihn doof. Und er dich auch. Ich stand irgendwo dazwischen. Beschäftigt mit mir selbst und meinen kleinen Problemen. Und mit dem Erwachsenwerden.
Wir waren vielleicht 14 oder 15, als du Jungs plötzlich wieder interessant fandest. Du hattest deinen ersten Freund. Er seine erste Freundin. Ich wusste, dass es nicht halten würde. Weder bei dir, noch bei ihm. Nur du passt zu ihm und nur er passt zu dir. Auch wenn ihr das noch immer nicht hören wolltet.
Für das Abi lernten wir zu dritt. Ich hatte die Hoffnung, euch nun zusammenbringen zu können. Doch es war nur unser running gag: eure Hochzeit.
Denn schließlich gingst du als Aupair nach Rom. Und er studierte in Hamburg. Du zogst nach Köln zum Studieren. Er zog nach Lübeck – der Liebe wegen.
Und dann, 6 Jahre später, war alles aus. Dein Studium. Und du kamst zurück in die Heimat. Seine Liebe. Und er kam zurück in die Heimat. Während ich hier noch immer den DHL-Boten und den Bäcker und jede Straßenkatze beim Namen kannte. Ihr kamt zurück und wir waren wieder zu dritt. Für mich war es noch immer überdeutlich zu sehen, wie sehr ihr zusammengehört. Inzwischen war ich aber alt genug, um zu wissen, dass es nichts half, wenn ich das aussprach. Das musstet ihr selbst tun.
Das tatet ihr auch. Endlich.
Und gestern, da habt ihr euch entschieden, zu heiraten. Ganz aufgeregt hast du mich angerufen, mich gefragt, ob ich Trauzeugin sein wollte. So, wie wir uns das damals, als wir – kurz vor dem Abi – unsere Witze darüber gemacht hatten, ausgemalt hatten. Also fast genau so.
Und ich lächelte nur. Ich hatte es prophezeit.

This is how you fall in love

Brighton xxx

Sie hat dieses Lächeln… Wann immer sie so lächelt, weiß man, dass sie so viel mehr weiß, als jeder andere Mensch. Niemals würde sie das sagen. Sie guckt einfach nur so.
This is how you fall in love.
Puh, ich hasse Kitsch. Dieses eklige, romantische Zeug. Liebeserklärungen. Sonnenuntergängen. Rote Rosen. Und noch mehr als die Sachen selbst, hasse ich Menschen, die darauf stehen.
Einmal hörte ich sie sagen: „Was will ich mit Rosen? Die bringen doch niemandem was! Vor allem nicht, wenn sie schon abgeschnitten sind. Ich verstehe das mit den Rosensträußen einfach nicht. Wenn mir jemand eine Freude machen will, soll er mir Süßigkeiten schenken. Oder ein gutes Buch.“
Hah!
This is how you win her.
Ein anderes Mal sagte sie: „Als wären Frauen Ware. Oder eine Trophäe. Wenn ich das schon höre: Meine. Oder noch schlimmer: Meine Eroberung.“
This is how you loose her.
Also verliere ich mich lieber selbst darin, sie anzusehen. Ihr zuzuhören, wann immer sie nah genug an mir vorbeigeht, dass ich sie hören kann. Manchmal lächele ich sie an. Dann lächelt sie zurück. Immer. Und immer mit diesem wissenden Blick. Als wüsste sie genau, wie gern ich sie lächeln sehe.

Freund.

Ein ganzer Mond voller Rosen

Es gibt Freunde. Und es gibt Freunde. Und dann gibt es diesen Freund.

„Oh doch, es kann Freundschaften zwischen Männern und Frauen geben!“
Sagt sie sich. Und ruft es jedes Mal, wenn jemand das Gegenteil behauptet.
Sie besteht darauf. Alles Andere streitet sie ab. Schließlich hat sie diese wunderbare Freundschaft mit diesem wunderbaren Mann.
Er ist 2 Jahre jünger als sie. Das könnte gar nicht funktionieren. Sagte sie sich. Und allen Anderen. Sie, die doch nie etwas auf Geschlechterklischees gibt, nennt das als Grund. Der einzige, der wohl alle Freunde und Bekannten überzeugen kann. Vermutet sie. Denn den wahren Grund kann sie nicht nennen. Sie kann ihn ja nicht mal beschreiben.
Da ist irgendetwas zwischen ihnen, eine selbstverständliche Intimität, ein Verständnis, das es doch in einer Beziehung nicht geben kann. Sagt sie sich. Schließlich spricht sie aus Erfahrung. Aus schlechter Erfahrung.
Er hat sie verweint gesehen. Er hat sie wütend gesehen. Er hat sie schweigend gesehen. Er hat sie in jedem Gefühl und in jedem Zustand gesehen. Betrunken. Verzweifelt. Ausgelassen. Kindisch. Verliebt. Leichtsinnig. Schreiend.
Niemand würde sich in so einen Menschen verlieben. Sagt sie sich.

