360 Grad

Eigentlich ist es eine dumme Idee, solche Gespräche in der Öffentlichkeit zu führen. Ich hasse es, in der Öffentlichkeit zu weinen. Doch vielleicht ist es gerade deswegen eine gute Idee. Damit ich nicht so viel weine.
Eigentlich ist es eine dumme Idee, so spät noch Kaffee zu trinken. Das Koffein würde mich die halbe Nacht wachhalten. Doch vielleicht ist es gerade deswegen eine gute Idee. Damit ich einen anderen Grund habe, nachts wachzuliegen.
Eigentlich ist es eine dumme Idee, ihr alles zu erzählen. Sie hatte so große Hoffnungen gesteckt in mich und meine Schwester. Doch vielleicht ist es gerade deswegen eine gute Idee. Damit sie sich nicht noch weiter falsche Hoffnungen macht. Und ich mir ebenfalls nicht.
»Was ist denn nun los mit euch?«, fragt sie mich, nachdem wir bestimmt zwanzig Minuten um das Thema, das Grund für unser Treffen ist, herumgeschlichen sind. Sie sitzt auf einen unwirklich weichen Sessel, ich ihr gegenüber auf einer unwirklich weich gepolsterte Bank. Sie hat das restliche Café in ihrem Rücken, ich habe es im Blick. So, wie ich das immer wollte.
»Gar nichts mehr.« Ich hebe die Schultern, eine Geste irgendwo zwischen Entschuldigung und Unschlüssigkeit. »Sie ist nicht mehr der Mensch, den ich als meine Schwester bezeichnen möchte.«
Ich kann den Unglauben und das Unverständnis in ihren Augen sehen. Sie, die mit fünf Geschwistern aufgewachsen ist, die sich alle verstehen, die immer zueinander halten, die sich regelmäßig treffen und sich mehr den Rücken stärken als es in den schlimmsten Bilderbuchgeschichten geschrieben steht.
Ihr Mund öffnet sich. Schließt sich wieder. Sie greift nach ihrer Tasse, versteckt sich dahinter, um nach den richtigen Worten zu suchen. Endlich stellt sie die Tasse mit einem vorsichtigen Klirren zurück. Alles, was sie tut, ist vorsichtig. So vorsichtig sagt sie jetzt auch: »Aber … Seit ihr wieder Kontakt habt … Sie hat sich verändert. Verbessert. Sie hat sich um 180 Grad gedreht.«
»Ja, das hat sie.« Ich nicke langsam. Und dann denke ich an den Zwischenfall von gestern. Allein die Erinnerung an ihre Worte, die mich zerfleischt haben, treiben mir die Tränen in die Augen. »Aber dann hat sie sich nochmal um 180 Grad gedreht. Und jetzt ist sie wieder dort, wo sie am Anfang war.«

[12 von 12]

Dezember legt uns
den Arm um die Schulter,
und Decken so weiß & kalt & leise,
versucht zu beschwichtigen,
versucht zu retten,
was noch zu retten ist.
Gedämpfte Tage und stille Nächte
für Rückblick und Ausblick,
weil das Ende naht
und der Neuanfang auch.

Möwenfreundschaft

Überall im Bett ist Sand. Normalerweise spüre ich Krümel von Keksen zwischen den Laken, weil ich doch immer esse, auch im Bett, insbesondere im Bett. Doch nach einem ganzen Tag am Meer, zwischen Dünen, zwischen Burgen, zwischen Muschelbruchstücken und Treibholz, schüttele ich den Sand aus meinen Haaren, er fällt aus meiner Kleidung wie ein Souvenir, das ich im Hotelbett lasse.
Ich fühle mich wie eine Schildkröte, unter Wasser in meinem Element, unter den Bettlaken im Sand in meinem Element. Nur das Dazwischen, der Strand mit Menschen, dort bin ich nicht Zuhause, dort bin ich fehl am Platz, ich bewege mich nur langsam, zu langsam, alle sehen mich an, glaube ich. Starren, weil ich so langsam bin und unbeholfen.
Aber dann kommst du, wie eine Möwe, schnell und frei und beinahe als würdest du fliegen, und legst deinen Arm um mich, der Sand aus meinen Haaren fällt auf deine Arme. Sie sind salzig, so salzig, dass ich mich wieder fühle wie in meinem Element. Bis ich im Bett ankomme, wo ich den restlichen Sand verliere und du dein Salz, während wir Kekse essen und miteinander reden, nie aufhören zu reden, damit die Stille nicht zu laut wird.

Evanna Athos und die Macht der Worte

Als ich vor über sieben Jahren begonnen habe, mein erstes Buch zu schreiben, hätte ich niemals damit gerechnet, was aus dieser Geschichte werden würde. Nämlich eine Trilogie. Vollständig. Zusammenhängend. Mit Charakteren, die ich nie wieder gehen lassen möchte, obwohl sie mich so oft geärgert haben, weil sie grundsätzlich das getan haben, was sie wollten, nicht das, was ich von ihnen verlangt habe.
Mit einer Welt, die zuerst nur fantasievoll sein sollte, dann aber der wahren Welt immer näher kam.
Mit einigen Hintergedanken und Anspielungen und moralisch erhobenen Zeigefingern, die ich nie einbauen wollte, weil ich das in der Schule immer hasste: »Was will uns der Autor damit sagen?«

