Anti-Romantik

Wenn ihr Herz sich zu Wort meldet, dreht sie die Musik lauter.
Wenn sie den Sonnenuntergang beobachtet, entschuldigt sie sich beim Tod.
Wenn sie Schmetterlinge im Bauch hat, kauft sie Insektengift.
Wenn Kerzen brennen, trägt sie sie in den Regen.
Wenn sie Rosen bekommt, vergisst sie zu gießen.
Wenn man sie ans Ende der Welt tragen möchte, zeigt sie auf ihre eigenen Beine.

Sie hasst Klischees, Kitsch und Romantik.
Ihn jedoch hasst sie nicht.

Sie kann vielleicht Symptome bekämpfen.
Aber nicht deren Ursache.

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Überraschung

Der Himmel explodierte über uns in Pink und Lila und Orange und Rot. Andere hätten irgendetwas Romantisches getan. Oder irgendetwas Romantisches gesagt. Immerhin war das hier sozusagen ein Date. Doch sie sah mir, nachdem sie den Himmel in all seiner Angeberei bewundert hatte, in die Augen und sagte: „Tut mir leid.“
Ich war ein wenig verwirrt. Sie hatte mir gerade den genialsten Platz für Sonnenuntergänge gezeigt. Sie hatte den genialsten Tag für den genialsten Sonnenuntergang ever ausgesucht. Und jetzt entschuldigte sie sich bei mir.
Sie wusste, dass sie mich mit diesem Satz überrascht hatte. Das war sicherlich ihr Ziel gewesen. Alles an ihr überraschte mich. Sie kannte mehr Fremdwörter als unser Deutschlehrer. Sie machte wochenlang keine Hausaufgaben, um dann in jedem Test trotzdem volle Punktzahl zu erreichen. Sie hatte nie dieses hormongesteuerte Spiel von Flirten und angeblichem Desinteresse mitgespielt. Sie hatte mir schlicht gesagt: „Du machst mich fröhlich und glücklich. Ich hätte gern mehr davon. Wollen wir uns heute Abend treffen? Ich möchte dir etwas zeigen.“
Und jetzt zeigte sie mir den wunderschönsten Sonnenuntergang und entschuldigte sich bei mir.
Eine Antwort gab sie mir keine. Sie legte nur ziemlich vorsichtig ihre Hand in meine.

Hochzeitsprophezeiungen

Rosen

Schon seit 20 Jahren sage ich, dass du ihn heiraten wirst. Und bis gestern hast du das geleugnet. Mich ausgelacht.
Was nicht alles dazwischengekommen war. Zwischen Kindheit und Erwachsensein.
Dabei war das schon im Kindergarten ganz deutlich gewesen, Dort hatte ich zum ersten Mal meine Prophezeiung über eure gemeinsame Zukunft ausgesprochen. Schließlich wart ihr unzertrennlich. Als das Leben nur aus Spielen bestand.
In der Grundschule wart ihr noch befreundet, aber irgendwie nur noch so ein bisschen. Denn ein bisschen peinlich war es euch auch schon. Welches Mädchen spielt denn schon mit Jungs? Ich will gar nicht wissen, was er sich alles von seinen älteren Brüdern hatte anhören müssen. Welcher Junge spielt denn schon mit einem Mädchen?
Wenig später fandest du alle Jungs doof. Wir wechselten auf das Gymnasium, alle zusammen in einer Klasse. Es war nicht zu übersehen, dass euch irgendetwas verband. Und doch fandest du ihn doof. Und er dich auch. Ich stand irgendwo dazwischen. Beschäftigt mit mir selbst und meinen kleinen Problemen. Und mit dem Erwachsenwerden.
Wir waren vielleicht 14 oder 15, als du Jungs plötzlich wieder interessant fandest. Du hattest deinen ersten Freund. Er seine erste Freundin. Ich wusste, dass es nicht halten würde. Weder bei dir, noch bei ihm. Nur du passt zu ihm und nur er passt zu dir. Auch wenn ihr das noch immer nicht hören wolltet.
Für das Abi lernten wir zu dritt. Ich hatte die Hoffnung, euch nun zusammenbringen zu können. Doch es war nur unser running gag: eure Hochzeit.
Denn schließlich gingst du als Aupair nach Rom. Und er studierte in Hamburg. Du zogst nach Köln zum Studieren. Er zog nach Lübeck – der Liebe wegen.
Und dann, 6 Jahre später, war alles aus. Dein Studium. Und du kamst zurück in die Heimat. Seine Liebe. Und er kam zurück in die Heimat. Während ich hier noch immer den DHL-Boten und den Bäcker und jede Straßenkatze beim Namen kannte. Ihr kamt zurück und wir waren wieder zu dritt. Für mich war es noch immer überdeutlich zu sehen, wie sehr ihr zusammengehört. Inzwischen war ich aber alt genug, um zu wissen, dass es nichts half, wenn ich das aussprach. Das musstet ihr selbst tun.
Das tatet ihr auch. Endlich.
Und gestern, da habt ihr euch entschieden, zu heiraten. Ganz aufgeregt hast du mich angerufen, mich gefragt, ob ich Trauzeugin sein wollte. So, wie wir uns das damals, als wir – kurz vor dem Abi – unsere Witze darüber gemacht hatten, ausgemalt hatten. Also fast genau so.
Und ich lächelte nur. Ich hatte es prophezeit.

