Dächer

Dächer

Das war nichts, was man jeden Tag machte. Und doch hatte sie nicht mit der Wimper gezuckt, als ich ihr davon erzählte. Sie wusste, worum es ging. Ich musste nicht beginnen aufzuzählen, was alles auf dem Spiel stand. Ich musste keine Reden halten über die Zukunft. Ich musste sie nicht überreden. Sie war kein Mensch der Worte. Sie war ein Mensch der Taten. Der großen.
Wir quetschten uns durch ein winziges Fenster und balancierten über die heißen Dachziegel bis hin zum nächsten Schornstein. In dessen Schatten versteckten wir uns vor der Sonne und vor unerwünschten Blicken. Unter uns lag die Stadt, die trotz der Hitze vor Menschen wimmelte. Es stank nach dem Fluss, der zu wenig Wasser führte und zu viel Dreck. Vor uns breitete sich ein Labyrinth aus Dächern aus, verschachtelt, ineinander gesteckt, übereinander gebaut, verwinkelt, verworren. Steil.
Zwei Tauben flogen über uns. Die Luft flirrte.
Ihr Blick über die Dächer sah beiläufig aus, doch ich wusste, dass sie gerade einen Weg fand, zwischen Schornsteinen und Dachfenstern hindurch, über Giebel und Firste und Regenrinnen.
„Bei Nacht wird es schwieriger zu erkennen, wo Ziegel fehlen, wo ein Vorsprung endet, wo der Abgrund wartet.“ Ich versuchte sachlich zu klingen. Ich wollte sie nicht ohne Warnung in die Gefahr schicken.
„Bei Nacht wird es schwieriger, mich zu erkennen“, antwortete sie ruhig.

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Leseprobe III

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Evanna Athos und die Zeiten der Macht ist nun seit ziemlich genau einem halben Jahr auf dem Markt. Erschreckend, wie die Zeit vergeht!
Für alle, die das Buch noch immer nicht gelesen haben (jetzt ist der Zeitpunkt, an dem das schlechte Gewissen an euch nagen sollte), möchte ich in den nächsten Wochen die ein oder andere Leseprobe veröffentlichen, um euch ordentlich neugierig zu machen.
Hier geht’s zur ersten Leseprobe und hier zur zweiten. Evannas Vater verschwindet spurlos. Eigentlich ist das Grund genug, um sich völlig aus der Bahn geworfen zu fühlen. Doch dann passiert das nächste Ereignis, dass sich Evanna nicht erklären kann…

