Hier glaube ich an Wölfe

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Die Sonne ist bereits mittags zu nah am Horizont. Aber gegen die Bäume hier hat sie sowieso keine Chance. Die perfekte Ort, um Pläne zu schmieden. Der perfekte Tag, um Chaos anzurichten.
Ein wenig vermisse ich dich gerade. Wie du es nicht Chaos nennst. Sondern Ein Versuch, die Ordnung zu ändern. Mir ist Chaos lieber. Ordnung gibt es viel zu viel. Selbst in den Wäldern. Wo die Bäume in Reih‘ und Glied aufgestellt sind. Wie Soldaten.
Nur hier im Wolfswald ist das anders. Ich glaube nicht, dass es hier Wölfe gibt. Aber allein die Gerüchte darum halten all diese feigen Menschen fern. Nur dich nicht.
Ich schiebe den Gedanken zur Seite und laufe weiter. Die Rauchbomben sind bereits platziert, das Warnfeuer vorbereitet. Jetzt muss ich nur noch zurück zu dir gehen. Durch den Wald bei Dämmerung. Ich fürchte mich nicht vor der Nacht. Ich fürchte mich nicht vor dem Wald. Aber vor der Dämmerung fürchte ich mich. Und vielleicht doch auch ein wenig davor, was hier sonst noch sein könnte. Auch wenn ich es dir nicht glauben wollte. Ich wollte unerschrocken sein. Niemals vor dir zugeben, dass ich mich einschüchtern lasse von irgendetwas.
Ein Knacken hinter mir. Und ich muss daran denken, wie ich dich ausgelacht habe. „Das sind nur Gerüchte“, habe ich gesagt.
Ein leises Knurren rechts von mir. Und ich muss daran denken, wie du dich besorgt im Wald umgesehen hast. „Hier glaube ich an Wölfe“, hast du gesagt.
Dann sehe ich sie überall und hoffe, dass du mir so wenig geglaubt hast wie ich dir.

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