1. Date

fear.

Was ich antworte, wenn du mir sagst, dass du mich gerne wiedersehen möchtest:

„Du musst wissen, mit mir (oder genauer gesagt: mit meinem Kopf) stimmt etwas nicht. Es gibt vernünftige Tage, an denen kann ich fröhlich sein. Oder wütend oder traurig. In normalen Ausmaßen. Wie heute. Ich kann lächeln und lachen und nachdenklich sein.
Und dann gibt es Tage, an denen ich nicht aufstehen kann. Die Sinnlosigkeit meines Lebens fesselt mich in mein Bett, ich bin wach und will nur schlafen.
Es gibt Tage, die ich weinend verbringe. An denen ich nicht nur nah am Wasser gebaut bin, sondern mitten im Wasser stehe. An denen eine normale Frage, was ich trinken möchte, eine Sinnkrise (und noch mehr Tränen) hervorruft, weil ich doch nicht weiß, was ich überhaupt jemals möchte. Außer für immer zu schlafen. Und ausgerechnet dann hält mich mein Kopf die ganze Nacht wach.
Es gibt Tage, da presst sich das Gewicht der ganzen Welt auf meine Brust bis ich das Gefühl habe zu ersticken. Doch ich tue es nicht. Stattdessen wird jeder Atemzug zur Qual und niemand kann mir helfen.
Du wirst versuchen wollen mir zu helfen, doch du kannst es nicht. Und mit jedem Satz, den du sagst, werde ich mich noch unverstandener und noch hilfloser fühlen.
Und sag jetzt nicht, das ist dir egal. Weil es dir nicht egal sein wird. Falls ich dir irgendetwas bedeute. Du wirst mit mir leiden und ich werde mich deswegen noch schrecklicher fühlen. Und das alles kann und wird unser Ruin sein.

Das also sollte dir klar sein, wen du sagst, dass du mich wiedersehen möchtest.“

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Es wackelt und dreht sich

Geschwindigkeit

Heute fühle ich mich wackelig, als könnte ich nicht aufrecht stehen. Ich meine, die Erde dreht sich mit einer Geschwindigkeit von über 1.000 km/h um sich selbst. Und da soll einem nicht gelegentlich schwindlig werden? Wobei, eigentlich fühle ich mich wackelig, weil das Gewicht der ganzen Erde auf meine Schultern drückt. So also muss es Atlas ergehen. Atlas ist auch der Name des ersten Halswirbels. Als könnte man das Gewicht der Welt mit dem Gewicht des Kopfes gleichsetzen. Nun ja, mit dem Gewicht der Gedanken allemal. Denn die drücken mich heute zu Boden, dort unten wo schon wieder der Staub alles bedeckt, weil Ordnung ein Fremdwort ist, das ich nicht kenne. Dabei ist mein Wortschatz größer als der eines durchschnittlichen Menschen. Behaupte ich zumindest. Ich und meine Kollegen, die behaupten, dass ich ihr persönlicher, wandelnder Duden bin. Dabei habe ich nur herausgefunden, dass der Online-Duden verdammt schnell zu befragen geht. Aber immerhin hat es auch etwas mit Intelligenz zu tun, wenn man schnell genug am richtigen Ort sucht. Suchen kann ich sowieso sehr gut. Zum Einen liegt das an diesem Fremdwort „Ordnung“. Zum Anderen suche ich schon seit mindestens 108,4 Millionen Kilometern nach dem Sinn meines Tuns. Das nennt sich dann wohl Übung. Und so übe ich mich weiter im aufrecht Stehen.

Tag X

Life for a cause

Heute ist Tag X.
Heute ist mein Buch öffentlich. Und verfügbar.

Es war ein verdammt langer und ein verdammt harter Weg. Immer wieder gab es Momente, in denen ich alles hinwerfen wollte. Den Traum vom eigenen Buch endgültig begraben.
Doch es war einfach nicht möglich, nicht zu schreiben. Also musste ich mich den Kämpfen stellen, gegen den Kreativitätsmangel, den Zeitmangel, den Wortmangel.
Und ich habe sie alle gewonnen.

Wenn ihr wissen wollt, wie mein Triumph aussieht, mein Buch findet ihr:
auf amazon
bei BOD
bei bücher.de
– ungefähr überall, wo man Bücher kaufen kann
– natürlich auch im Buchhandel eures Vertrauens (da müsst ihr das Buch allerdings vorbestellen. Aber das ist es wert, unterstützt die lokalen Buchhändler!)