Evanna hing ihren Gedanken nach. Früher war sie immer mit ihrem Papa hier im Garten gestanden, um Vogelfutter hinauszubringen. Trotz der Kälte hatten sie die Vögel ewig beobachtet. In dieser Zeit hatte sie am meisten mit ihm geredet. Er hatte ihr beigebracht, die Vogelarten zu unterscheiden. Und sie hatte ihm von der Schule oder von Büchern erzählt. Den einzigen beiden Themen, bei denen sie mehr vorzuweisen hatte als ihre kleine Schwester Aurora.
Ein Seufzer entfuhr ihr und bildete Wolken vor ihrem Mund. Wie sehr sie es vermisste, jemanden zum Reden zu haben.
Ihr Blick fiel auf den kleinen, halb eingeschneiten Zwerg. Er war zwar keine gute Unterhaltung, aber immerhin ein bisschen Gesellschaft. Vorsichtig wischte sie ihm die Schneehaube vom Kopf. »Damit dir dein Kopf nicht einfriert«, sagte sie mit einem wehmütigen Lächeln. So sehr ihr Vater die Figuren auch gehasst hatte, er hatte es trotzdem nicht übers Herz gebracht, sie einfach wegzuwerfen.
Plötzliche durchlief sie ein warmer Schauer. Ihre Hand, die sie auf den Gartenzwerg gelegt hatte, fühlte sich trotz des kalten Schnees auf einmal ganz heiß an. Sie spürte ein leichtes Kribbeln in den Fingern.
Erst noch dachte sie, dass sie sich getäuscht hatte, weil der Schnee einfach so kalt war.
Doch ihre Hand schien zu glühen.
»Wie ich es schon einmal bei Nathanael gesehen habe«, schoss es ihr sofort durch den Kopf.
Außerdem ging ein glitzernder Schein von ihrer Haut aus. Erschrocken zog sie ihre Finger von dem Gartenzwerg weg und schüttelte sie. Es fühlte sich an, als hätte sie ihre Hand ins Feuer gelegt. Nur hatte es nicht wehgetan. Im Gegenteil, das Kribbeln war sogar fast angenehm gewesen. Doch so schnell wie es gekommen war, verschwand das Gefühl auch wieder.
Evanna sah ihre Hand genauer an. Sie wirkte wieder ganz normal. Nichts tat weh, nichts glühte mehr. Sie war nur ungewöhnlich warm. Es war ein wenig so, wie wenn ihre Hände oder Zehen im Winter fürchterlich kalt waren und dann auf einen Schlag wieder richtig warm wurden. Doch dabei hatte ihre Haut noch nie so seltsam geschimmert.
Sie drehte ihre Hand noch einmal um, konnte aber einfach nichts Außergewöhnliches erkennen.
Da bemerkte sie eine Bewegung neben sich auf der Bank. Sie wandte den Blick von ihrer Hand ab und sah nach rechts: Der Zwerg hatte seinen Kopf gehoben und schaute sie an!
Schnell schloss sie die Augen. Halluzinierte sie etwa? Langsam zählte sie bis drei. Dann öffnete sie ihre Augen wieder.
Aber sie hatte sich nicht getäuscht. Der Zwerg sah sie tatsächlich mit seinen kleinen, schwarzen Augen an. Und da! Jetzt schüttelte er sich den restlichen Schnee von seiner grünen Hose und dem roten Oberteil.
»Puh ist das kalt!«, schimpfte er mit tiefer, näselnder Stimme. »Seit Wochen liegt schon dieser eiskalte Schnee auf mir herum! Fürchterlich!«
Er wandte seinen Kopf zu Evanna, die ihn noch immer ungläubig anstarrte. Sein Blick wurde ein wenig freundlicher: »Jetzt schau doch nicht so! Das sollte kein Vorwurf sein! Mir gefällt die Aussicht hier doch echt gut. Aber dieser Schnee… Dafür hab ich auch einfach nicht die passenden Klamotten an.« Er deutete auf die verblassten Flecken seiner Hose. »Ich geh jetzt besser irgendwo hin, wo nicht ganz so viel von diesem kalten Zeug liegt.« Prüfend sah er sich in dem verschneiten Garten um. »Vielleicht unter die Hecke dort…« Er zeigt auf das blattlose Gestrüpp, das im Sommer eine herrliche grüne Hecke war. »Du hast doch nichts dagegen, oder?«
Evanna starrte den Zwerg mit offenem Mund an.
»Das seh‘ ich jetzt einfach mal als ja…«, meinte der frech und hüpfte von der Bank. Das erschreckte die beiden Spatzen, die in der Zwischenzeit wieder zum Vogelhäuschen gekommen waren, so sehr, dass sie aufgeregt davonflogen.
Dann stapfte der Zwerg durch den Schnee in Richtung besagter Hecke. Oder eigentlich wühlte er mehr, als dass er ging, denn er war so klein, dass er bis zum Hals im kalten Weiß verschwand. Man konnte nur seine Mütze sehen, wie sie langsam zur anderen Seite des Gartens wackelte. Schließlich tauchte auch der Rest des Zwerges wieder auf, als er die Zweige der Hecke erreicht hatte, wo nur noch wenig Schnee lag.
»Oh – und Danke fürs Aufwecken!«, rief er ihr noch über die Schulter hinweg zu, bevor er im Gestrüpp verschwand.

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Snowflakes in June

Nachthimmel

We sat there until the stars came out. First there were only a few. But then the entire sky was blinking and glittering and the moon lit up the world – or at least our tiny part of the world.
I was smelling of suncream and lime icetea and you were tasting like suncream and lime icetea.
Birch leaves came falling down on us, swiftly and softly, like snowflakes in june.
Wind was blowing and I was looking for my jacket, not finding it, but never admitting that I was cold.
Then: my skin lit up as your fingers touched my arm, swiftly and softly, like snowflakes in june.