This is how you fall in love

Brighton xxx

Sie hat dieses Lächeln… Wann immer sie so lächelt, weiß man, dass sie so viel mehr weiß, als jeder andere Mensch. Niemals würde sie das sagen. Sie guckt einfach nur so.
This is how you fall in love.
Puh, ich hasse Kitsch. Dieses eklige, romantische Zeug. Liebeserklärungen. Sonnenuntergängen. Rote Rosen. Und noch mehr als die Sachen selbst, hasse ich Menschen, die darauf stehen.
Einmal hörte ich sie sagen: „Was will ich mit Rosen? Die bringen doch niemandem was! Vor allem nicht, wenn sie schon abgeschnitten sind. Ich verstehe das mit den Rosensträußen einfach nicht. Wenn mir jemand eine Freude machen will, soll er mir Süßigkeiten schenken. Oder ein gutes Buch.“
Hah!
This is how you win her.
Ein anderes Mal sagte sie: „Als wären Frauen Ware. Oder eine Trophäe. Wenn ich das schon höre: Meine. Oder noch schlimmer: Meine Eroberung.“
This is how you loose her.
Also verliere ich mich lieber selbst darin, sie anzusehen. Ihr zuzuhören, wann immer sie nah genug an mir vorbeigeht, dass ich sie hören kann. Manchmal lächele ich sie an. Dann lächelt sie zurück. Immer. Und immer mit diesem wissenden Blick. Als wüsste sie genau, wie gern ich sie lächeln sehe.

A true Queen needs no King

Alnwick Castle

Wir verschwenden viel zu viel Zeit damit, uns gegenseitig zu überbieten.
Gestern liebte ich dich, heute fordere ich dich heraus. Weil ich mich nicht kleinmachen darf und weil du mich nicht kleinreden darfst. Hast du nie getan. Aber die Gefahr besteht.
Also baue ich mir mein Schloss selbst und setze dich vor die Tür. Also vor das Tor. Und versperre mich hinter den Mauern. Weil ich selbst groß genug bin um das alles allein zu schaffen. Behaupte ich zumindest. Und scheitere fulminant daran.
Ich kann mir meine Türen selbst öffnen, dazu brauche ich keinen Mann. Stimmt. Doch manche Türen bleiben dann für immer verschlossen.
Ich brauche keine roten Rosen jeden Tag oder Frühstück im Bett. Ich brauche auch keine romantischen Sonnenuntergänge. Dennoch dreht die Erde sich weiter und die Sonne geht jeden Abend erneut unter.

Vielleicht sollten wir also doch all den Hass einfach vergessen.
Und uns gegenseitig schätzen.
Und jeder darf für sich selbst groß werden. Und jeder hilft dem Anderen trotzdem.
Egal in welche Richtung man wächst.
Egal ob gerade oder schief oder verkehrt herum.

Und auch wenn ich dich vielleicht nicht brauche – ich möchte dich an meiner Seite.
Denn gemeinsam sind wir doch am stärksten.

Liebeserklärung an F. – Teil IV

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Ich möchte in deinem Arm liegen.
Ich möchte bei dir sein.
Denn du gibst mir Halt in dieser haltlosen Welt, wie ein Rettungsboot mitten im stürmischen Ozean.
Ich möchte mich verkriechen, irgendwo zwischen deiner Schulter und deinem Hals, in dieser knochigen Stelle, die so warm ist und sicher.
Ich möchte abends neben dir einschlafen.
Und nachts aufwachen, nur um dir beim Schlafen zuzusehen und nochmal neben dir einschlafen zu können.
Ich möchte dich beschützen. Die düsteren Gedanken aus deinem Kopf verjagen.
Und ich möchte, dass du mich beschützt.
Ich möchte nicht mehr all diese Monster sehen und fühlen. Und nur du kannst sie verjagen.
Ich möchte nur bei dir weinen, denn du küsst mir die Tränen von den Augen und nimmst mich in den Arm und hältst mich fest.
Ich möchte, dass du mich auf die Nase küsst und ich möchte dein Lachen sehen, wenn ich deswegen mein Gesicht verziehe.
Ich möchte deine Hand halten, ununterbrochen, auch wenn der Ring, den du nie ablegst, im Winter so fürchterlich kalt wird.
Ich möchte dich nie wieder loslassen, weil ich doch immer Angst habe, dass du irgendwann nicht mehr zurückkommst.
Ich möchte in deinem Arm liegen.
Ich möchte bei dir sein.
Immer.

Teil I
Teil II
Teil III

Liebeserklärung an F. – Teil III

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Jeden weiteren Tag meines Lebens möchte ich mit dir verbringen.
Die ganze Welt bereisen, großartige Abenteuer erleben, von denen wir noch unseren Kindern und Enkelkindern erzählen werden.
Jeden Ort, den ich sehen will, jede Herausforderung, die ich annehmen will, möchte ich nur mit dir erleben.

Denn sobald du nicht da bist, fehlt etwas unsagbar Wichtiges.
Als wäre man nackt und verletzlich.
Als würde die Luft plötzlich dünner.
Als könnte man die Schönheit der Welt nur in schwarz/weiß sehen.
Als würde der bedeutendste Teil fehlen.

Lass mich bitte nicht allein.

Teil I
Teil II