Drunter und drüber

Sonnenaufgang

Das Leben ist ein Durcheinander.
Aus Zwischenstand wird Endergebnis und am Schluss wird alles revidiert und umgedreht.
Das schlechte Gewissen der Geheimniskrämer überwiegt und aus Notlügen werden Notwahrheiten.
Jeder Funke verglüht, doch wenn der Funke überspringt setzen wir die ganze Welt in Flammen.
Über Berggipfeln erscheinen die ersten Sonnenstrahlen, nur um Sekunden später vom Nebelmeer verschluckt zu werden.
Aus dem Sonnenaufgang wird ein Sonnenuntergang. Oder gar ein Weltuntergang.

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Bunter Rauch

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Die Wolken färbten sich rot und orange und gelb, blau und grün.
Nebel stieg auf und bunter Rauch, der sich mit den Wolken vermischte.
Und die Lichter jagten über den Himmel.
Schossen scheinbar zielstrebig auf ihre Plätze zu, um dort in tausende Sterne zu explodieren.

Es hätte schön sein können, dieses Feuerwerk in der Kälte der Nacht.
Hätten wir nicht gewusst, was all das zu bedeuten hatte.

Der Nebel verhüllte den Himmel, verdeckte die Sterne, die uns den Weg weisen sollten.
Und der Rauch kam vom Verbrennen der Trümmer, die mal unsere Welt gewesen waren.

Nebelwände

Nebelwände

Im Nebel verloren.
Die Bäume nur undeutliche Schemen. Düstere Gerippe, die wie schwarze Finger in den Himmel ragen und nach Halt suchen. Doch der Himmel kann keinen Halt bieten, kann überhaupt nichts bieten außer trostlosem Grau.
Dürre Äste greifen in die Nebelwände, von Tropfen behangen.
Unter meinen Füßen einzelne gelbe Blätter, am vermodern.
Niemand war unterwegs. Wer wagte sich bei solch einer Düsternis schon aus der Geborgenheit des Wohnzimmers.
Und hier, mitten in diesem gottverlassenen Nirgendwo, gab es ja nicht einmal Wohnzimmer, die man hätte verlassen oder Menschen, die das hätten tun können.
Ich war allein. Die einzige Menschenseele im Umkreis von mehreren hundert Kilometern. Es hätten aber auch tausende Kilometer sein können. Wo war da noch der Unterschied?
Kein Geräusch war zu hören.
Bis der Schrei eines Eichelhähers die Stille zerriss und mein Herz für einen Moment aussetzen ließ.
Das war es doch, was ich eigentlich wollte. Stille. Einsamkeit.
Vielleicht hätte ich mich darauf vorbereiten sollen, wie einsam diese Einsamkeit sein kann. Vielleicht hätte mir jemand sagen sollen, wie viel Angst man haben kann. Allein im Nebel.

Apfelkuchenluft

Tee

Draußen vor dem Haus kreisen Vögel über das Feld, sammeln sich auf den Bäumen und Stromleitungen für den Flug gen Süden.
Nebel steht über den Wiesen, der Wind pfeift durchs Gras.
Spaziergänger mit dicken Jacken und den Mützen tief ins Gesicht gezogen laufen vorbei, die Backen rot und die Hände tief in die Taschen geschoben.

Ich sitze in der warmen Küche, eine große Kanne Tee vor mir auf dem Tisch.
Der Backofen pustet warme Apfelkuchenluft in den Raum.
Es riecht nach Zimt. Nach bunten Blättern und feuchtem Nebel. Nach Herbst.

Gänsehaut auf dem Herzen

Gänsehaut auf dem Herzen

Dichte Nebelschwaden erhoben sich.
Waberten um Baumspitzen.
Verdeckten Wälder und Berge und Wolken.

Ein einzelner Vogel zieht seine Kreise.
Durch Schichten aus grau.
Grau. Und Grau.
Einsam. Wie ich.
Vielleicht leisteten wir uns auch gegenseitig Gesellschaft.

Um mich herum nur die Bäume.
Die sich hinter dem Nebel versteckten.
Als wollten sie nichts mit mir zu tun haben.

Es war kalt. Sie war richtig so, diese Kälte.
Passte zu diesem seltsamen Gefühl in meinem Herzen.

Ich hatte Gänsehaut auf den Armen.
Ich hatte Gänsehaut auf dem Herzen.

Langsam kroch der Nebel in mein Innerstes.
Breitete sich in mir aus.
Legte sich auf mein Herz,
auf meine Lungen.

Alles wurde ruhiger.
Mein Atem.
Der Atem der Welt.