Die Neue im Dorf

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Tante Helena hatte recht: Es gab keine bessere Gelegenheit, die anderen „jungen Leute“ (wie sie es nannte) im Dorf kennenzulernen, als beim Sommerfest.
Es genügten zwei Stunden, um all die Gleichaltrigen und Fast-Gleichaltrigen kennenzulernen. Sie waren betrunken und rauchten zu viel.
Als die Sonne sich langsam dem Horizont näherte und bereits jetzt schon die ersten Leute ihren Alkohol wieder an die Abendluft beförderten, beschloss ich, dass es mir reichte, und machte mich auf den Weg nach Hause zu Tante Helena. Ich wollte ihr keine Vorwürfe machen, sie kannte mich schließlich kaum. Ein wenig enttäuscht war ich trotzdem.
Plötzlich hörte ich, irgendwo ganz, ganz in der Nähe, jemanden die Titelmelodie zu Game of Thrones pfeifen. Ich blieb stehen und drehte mich um, konnte aber niemanden sehen.
Das Pfeifen hörte auf.
„Hier oben!“, hörte ich eine Mädchenstimme rufen.
Tatsächlich sah ich nun, als ich weiter nach oben blickte, eine Gestalt auf dem Dach eines kleinen Hauses sitzen.
Wenn ich mich nicht täuschte, war das Paula. Mit ihr hatte ich mich ungefähr zehn Sekunden lang über Bücher unterhalten, ehe sie von ihrem Bruder mit zur Bar gezerrt worden war.
„Keine Sorge, die sind nicht immer so“, sagte sie beinahe entschuldigend und ich vermutete, dass sie von ihrem Bruder und den anderen „jungen Leuten“ aus dem Dorf sprach. „Eigentlich nur am Sommerfest.“
Sie schwieg und ich überlegte ob ich etwas antworten sollte oder ob ich weitergehen konnte, ohne unhöflich zu sein. Da fragte sie: „Willst du auch Butterbier?“

Leseprobe II

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Evanna Athos und die Zeiten der Macht ist nun seit ziemlich genau einem halben Jahr auf dem Markt. Erschreckend, wie die Zeit vergeht!
Für alle, die das Buch noch immer nicht gelesen haben (jetzt ist der Zeitpunkt, an dem das schlechte Gewissen an euch nagen sollte), möchte ich in den nächsten Wochen die ein oder andere Leseprobe veröffentlichen, um euch ordentlich neugierig zu machen.
Hier geht’s zur ersten Leseprobe. Nun geht es weiter mit Evanna und der eigentlichen Geschichte…

Es gibt Worte, welche die Welt verändern können.
Im Fall von Evanna Athos begann die Veränderung mit einem Satz ihrer Mutter: »Dein Vater ist noch nicht daheim.«
Es war der 8. Oktober, knapp einen Monat vor ihrem sechzehnten Geburtstag, als Evanna diese verhängnisvollen Worte hörte.
Wie sehr dieser Satz ihre Zukunft beeinflussen sollte, konnte sie zu diesem Zeitpunkt nicht einmal ansatzweise ahnen.
An jenem Oktobertag wurde Evanna zu einem Mädchen ohne Vater.

