Ribcage Home

You ask me
where my home is
and I ask you
if you mean
who my home is.

And you ask me
why I always
build homes
in other people’s
butterfly ribcages

instead of in my own
as if my ribs
and my bones
can’t hold anything
but self-doubt.

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Anti-Romantik

Wenn ihr Herz sich zu Wort meldet, dreht sie die Musik lauter.
Wenn sie den Sonnenuntergang beobachtet, entschuldigt sie sich beim Tod.
Wenn sie Schmetterlinge im Bauch hat, kauft sie Insektengift.
Wenn Kerzen brennen, trägt sie sie in den Regen.
Wenn sie Rosen bekommt, vergisst sie zu gießen.
Wenn man sie ans Ende der Welt tragen möchte, zeigt sie auf ihre eigenen Beine.

Sie hasst Klischees, Kitsch und Romantik.
Ihn jedoch hasst sie nicht.

Sie kann vielleicht Symptome bekämpfen.
Aber nicht deren Ursache.

dramatische Tragödien

Sie wusste nicht, ob sie lachen sollte. Oder durfte. »Ist das dein Ernst? Du hast drei Semester Germanistik studiert und weißt immer noch nicht, was der Unterschied ist zwischen Drama und Epik?«
Er grinste sie an und sie bekam das dumme Gefühl, dass er ihr nur etwas vormachte. »Nun ja, ich bin gerade dabei, durchzufallen … Und du erklärst besser als diese dummen Bücher.« Er deutete auf das Buch, das vor ihnen lag. Immerhin hatte er die Stellen, in denen es um Lyrik, Epik und Dramatik ging, markiert. Falls das also nur ein dummer Vorwand war, um sie zu ärgern (oder was auch immer), hatte er sich wenigstens Mühe gegeben. Also gab auch sie sich Mühe und begann ihre Erklärung. Doch als sie zur Dramatik kam, unterbrach er sie: »Das ergibt doch keinen Sinn! Ich dachte, Dramatik hat etwas mit Herzschmerz und Trauer und jeder Menge Gefühlen zu tun?«
»Du verbringst zu viel Zeit vor dem Fernseher«, sagte sie entschieden. »Was du meinst, ist eine Tragödie. Das Gegenteil von einer Komödie.«
Er sah sie so überrascht an, dass sie ein bisschen Mitleid bekam mit ihm. Aber von Mitleid hielt sie nicht viel. Viel wichtiger war Ehrlichkeit. Also fragte sie, ganz ohne Ironie: »Und du hoffst ernsthaft noch, ich könnte dir dein Studium retten?«
»Ein wenig«, gab er zu. Er zögerte kurz und ergänzte schließlich mit einem seltsamen Unterton: »Ich hoffe viel ein wenig.«
Er lächelte sie so entwaffnend an, dass sie ein schlechtes Gewissen bekam. Trotzdem musste sie antworten. Und zwar ehrlich. Denn sie wusste genau, worauf er anspielte. Auf sie. Sie rückte ein Stück von ihm ab und sagte traurig: »Dann lass dir gesagt sein, dass das in einer dramatischen Tragödie enden wird.«

Was süß ist

Ich habe immer auf Anerkennung gehofft,
als wären es die Süßigkeiten
ganz oben im Regal
außer Reichweite.

Als du dann auftauchtest,
mit der Selbstverständlichkeit
von 3 Jahrzehnten,
gab es Schokolade
und Pralinen
und Sirup.

Ich musste feststellen,
dass mein Magen
daran nicht gewöhnt war.
Ich musste feststellen,
dass mein Herz
daran nicht gewöhnt war.

Ich versuche immer noch,
das alles zu behalten
und so zu tun,
als hätte ich das verdient
und als wüsste ich,
wie man damit umgeht.

Messerwerfer

»Dein größter Vorteil ist deine Größe.« Er deutete vielsagend auf sie, winzig wie sie war.
Sie konnte jedoch nur die Augen verdrehen. »Haha. Ich wusste nicht, dass es bei Kneipenschlägereien von Vorteil ist, dass man als Kindergartenkind durchgehen könnte.«
»Nenne es nicht Kneipenschlägerei«, wies er sie zurecht. »Und nenne dich nicht Kindergartenkind.«
Wieder verdrehte sie die Augen. »Und wie würdest du es dann nennen?«
Er grinste. »Rache. Und meine beste Waffe.«
Ohne ihren Blick von ihm abzuwenden, griff sie nach ihrem Kaffee und trank einen großen Schluck. Sie gehörte zu den Menschen, die auch abends noch Kaffee tranken, als hätten sie das Prinzip Koffein nicht verstanden. Wobei, sie hatte das Prinzip sehr gut verstanden, immerhin hatte sie heute Nacht noch viel vor.
»Dein Vorteil ist, dass sie dich – wie immer – unterschätzen.« Wieder das Grinsen. »Sie glauben, du wirfst nichts, außer Schatten.«
Unwillkürlich griff sie nach einem ihrer Messer, das neben ihr auf dem Tisch lag. Jetzt musste auch sie grinsen.