Wenn es nichts mehr zu retten gibt

ThamesLink

Das Gespräch war von Beginn an zum Scheitern verurteilt.
Sie sitzt mir gegenüber, die Schultern hochgezogen, die Arme so fest verschränkt, dass ich fürchte, sie würde ihren eigenen Brustkorb sprengen.
Die letzten acht Minuten hatte sie so dagesessen. Genau so lange schon starrt sie mich böse an. Genau so lange versuche ich mich zu erklären.
„Was genau soll das eigentlich werden?“, fragt sie mich schließlich, als ich eine zwölfsekundige Pause machte, um nach passenden Worten zu suchen, die ich sowieso nicht finden werde.
„Eine Erklärung“, antworte ich wenig geistreich.
Sie schnaubt. „Eine Erklärung. Glaubst du nicht, eine Entschuldigung wäre eher angebracht?“
„Ja, schon…“, gebe ich zu. Darüber hatte ich sehr lange nachgedacht. Eine Entschuldigung wäre eher angebracht. Doch ich hatte beschlossen, mich nicht zu entschuldigen. Weil… „Aber ich glaube, eine Entschuldigung hilft uns hier auch nicht weiter.“ Ich versuche mich an einem Lächeln und verfluche mich für diese Ehrlichkeit. Natürlich schulde ich ihr nicht nur eine Entschuldigung, sondern auch dringend Ehrlichkeit. Aber vielleicht hätte es mehr geholfen, wenn ich vor neun Tagen ehrlich zu ihr gewesen wäre.
Wieder schnaubt sie. So verächtlich. Und ihr Blick. Medusa könnte viel von ihr lernen. „Und was, bitteschön, hilft uns hier noch weiter?“
Eilig will ich meine Erklärung weiterführen, versuche mich an meine schön zurechtgelegten Worte zu erinnern. Verhaspele mich bereits nach fünf Wörtern. Nach viereinhalb gestotterten, völlig sinnfreien Erklärungsversuchen unterbricht sie mich. Ihre Arme zerquetschen noch immer ihren Brustkorb. „Wem willst du hier eigentlich etwas vormachen?“
Hilflos zucke ich mit den Schultern. „In erster Linie mir selbst.“

Freund.

Ein ganzer Mond voller Rosen

Es gibt Freunde. Und es gibt Freunde. Und dann gibt es diesen Freund.

„Oh doch, es kann Freundschaften zwischen Männern und Frauen geben!“
Sagt sie sich. Und ruft es jedes Mal, wenn jemand das Gegenteil behauptet.
Sie besteht darauf. Alles Andere streitet sie ab. Schließlich hat sie diese wunderbare Freundschaft mit diesem wunderbaren Mann.
Er ist 2 Jahre jünger als sie. Das könnte gar nicht funktionieren. Sagte sie sich. Und allen Anderen. Sie, die doch nie etwas auf Geschlechterklischees gibt, nennt das als Grund. Der einzige, der wohl alle Freunde und Bekannten überzeugen kann. Vermutet sie. Denn den wahren Grund kann sie nicht nennen. Sie kann ihn ja nicht mal beschreiben.
Da ist irgendetwas zwischen ihnen, eine selbstverständliche Intimität, ein Verständnis, das es doch in einer Beziehung nicht geben kann. Sagt sie sich. Schließlich spricht sie aus Erfahrung. Aus schlechter Erfahrung.
Er hat sie verweint gesehen. Er hat sie wütend gesehen. Er hat sie schweigend gesehen. Er hat sie in jedem Gefühl und in jedem Zustand gesehen. Betrunken. Verzweifelt. Ausgelassen. Kindisch. Verliebt. Leichtsinnig. Schreiend.
Niemand würde sich in so einen Menschen verlieben. Sagt sie sich.

„Das würde nicht klappen zwischen uns.“ Sagt sie sich.
„Ich bin nicht verliebt in ihn.“ Sagt sie sich.
„Ich mag ihn. Als guten Freund. Als besten Freund.“ Sagt sie sich.

„Ich liebe dich.“
Sagt er ihr.

Nie verschickte Postkarte #4

Postkarte #4

Liebe M.,

es tat so gut, dir endlich die Wahrheit zu sagen. Ich bin nicht immer gut darin. In diesem Fall war ich sogar katastrophal schlecht darin. Doch ich habe es gesagt und du weißt Bescheid und irgendwie hat sich nichts zwischen uns geändert und irgendwie doch alles.
Mit dir teile ich mehr Vergangenheit als mit nahezu jedem anderen Menschen auf dieser Erde. Ich könnte meinen, du kennst mich besser als jeder andere Mensch auf dieser Erde. Doch vergiss bitte nicht, dass ich mich geändert habe. Du teilst meine Vergangenheit und irgendwie auch meine Gegenwart. Aber nicht alles dazwischen.
Du kennst jetzt die Wahrheit und die sagt alles aus und doch nichts.
Bitte hab Verständnis.

Danke.
Auch das musste mal gesagt werden.

Deine Felicitas