Als Evanna morgens verschlafen die Treppe hinunterging, hörte sie schon die gedämpfte Stimme ihrer Mutter, Alice Athos. Zuerst dachte sie, ihre Eltern würden sich miteinander unterhalten. Doch in der Küche angekommen sah sie, dass Alice allein war und telefonierte. »… Ich kann es mir nicht erklären. Er ist immer zuverlässig…«
Während Evanna eine Schüssel und Müsli aus den Küchenschränken holte, hörte sie neugierig zu. Der Tonfall ihrer Mutter machte sie nervös. Beim nächsten Satz hielt sie mitten in der Bewegung inne.
»Meinst du, wir sollten zur Polizei?«
Augenblicklich sah Evanna zu ihrer Mutter, die sich gerade nervös die blonden Haare hinter die Ohren schob, obwohl ihr keine einzige Strähne ins Gesicht fiel.
Sofort überlegte Evanna, was das wohl zu bedeuten hatte. Sie starrte ihre Mutter an, bis diese mit einem »Bis gleich!« aufgelegt hatte.
Alice blickte beinahe fragend zu ihrer Tochter während sie die Worte sagte, die Evannas Leben so aus den Angeln heben sollten: »Dein Vater ist noch nicht daheim.«
Wie es meist mit solchen weltbewegenden Sätzen ist, wurde auch diesem zunächst nicht genügend Bedeutung beigemessen.
Im ersten Moment fand Evanna die Besorgnis ihrer Mutter übertrieben. Wegen so etwas gleich zur Polizei gehen…
Aber bevor das Mädchen seine Gedanken aussprechen konnte, erzählte die Mutter besorgt weiter: »Er hat – wie so oft – sein Handy nicht dabei. Und die anderen Männer sind auch noch nicht zu Hause. Ich habe gerade mit Katharina telefoniert.«
Auch das brachte Evanna noch nicht aus der Ruhe. Wie immer versuchte sie logisch zu denken. Leander Athos war ein zuverlässiger und vernünftiger Mann. Er blieb nicht einfach über Nacht weg.
Sie hatte schon genug Krimis gelesen, um zu wissen, dass man zunächst die Tatsachen sortieren sollte.
Am Vorabend war ihr Vater – wie schon hunderte Male zuvor – zum Kartenspielen gegangen. Zusammen mit ein paar anderen Männern aus der Nachbarschaft fuhr er regelmäßig in den nächsten größeren Ort, wo es ein Wirtshaus gab. Erlenberg, das 300-Seelen-Dorf in dem die Familie Athos lebte, konnte nämlich kein solches vorweisen.
Im Nachbarort Tolingen saß Leander Athos dann mit seinen Freunden zusammen, spielte mit ihnen Karten, trank das ein oder andere Bier, und fachsimpelte mit ihnen über scheinbar wichtige Themen wie Politik und Wirtschaft. Seiner Frau und seinen beiden Töchtern versuchte er dann am nächsten Tag stets sein neu erworbenes Wissen weiterzugeben. Das tat er mit einem Ernst, dass es einem schon fast Angst werden konnte.
Vermutlich hatten die Männer gestern alle zu viel getrunken, überlegte Evanna. Deswegen hatten sie die Nacht im Wirtshaus verbracht, das praktischerweise auch ein paar Zimmer vermiete. Da brauchte man doch nicht gleich zur Polizei gehen.
Als hätte ihre Mutter Evannas Gedanken erraten, sagte sie: »Im Goldenen Adler habe ich bereits angerufen. Der Wirt hat mir versichert, Leander und die Anderen hätten sich gegen Mitternacht verabschiedet. Und er war der festen Überzeugung, sie würden nach Hause fahren.«
Obwohl Evanna noch immer nicht glaubte, dass etwas Schlimmeres passiert war, bekam auch sie ein mulmiges Gefühl im Magen. Sie wollte nicht in das Gesicht ihrer Mutter sehen und drehte sich schnell weg, um Cornflakes in ihre Schüssel zu schütten. Ihr Gehirn suchte fieberhaft nach möglichen Erklärungen.
Wohin konnten die Männer nachts gefahren sein? Ihr Vater war zu vernünftig, um mitten in der Nacht noch irgendwelche verrückten Dinge anzustellen. Er war auch zu vernünftig, um zu viel zu trinken.
Ein penetranter Gedanke nistete sich in Evannas Kopf ein. Es gab eine relativ einfache, aber hässliche Erklärung…
Was, wenn ihr Vater einen Unfall gehabt hatte?
Während Evanna noch versuchte, diesen Gedanken beiseite zu schieben, wählte ihre Mutter schon die Nummer der Polizei. Dann verschwand sie hinter der Wohnzimmertür, damit sie ungestört telefonieren konnte. Ihre Stimme drang gedämpft durch die Tür (sie klang fest, als hätte sie die Situation unter Kontrolle), Evanna verstand aber nicht, was sie sagte. Ungeduldig stocherte sie in ihren Cornflakes herum.
Schließlich kam Alice zurück in die Küche.
Sie hatte inzwischen aufgelegt und erklärte ihrer älteren Tochter langsam: »Die Polizei meint, wir sollten uns keine Sorgen machen. Erst nach 24 Stunden könnten sie handeln. In der Zwischenzeit tauchen die meisten Vermissten sowieso wieder auf.« Ihre Stimme klang hoffnungsvoll, doch ein Wort in diesem Satz klang falsch: Vermissten. Als wäre etwas Schreckliches passiert. Dabei war sich Evanna sicher, dass sich das alles sehr schnell aufklären würde.
Ihre Gedanken kreisten immer wieder um die einzige logische Erklärung, doch ihre Hoffnung wollte nichts davon hören.
Alice schien diese Befürchtung zu teilen. Sie ergänzte: »Einen Unfall hat es heute Nacht nicht gegeben. Die Polizei schickt aber einen Streifenwagen los, gezielt zur Strecke zwischen Tolingen und Erlenberg.« Sie versuchte beruhigt zu wirken, als sie sich schon wieder eine blonde Strähne hinter das Ohr schob.
Evanna wusste nicht, ob sie diese Nachricht wirklich erleichtern sollte. Denn was könnte sonst mit ihrem Vater passiert sein?