„Das würde nicht klappen zwischen uns.“ Sagt sie sich.
„Ich bin nicht verliebt in ihn.“ Sagt sie sich.
„Ich mag ihn. Als guten Freund. Als besten Freund.“ Sagt sie sich.

„Ich liebe dich.“
Sagt er ihr.

Von Namen und von &

 

Feeling Scotland

Wir wagen es nicht einmal mehr, uns beim richtigen Namen zu nennen.

Du bist P. und ich bin M. Du bist Er und ich bin Sie. Du bist mein Fehler und ich bin deine Verdammnis. Du bist Vermissen und ich bin Sehnsucht. Du bist Enttäuschung und ich bin Enttäuschung.

Ich glaube, es noch zu wissen. Und du glaubst, es noch zu wissen.
Wie es damals war. Als wir M&P waren. Ohne Leerzeichen, weil nichts zwischen uns stehen durfte. Außer dieses &. Fein geschwungen. In Baumstämme so schwer zu ritzen.
Dabei war dieses & das einzige, was uns überhaupt zusammenhielt. Und zwischendurch unsere Finger. Sie verschränkten sich so schön ineinander. Das musste doch ein Zeichen sein. Dachten wir. Damals.

Heute wagen wir es nicht einmal mehr, uns beim richtigen Namen zu nennen.

Vom Mauern bauen

Hinter der Decke

Vermissen ist ein hässliches Gefühl. Und niemals würde ich zugeben, dass ich jemals etwas vermissen würde. Vor allem nicht ihn. Und ihm würde ich das sowieso überhaupt nie erzählen. Ich bin groß und stark und ich war schon immer die Große und Starke gewesen. Das musste ich doch auch sein. Hatte ich zumindest gedacht.
Es war doch sowieso abzusehen gewesen, dass es nicht gut enden würde mit uns beiden.

Vermissen ist ein hässliches Gefühl. Vor allem wenn es einseitig ist.
Ich hatte immer gehofft, dass er dieses hässliche Gefühl nur vor mir zu verstecken versuchte. So wie ich das immer tat. Ich hatte immer versucht alles hässliche vor ihm zu verstecken. Was vielleicht ein Fehler war.
Jetzt ist es natürlich zu spät. Jetzt wusste ich, dass er nur mit schönen Dingen umgehen konnte. Und mein Innerstes war kein sonderlich schöner Anblick. Vor allem nicht, wenn man noch nie mit hässlichen Tatsachen hatte umgehen müssen.

3 Wochen, sind eine Menge Zeit. Das sind 21 Tage. Das sind über 500 Stunden. Genug Zeit, um mir ein Schutzschild errichten zu können, damit niemals mehr jemand mein Innerstes sehen musste.
Und mit einem einzigen Satz riss er die ganze Mauer ein, die ich mir während der letzten drei Wochen so mühevoll errichtet hatte.
„Du vermisst mich noch immer.“

Woher bitteschön wusste er das?
Woher verdammt noch mal wusste er, dass ich ihn überhaupt jemals vermisst hatte?

Am Abgrund der Panik

Kurz vor dem Abgrund

Sie hatte mir erst als wir vom Freibad zurückgekommen waren und sich ihre Haut schon überall schälte, von ihrer Chlor-Allergie erzählt.
Wir waren wandern gegangen, trotz ihrer Knieverletzung, von der ich nichts gewusst hatte.
Sie hatte mir eine Nusstorte gebacken, obwohl ihr von Nüssen schlecht wurde.

Sie hatte mir erst von ihrer Höhenangst erzählt, als wir im Riesenrad saßen und am höchsten Punkt anhielten.
Sie war mit mir auf Bäume geklettert, vom 10 Meter Brett gesprungen, über Hängebrücken gegangen.

Sie war die ganze Zeit am Abgrund der Panik entlangbalanciert, lebensmüde, ohne dass ich je davon erfahren hatte.
Sie hatte alles für mich geopfert, sie hätte alles für mich getan.
Und ich bin trotzdem gegangen.
Ich Arschloch.