Neuer alter Mitbewohner

Die Traurigkeit ist wieder bei mir eingezogen, hat sich ein Zuhause gebaut in meinem Brustkorb.
Meine Rippen sind Gitterstäbe am Fenster. Sie zieht die Vorhänge zu.
Die Traurigkeit kennt mich schon. Wohnte bereits bei mir. Bis ich sie hinausbefördert habe. Den Mietvertrag gekündigt oder was auch immer sie als Grund hergenommen hat für ihren Einzug.
Dieses Mal aber stand sie mit größeren Koffern vor der Tür.
„Ich bin gekommen, um zu bleiben.“
Sie wird mich nicht mehr so schnell verlassen.
Können.
Wollen.
Doch sie ist geschrumpft. Kleiner als letztes Mal. Unbedarfter.
Benjamin Button als Gefühl.

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Kein Gebet

Wolkentürme

Ich blute Tränen und weine Blut. Meine Wunden werden mit Salz übergossen, ehe sie zu Asche zerfallen. Dein Mund formt sich zu einem „Oh“, das ich heute noch hören kann, obwohl ich es nie sah. Ich hörte davon. Ich schäle meine Haut von den Lippen. Küsse Brandmale und Statuen, die genauso zu Staub werden, wie jeder Wimpernschlag, der jemals zwischen uns stand. Stattfand. Anstatt zu weinen, beten wir. Anstatt zu beten, leben wir. Ich erinnere mich an Träume, in denen ich verblutete, weil ich so viel weinte. Es waren nie Albträume, denn aus Blut entsteht Leben und Leben bist du.

Teach her how to kill

Staring at the Ocean

In dieser Geschichte muss kein schönes Mädchen vor einem bösen Monster gerettet werden.
In dieser Geschichte braucht man keinen Prinzen.
In dieser Geschichte gibt es kein Happy End.

In dieser Geschichte muss ein böses Mädchen vor einem schönen Monster gerettet werden.
In dieser Geschichte rettet sich das Mädchen selbst.
In dieser Geschichte gibt es ein Bloody End.

 

Weil man nicht jeden Mist mitmachen kann

Blumen benennen

Du wolltest doch schon immer anders sein.

Du und deine Freundinnen, ihr seid gerne gemeinsam nach draußen gegangen, vor allem im Frühling, wenn die Sonne endlich schien und die Blumen endlich blühten. Und das war auch alles, was euch miteinander verband. Während all die Mädchen Blumen pflückten, versuchtest du sie zu bestimmten. Du blättertest in deinem Naturführer, während die anderen Mädchen beide Hände voller Blumensträuße hatten.
In der Schule saßen doch immer alle gelangweilt an ihren Plätzen und hielten heimlich ihre Handys in der Hand, um Snake zu spielen oder viel zu viele, viel zu teure SMS zu schreiben. Schließlich war es cool, das Handyverbot zu ignorieren. Und wer wollte schon beim langweiligen Unterricht zuhören. Auch dir war der Unterricht oft zu langweilig, doch das war dir schon wieder genug Mainstream, also nahmst du den Duden mit und lerntest ihn auswendig. Die anderen hielten ihre Handys unter den Tisch, du hieltst den Duden.
Auf dem Weg zur Party, im vollen Auto, wenn ihr gemeinsam schon bei D. zuhause eine Flasche Wein geleert hattet und dir das genug Zusammengehörigkeit war, dann pfiffst du die Titelmelodie von „Game of Thrones“, während alle anderen versuchten zu David Guetta mitzugröhlen. Ich frage mich heute noch, wie du das schaffst – eine Melodie zu behalten, wenn um dich herum andere Musik tönt, lauter als das Trommelfell es eigentlich auszuhalten vermochte.
Und auch jetzt noch, wenn alle ihre Häuser bauen, ihre Familien gründen, ihr Leben in den Griff kriegen, jetzt unterbrichst du die Unterhaltungen, die dir viel zu erwachsen werden, legst eine leere Flasche Wein auf den Tisch und willst wissen „Tat oder Wahrheit?“.

Und weißt du, was ich mehr liebe als all deine Einzigartigkeit?
Deine Antwort, wann immer dich jemand fragt, warum du so anders bist als alle anderen; warum du mit aller Gewalt, die in deinem kleinen Körper steckt, gegen die Normalität ankämpfst.

„Man kann doch nicht jeden Mist mitmachen!“

 

Von Namen und von &

 

Feeling Scotland

Wir wagen es nicht einmal mehr, uns beim richtigen Namen zu nennen.

Du bist P. und ich bin M. Du bist Er und ich bin Sie. Du bist mein Fehler und ich bin deine Verdammnis. Du bist Vermissen und ich bin Sehnsucht. Du bist Enttäuschung und ich bin Enttäuschung.

Ich glaube, es noch zu wissen. Und du glaubst, es noch zu wissen.
Wie es damals war. Als wir M&P waren. Ohne Leerzeichen, weil nichts zwischen uns stehen durfte. Außer dieses &. Fein geschwungen. In Baumstämme so schwer zu ritzen.
Dabei war dieses & das einzige, was uns überhaupt zusammenhielt. Und zwischendurch unsere Finger. Sie verschränkten sich so schön ineinander. Das musste doch ein Zeichen sein. Dachten wir. Damals.

Heute wagen wir es nicht einmal mehr, uns beim richtigen Namen zu nennen.