Die Männer schienen sich einfach in Luft aufgelöst zu haben.
Auch Nachbarn und Bekannte wurden befragt, doch niemandem war etwas Ungewöhnliches aufgefallen.
Die Kreditkarten und Bankkonten wurden geprüft.
»Das ist eine ganz normale Vorgehensweise, um einen Raubüberfall auszuschließen«, erklärte ein älterer Polizist, der sich als Oberkommissar vorgestellt hatte, der Familie Athos. Er strahlte eine angenehme Ruhe aus und wirkte, als könnte ihn nichts erschüttern. Insbesondere nicht das Verschwinden von fünf Männern. Er fügte, fast ein wenig entschuldigend, zu Alice gewandt hinzu: »Und immer wieder passiert es, dass Menschen einfach abhauen.«
Doch weder ihre Kredit- noch die anderen Bankkarten waren benutzt worden. Und es gab keinerlei Hinweise, dass die Männer sonst auf irgendeine Weise gereist waren.
Da blieb selbst dem optimistischen Oberkommissar schließlich nur noch der Verdacht auf Entführung.
Nicht nur Evanna, auch die Polizei schaffte es nicht, eine logische Erklärung dafür zu finden.
Wer entführt einfach so fünf ausgewachsene, kräftige Männer? Ohne auch nur eine einzige Spur zu hinterlassen?
Und vor allem: warum?

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Klassenclown & Klassenpoet

Juni-Gewitter

Das Gewitter rollte herein, sage ich und du sagst, auf Rollschuhen. Du warst schon immer der Klassenclown gewesen und ich war der Klassenpoet. Vielleicht sitzt es auch in einem Rollstuhl, sage ich und versuche auch einmal lustig zu sein. Nein, ein Rollstuhl ist zu schwerfällig für ein Gewitter, sagst du und versucht auch einmal poetisch zu sein. Wir beide sind erbärmlich in unseren Versuchen. Egal ob schwerfällig oder rollend oder nichts von alledem, irgendwann ist das Gewitter da und durchnässt uns und egal wie viele Witze du erzählst und egal wie viele Gedichte ich aufsage, wir fürchten uns beide davor, vom Blitz getroffen zu werden. Doch unsere Jugend scheint kein Drama und keine Tragödie zu sein, wir werden nicht vom Blitz getroffen, sondern nur bis auf die Knochen durchnässt. Unsere Jugend scheint auch keine Romanze zu sein, denn wir tanzen nicht im Regen, sondern zittern nur vor Kälte. Mir fällt erst auf, dass ich das alles laut gesagt habe, als du sagst, dass unsere Jugend auf jeden Fall eine Komödie ist. Zumindest immer im Nachhinein betrachtet. Ich frage mich, ob vielleicht doch ein wenig Poesie oder zumindest Weisheit in dir steckt und will mit etwas Witzigem antworten, doch mir fällt nichts ein. Einer von uns beiden muss ja in seiner Rolle bleiben.