Jetzt jedenfalls findet die Geschichte ein Ende. Ob ich mental darauf vorbereitet bin oder nicht.
Seit heute ist Band 3 erhältlich.
Und darum geht es in »Evanna Athos und die Macht der Worte«:

Evanna ist nicht mehr in Angleridge. Sie musste von der Schule fliehen, vor Rektor Severin fliehen. Wie durch ein Wunder hat sie es tatsächlich nach Aletheia geschafft, einem kleinen Dorf, magisch geschützt, in dem all die Menschen leben, die sich gegen Severin stellen. Inklusive Austin. Doch ihre neuen Verbündeten wollen sie nicht mitmachen lassen bei ihren Plänen. Bis sie schließlich erkennen, wie wichtig Evanna ist. Dann erst bemerkt Evanna, wie groß die Gefahr eigentlich ist, in die sie so unbedingt laufen wollte. Und sie merkt, dass Severin nicht die einzige Bedrohung ist …

Wer wissen möchte, wie die Geschichte um Evanna, Austin, Severin und all die Anderen ein Ende findet, kann Band 3 überall dort kaufen (respektive bestellen), wo es Bücher gibt.
Zuallerst natürlich in euren lokalen Buchhandlungen. Fragt einfach danach. Es würde mich glücklich machen.
Und für die Faulen unter euch, hier ein paar Links:
BoD
Thalia
Amazon
bücher.de


* dieser Beitrag enthält Werbung. Wenn ihr mein Buch kauft, erhalte ich logischerweise ein kleines bisschen Marge. Würde mich also freuen, wenn ihr das tut 🙂

Echo

»Sein Herz sollte ich ihm herausreißen. Falls er überhaupt eines besitzt.« Meine Stimme zittert vor Wut. »Und dann würde ich es essen. Roh und blutig.«
Ich weiß, dass ich übertreibe. Dass ich mal wieder alles viel zu dramatisch ausdrücke. Dass ich außerdem zu viel getrunken und in letzter Zeit zu viel Game of Thrones gesehen habe.
Zum Glück sieht sie mich nicht mitleidig an. Aber ermutigend leider auch nicht.
»Sei nicht zu hart«, sagt sie schließlich, als hätte ich nicht einen kaltblütigen Mord vorgeschlagen, sondern lediglich jemandem den Mittelfinger gezeigt. Oder so ähnlich.
Ich schnaube verächtlich. »Zu solchen Menschen kann man nicht zu hart sein.«
»Ich habe auch nicht ihn gemeint. Sondern dich.« Sie reicht mir eine Flasche Wasser, was eine gute Idee ist und sowas wie ein Versöhnungsangebot. »Immerhin habe ich dir das eingebrockt.«
»Nein.« Vehement schüttele ich den Kopf. »Du hast ihn mir vorgestellt. Aber diese Katastrophe habe ich mir selbst eingebrockt. Every action has an echo. Ich war mir dessen nur im Voraus nicht bewusst.« In meinem Kopf hat dieser Satz klug geklungen. Jetzt klingt er abgedroschen. Und vielleicht ein bisschen verzweifelt. Also schiebe ich hinterher: »Ich habe mir die Katastrophe selbst eingebrockt. Und er hat sich die Rache selbst eingebrockt.«

Jedes Ding bei seinem wahren Namen nennen – Teil 3

Vor zwei Jahren – bei Band 1 – schrieb ich:  „Der Titel steht. Und die Selbstsicherheit wankt.“
Letztes Jahr – bei Band 2 – schrieb ich:  „Der Titel steht. Und die Veröffentlichung wankt.“

Dieses Jahr – bei Band 3 – schreibe ich endlich: „Der Titel steht. Und all die Zweifel wanken.“

Ziel war es, bis zum Ende des Jahres meine Trilogie um Evanna Athos zu beenden. Und obwohl das wahre Leben dazwischenkam (genauer gesagt sogar jede Menge vom wahren Leben), ist Band 3 nun endlich fertig.

Bei diesem Teil stand der Titel insgeheim schon fest, bevor er überhaupt geschrieben wurde. Weil ich doch immer und immer wieder darüber schreibe, dass Worte meine Waffe sind. Dass Worte gefährlicher sein können als Fäuste und Messer und Pistolen.

Deswegen, here we go:

Evanna Athos und die Macht der Worte

Reparieren

Du hast behauptet, du möchtest mich reparieren. Als wäre ich eine Maschine, die nicht funktioniert. Vielleicht bin ich eine Maschine, aber keine, die du reparieren kannst. Vielleicht bin ich eine einzige Sollbruchstelle, vielleicht bin ich aber gar nicht so kaputt, sondern du bist es oder die ganze Welt um uns herum. Vielleicht bin ich insgeheim Superman – oder besser gesagt Superwoman -, weil ich trotz all meiner Fehler und Schäden funktioniere. Auch wenn ich nicht so funktioniere, wie du mich gerne hättest, ich funktioniere genug, um zu leben, um auch die nächste Herausforderung, die du mir in den Weg geworfen hast, zu meistern. Vielleicht bin ich danach noch mehr kaputt, vielleicht wird irgendwann der Tag kommen, an dem ich nicht mehr aufstehen kann, an dem das Gewicht auf meiner Brust zu groß wird, aber dann möchte ich, dass nicht du der Grund dafür bist. Das hast du nicht verdient. Denn du hieltst den Vorschlaghammer in der Hand, während du sagtest, du könntest mich reparieren.
Repariere erstmal dich selbst.